17.11.2016 | Einzelhandel

Shopping-Center: Neubau in Deutschland bricht um 50 Prozent ein

Das Phoenix Center in Hamburg wurde im ersten Halbjahr 2016 erweitert
Bild: ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG

Der Neubau von Shopping-Centern in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2016 stark eingebrochen: Knapp 64.000 Quadratmeter Einkaufsflächen wurden neu eröffnet. Das sind 50 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2015, wie eine Studie von Cushman & Wakefield (C&W) zeigt. Potenzial ist aber da. Internationale Einzelhändler sind laut C&W vor allem am Luxussegment interessiert – hier scheint es noch viel Luft nach oben zu geben für neue Flächen und auch höhere Mieten - jenseits der Einkaufszentren.

Bei den neuen Shopping-Centern in Deutschland handelt es sich um das „City Center Bingen“, die „Mercaden Dorsten“, die „Schwalm-Galerie“ in Schwalmstadt und die Erweiterung des „Phoenix Center“ in Hamburg. Im weiteren Jahresverlauf 2016 sowie 2017 werden laut C&W fünf weitere Einkaufszentren entstehen. Größtes neues Center wird das „Schultheiss-Quartier“ in Berlin mit 30.000 Quadratmetern. Aktuell gibt es in Deutschland damit 599 Shopping-Center mit einer Gesamtfläche von 14,8 Millionen Quadratmetern.

Europaweit wurden Cuschman & Wakefield zufolge 1,3 Millionen Quadratmeter Shopping-Center-Fläche neu eröffnet, was einen Rückgang von sieben Prozent im Vorjahresvergleich bedeutet. Immer mehr Experten raten auch deshalb zu Investitionen in Bestandsobjekte.

Internationale Händler überdenken Expansionspläne

Laut Cushman & Wakefield zieht es internationale Einzelhandelsmarken auch weiterhin nach Deutschland. Doch der immer wichtiger werdende Online-Handel erhöht den Druck auf den etablierten Handel. Händler wären hier gut beraten, sich mit den Kaufgewohnheiten der jüngeren Klientel zu beschäftigen. Mit diesem Thema (und anderen um das Thema Einzelhandel herum) beschäftigte sich auch die Fachmesse Mapic 2016 in Cannes. Shopping-Center können vor allem kaufmännisch und technisch mehr leisten, wie eine Expertenbefragung von REC Partners zeigt. Hinzu kommt der starke Wettbewerb um die Kunden.

Viele Händler überdenken ihre Expansionspläne. Und einige große Filialisten, die schon lange am deutschen Markt aktiv sind, verhandeln laut Cushman & Wakefield über Mietkürzungen oder die Schließung einzelner Läden, obwohl die deutschen Mieten im weltweiten Vergleich noch spottbillig sind. Gleichzeitig nutzen Entwickler und Investoren die Gelegenheiten zur schrittweisen Ausweitung der Luxusstandorte. Im Luxussegment besteht auch vereinzelt noch Potenzial für höhere Mieten, weil hier das Angebot an freien Einzelhandelsflächen gering ist.

Einkaufsmeilen müssen für höhere Mieten auf Luxus setzen

Die teuerste Einkaufsmeile Deutschlands liegt laut Cushman & Wakefield in München: Für Läden in der Kaufingerstraße werden 370 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Das ist spottbillig im Vergleich mit anderen prominenten Prachtmeilen: Auf der 5th Avenue in New York kostet der Quadratmeter aktuell 2.400 Euro, das ist Spitze weltweit.

In die europäischen Top-20 haben es insgesamt sieben deutsche Einkaufsstraßen geschafft. Hinter der Kaufinger / Neuhauser Straße in München (Rang neun in Europa, Rang elf weltweit) rangiert die Zeil in Frankfurt am Main auf Platz elf (315 Euro pro Quadratmeter), die Spitalerstraße in Hamburg auf Platz zwölf (310 Euro pro Quadratmeter) und die Berliner Tauentzienstraße auf Rang 14 (305 Euro pro Quadratmeter).

Die Kaufingerstraße in München war noch 2015 laut einer Studie von JLL mit bis zu 15.655 Passanten pro Stunde die meistbesuchte Einkaufsstraße, abgelöst von der Kölner Schildergasse ist mit bis zu 16.835 Passanten pro Stunde bei der JLL-Passantenzählung 2016

Champs Elysées in Paris vor New Bond Street in London

Die Shoppingmeile Causeway Bay (2.324 Euro pro Quadratmeter) in Hongkong schaffte es zum dritten Mal in Folge auf Rang zwei hinter der 5th Avenuje. Die Champs Élysées in Paris kommen mit 1.105 Euro Monatsmiete pro Quadratmeter weltweit auf Rang drei und führen das europäische Ranking vor der New Bond Street in London (1.036 Euro pro Quadratmeter) und der Via Montenapoleone (1.000 Euro pro Quadratmeter) in Mailand an.

Cushman & Wakefield hat 462 Top-Einkaufsstraßen weltweit untersucht und nach ihren jährlichen Spitzenmieten aufgelistet. Insgesamt verzeichnet der Report steigende Jahresmieten bei 36 Prozent aller untersuchten Straßen.

Die 20 teuersten Einkaufsstraßen in Europa

  1. Paris Frankreich Avenue des Champs Élysées 1.105 Euro/qm/Monat
  2. London England New Bond Street 1.036 Euro/qm/Monat
  3. Mailand Italien Via Montenapoleone 1.000 Euro/qm/Monat
  4. Rom Italien Via Condotti 917 Euro/qm/Monat
  5. Zürich Schweiz Bahnhofstraße 701 Euro/qm/Monat
  6. Cannes Frankreich La Croisette 491 Euro/qm/Monat
  7. Wien Österreich Kohlmarkt 385 Euro/qm/Monat
  8. Florenz Italien Via Roma 375 Euro/qm/Monat
  9. München Deutschland Kaufinger /Neuhauser 370 Euro/qm/Monat
  10. Venedig Italien Calle 22°Marzo/Calle S.Moisè 350 Euro/qm/Monat
  11. Frankfurt Deutschland Zeil 315 Euro/qm/Monat
  12. Hamburg Deutschland Spitalstraße 310 Euro/qm/Monat
  13. Genf Schweiz Rue de Rhone 308 Euro/qm/Monat
  14. Berlin Deutschland Tauentzienstraße 305 Euro/qm/Monat
  15. Köln Deutschland Schildergasse 295 Euro/qm/Monat
  16. Stuttgart Deutschland Königstraße 280 Euro/qm/Monat
  17. Düsseldorf Deutschland Königsallee 280 Euro/qm/Monat
  18. Dublin Irland Grafton Street 277 Euro/qm/Monat
  19. Barcelona Spanien Portal de L´Angel 275 Euro/qm/Monat
  20. Madrid Spanien Preciados 255 Euro/qm/Monat

Schlagworte zum Thema:  Einzelhandel, Miete, Gewerbliche Miete, Shopping-Center, Neubau

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