Die Zahl der Baugenehmigungen in Rheinland-Pfalz war 2017 leicht rückläufig. Doch es wurden mehr Wohnungen fertiggestellt als im Jahr zuvor, was die Märkte zumindest kurzzeitig entlastet. Das sind Ergebnisse der "Wohnungsmarktbeobachtung Rheinland-Pfalz" des Ministeriums der Finanzen, dem Statistischen Landesamt und der Investitions- und Strukturbank (ISB). Bezahlbarer Wohnraum in den Ballungsgebieten sei nach wie vor knapp.

"Der Wohnungsbestand in unserem Land ist gestiegen", sagt Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin von Rheinland-Pfalz, und vor allem zur Entlastung der Schwarmregionen sei dieser zusätzliche Wohnraum wichtig. Im August hatte Ahnen angekündigt, zudem die Baukultur fördern zu wollen.

Zum Stichtag 31.12.2017 lebten der "Wohnungsmarktbeobachtung Rheinland-Pfalz" zufolge 4,07 Millionen Menschen im Land – so viele wie nie zuvor. Seit 2012 ist die Bevölkerungszahl kontinuierlich gestiegen und nahm um 83.600 Personen zu (plus 2,1 Prozent).

Nachlassende Neubautätigkeit erwartet

Die Zahl der Baugenehmigungen, ein Indikator für die künftige Bautätigkeit, nahm in Rheinland-Pfalz im Jahr 2017 ab, lag aber immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Diese leicht rückläufige Entwicklung deutet den Studienautoren zufolge darauf hin, dass in nächster Zeit mit einer nachlassenden Neubauaktivität zu rechnen ist.

"2017 genehmigten die zuständigen Bauaufsichtsbehörden in den kreisfreien Städten etwa 3.000 und in den Landkreisen rund 10.400 Neubauwohnungen", Marcel Hürter, Präsident des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz

Deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 3,3 Wohnungen je 1.000 Einwohner lag im vergangenen Jahr die kreisfreie Stadt Landau mit 7,4 Baugenehmigungen. Mit jeweils nur 1,5 Wohnungen lagen die kreisfreie Stadt Frankenthal und der Landkreis Birkenfeld am unteren Ende.

Bundesweit wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge von Januar bis August des laufenden Jahres 204.100 Wohnungen genehmigt – 5.000 mehr als in den ersten acht Monaten 2017.

Einen Zuwachs hat es laut Studie im vergangenen Jahr bei den Baufertigstellungen in der Pfalz gegeben. Im Vergleich zu 2016 ließ die Wohnungsbautätigkeit nur in den kreisfreien Städten nach – in den Landkreisen habe die Zahl der Baufertigstellungen um 0,2 Wohnungen je 1.000 Einwohner zugenommen. Die Länderbauminister hatten auf ihrer Konferenz im Oktober in Kiel Bürokratieabbau für mehr Wohnungsbau gefordert.

Nur leichte Verbesserung der Wohnungssituation

2017 verzeichneten in Rheinland-Pfalz mehr als ein Drittel der Verwaltungsbezirke rückläufige Einwohnerzahlen, heißt es in der Studie.

Die Zahl der Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden wiederum hat in den vergangenen zehn Jahren zugenommen: 2017 gab es 159.700 Wohnungen mehr als 2007 (plus 8,3 Prozent). Gegenüber 2016 ist der Bestand demnach um 12.400 Wohnungen gestiegen (plus 0,6 Prozent). Da sich aber auch die Zahl der Einwohner ebenfalls leicht erhöht hat (plus 7.600), verbesserte sich die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnungen gegenüber 2016 rechnerisch nur leicht: Bezogen auf 1.000 Menschen gab es 512 Wohnungen (2016: 510 Wohnungen).

Bezahlbarer Wohnraum nachgefragt

Da zudem im ersten Halbjahr 2018 die Miet- und Kaufpreise für Wohnimmobilien erneut gestiegen seien, werde vor allem bezahlbarer Wohnraum weiterhin dringend benötigt. Die Mietpreisbremse wirkte bislang in Rheinland-Pfalz nicht.

In den kreisfreien Städten stiegen die Neuvertragsmieten im Durchschnitt im ersten Halbjahr 2018 gegenüber 2017 noch einmal um 3,1 Prozent auf 8,35 Euro pro Quadratmeter. In den Landkreisen lag das durchschnittliche Plus bei 3,8 Prozent; der Quadratmeterpreis beträgt dort 6,43 Euro.

"Die Rahmenbedingungen für Investitionen in den geförderten Wohnungsbau sind mit langen Zinsfestschreibungen, Tilgungszuschüssen und niedrigen Zinsen derzeit optimal", Dr. Ulrich Link, Mitglied des Vorstandes der ISB

In den ersten drei Quartalen 2018 hat die ISB mit rund 198 Millionen Euro den Neubau, den Erwerb und die Modernisierung von mehr als 2.600 Wohneinheiten gefördert – "das sind 89 Prozent mehr Wohnungen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres", so Link.

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen stiegen um 8,5 Prozent in den kreisfreien Städten und 8,1 Prozent in den Landkreisen und liegen aktuell bei 2.510 Euro beziehungsweise 2.046 Euro pro Quadratmeter im landesweiten Schnitt.

Vergleichsweise günstig beim Kauf sind demgegenüber Ein- und Zweifamilienhäuser mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 2.377 in kreisfreien Städten beziehungsweise 1.545 Euro pro Quadratmeter in den Landkreisen. Auch der Preisanstieg ist hier moderater als bei den Eigentumswohnungen: In den kreisfreien Städten liegt das Plus gegenüber 2017 bei 4,8 Prozent und bei den Landkreisen bei 5,6 Prozent.

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