Zwischen 2016 und 2017 sind die Preise für Eigentumswohnungen etwa in Berlin um 15,6 Prozent gestiegen, mehr als in jeder anderen deutschen Metropole. Im bundesweiten Schnitt haben sich Eigentumswohnungen um sieben Prozent verteuert. Das geht aus Daten des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) hervor. Der Internationale Währungsfonds und die Bundesbank warnten kürzlich vor einer potenziellen Blasengefahr. Immowelt spricht von einer Preisexplosion in den deutschen Großstädten.

Das Maklerportal immowelt.de hat für seine Marktanalyse die Angebotspreise von Eigentumswohnungen und von Häusern im Zeitraum zwischen 2008 und 2018 untersucht: In dieser Studie verzeichnet München unter den Großstädten den größten Anstieg: plus 141 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Berlin verzeichnet im Zehnjahresvergleich eine Steigerung von 129 Prozent und kommt bei Immowelt auf Platz zwei. Auf den Rängen drei bis fünf folgen Hamburg (plus 103 Prozent), Stuttgart (plus 100 Prozent) und Frankfurt am Main (plus 98 Prozent).

An zweiter Stelle bei vdp, gelistet nach Preissteigerung, liegt Frankfurt mit einem Plus von 12,5 Prozent im Jahresvergleich 2016/2017. Dahinter folgen auf den Rängen drei bis fünf Hamburg (plus 11,4 Prozent), Stuttgart (plus 11,3 Prozent) sowie Köln (plus 10,8 Prozent). Basis der Berechnungen sind abgeschlossene Kaufverträge.

Verhältnis von Kaufpreis und Miete verschlechtert sich

Der seit Jahren anhaltende Boom am Immobilienmarkt sorge dafür, dass sich das Verhältnis von Kaufpreisen und Mieten deutlich verschlechtert habe, schreibt die Zeitschrift "Finanztest", die wiederum die vdp-Daten ausgewertet hat: "Früher galten Wohnungen als teuer, wenn sie für mehr als 20 Jahresmieten ohne Betriebskosten gekauft wurden". Heute würde das bis zu 30-Fache der Jahresmiete fällig, und zwar nicht nur in Berlin, Hamburg und München, sondern auch in kleineren Städten wie Regensburg und Heidelberg.

Städte, in denen Wohnimmobilien nicht oder nur wenig teurer wurden, gibt es nach den ausgewerteten Daten kaum. Ausnahmen gibt es den vdp-Daten zufolge in Ostdeutschland: Zum Beispiel kosteten Eigentumswohnungen in Frankfurt (Oder) der Studie zufolge binnen Jahresfrist nur 0,9 Prozent mehr, im Raum Görlitz 1,7 Prozent und im Kreis Vorpommern-Greifswald 2,1 Prozent.

Preisniveau regional unterschiedlich

Das Preisniveau bei Wohnimmobilien ist aufgrund der Auswertung der vdp-Daten von Standort zu Standort extrem unterschiedlich. "In Magdeburg und Cottbus gibt es für rund 200.000 Euro ein 130 Quadratmeter großes Einfamilienhaus. Für das gleiche Geld bekommt man in Köln oder Düsseldorf nur eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung, zitiert etwa "Finanztest".

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Immowelt: Die geringsten Veränderungen gab es demnach im Ruhrgebiet: In Essen haben sich die Kaufpreise über zehn Jahre um neun Prozent verteuert, in Dortmund fällt der Preissprung mit 22 Prozent ebenfalls gering aus. Die ostdeutschen Großstädte Leipzig (plus 74 Prozent) und Dresden (plus 76 Prozent) seien wiederum an den Ruhrgebiet-Städten vorbei gezogen.

IWF warnt vor potenzieller Blasengefahr

Vor allem die extrem niedrigen Zinsen treiben die Nachfrage nach Immobilien, dazu kommt den Studienautoren zufolge eine historisch gute Lage am Arbeitsmarkt. Zugleich hält der Neubau mit der Nachfrage nicht Schritt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte vor kurzem vor der potenziellen Gefahr einer Immobilienblase.

Der Preisanstieg bei Immobilienpreisen habe in Deutschlands "dynamischsten Städten eine genaue Beobachtung verdient", hieß es in einem IWF-Länderbericht. Die globale Finanzkrise 2008/2009 hatte ihren Ausgangspunkt auf dem US-Immobilienmarkt, wo die Preise nach jahrelangem Boom kollabierten.

Bundesbank spricht von Preisübertreibungen in Städten

Die Bundesbank hatte vor einigen Monaten von Preisübertreibungen vor allem in Städten gesprochen. Nach der damaligen Einschätzung der Bundesbank hat sich der rasante Anstieg der Immobilienpreise in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt etwas abgeschwächt.

"Während sich Wohnraum in städtischen Gebieten mit mehr oder weniger unvermindertem Tempo verteuerte, ermäßigte sich der Preisanstieg in Deutschland insgesamt etwas", schrieben die Experten im Februar in ihrem Monatsbericht.

Zukunft ungewiss

Wie es weitergeht, ist ungewiss: "Die zu erwartende Abschwächung der Preisentwicklung lässt noch auf sich warten", hatte vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolkmitt im Mai auf Basis von Zahlen aus dem ersten Quartal analysiert. "Perspektivisch gehen wir aber nach wie vor davon aus, dass sich der Preisanstieg am deutschen Wohnungsmarkt sowohl bundesweit als auch in den Metropolregionen verlangsamen wird."

Neue Daten zum zweiten Quartal 2018 will der Verband in der zweiten Augusthälfte vorlegen.

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