15.11.2016 | Einzehandelsimmobilien

Mapic 2016: „Gen Y” im Visier

Die Fachmesse für Einzehandelsimmobilien Mapic in Cannes wird jährlich von Reed Midem organisiert
Bild: Reed Midem

Das Interesse internationaler Investoren an Handelsimmobilien ist weiterhin groß. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass Transaktionsrekorde wegen des knappen Angebots nicht mehr erreicht werden und die wachsende Bedeutung des E-Commerce den Markt zudem stark verändert. Vom 16. bis 18. November treffen sich die Experten auf der Fachmesse Mapic in Cannes, um diese und andere Themen zu diskutieren. Besondere Zielgruppe sind die Millennials – auch „Generation Y” genannt.

Die Messe fokussiert sich in diesem Jahr erstmals auf eine neue Zielgruppe – die sogenannten Millennials. Die zwischen 1980 und dem Jahr 2000 geborenen Kunden haben der Gruppe der „Babyboomer“ zahlenmäßig den Rang abgelaufen: dieser Bevölkerungsgruppe kommt in der Entwicklung von Marketing-Konzepten und Verkaufszahlen eine Schlüsselrolle zu.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Kaufkraft der Millennials die nächsten sechs oder sogar mehr Dekaden maßgeblich beeinflussen wird.

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sagt Messechefin Nathalie Depetro. „In diesem Jahr haben wir einen neuen, mehr als 1.000 Quadratmeter gro­­ßen Trend-Hub eingerichtet, auf dem Aussteller neue Retail-Trends vorstellen, die hauptsächlich die Nachfrage der Millennials bedienen“, so Depetro weiter.

Die „Generation Y” zeichnet im Vergleich mit anderen Generationen vor allem eines aus: ihr natürlicher Zugang zum Digitalen.

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ein Leben ohne Smartphone ist für die heute 16- bis 35-Jährigen nicht mehr vorstellbar. Gemäß einer Studie von Connected Life, für die weltweit mehr als 60.000 Onliner durch das Marktforschungs- und Beratungsins­titut TNS befragt wurden, verbringen Menschen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren global betrachtet durchschnittlich 3,2 Stunden pro Tag mit ihren mobilen Devices.

Der Absatz von Smartphones steigt ungebremst: Besaßen vor zwei Jahren „erst“ 82 Prozent der Millennials weltweit ein Smartphone oder Handy, sind es heute bereits 89 Prozent.

Onlinehandel auf dem Vormarsch

Ein weiteres Thema ist der Online-Handel. Händler wären gut beraten, sich mit den Kaufgewohnheiten dieser Klientel zu beschäftigen. Das betrifft sowohl die Art einzukaufen – online oder offline? – als auch die Vorlieben dieser Zielgruppe.

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stellt Depetro fest und verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren schon viele Shopping Center sich eine Repositionierung verordnet hätten, um Freizeit-Aktivitäten anbieten zu können, die weit über Spielplätze und Foodcourts hinausgingen.

Als Beispiel nennt die Mapic-Chefin iP2Entertainment, ein Unternehmen, das sein Kerngeschäft im Bereich Branded Family Edutainment Centers (BEFCs) sieht und diesmal erstmals in Cannes Präsenz zeigen wird. „Uns geht es darum, Verkäufe zu generieren, indem wir eine angenehme Atmosphäre schaffen und eine Aufenthaltsqualität, die sich mit einer Marke oder einer Reihe von Produkten verknüpft“, so Roger Houben, CEO von iP2Entertainment.

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Das Verhältnis stationärer Einzelhandel versus Interneteinkauf – oder englisch O2O/Online-to-offline – steht auch in Cannes ganz oben auf der Agenda. „Heute ist das Omnichanneling bei Einzelhandelsspezialisten der Kern der Retail-Strategie. Der physische Verkaufsstandort spielt dabei eine sehr vitale Rolle: Selbst reine Onlinehändler sehen sich vermehrt nach stationären Verkaufsstellen um“, stellt Messechefin Depetro fest.

Onlineanteil am Einzelhandelsumsatz verdoppelt sich bis 2025

Gemäß dem Global Retail E-Commerce Index 2015, einer Studie von A.T. Kearney, hat der Internethandel weltweit stark an Bedeutung gewonnen.

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So prognostiziert etwa der Hahn Retail Real Estate Reports 2015/2016, der in Kooperation mit CBRE und GfK GeoMarketing erstellt wurde, bis 2025 nahezu eine Verdopplung des Onlineanteils am gesamten Einzelhandelsumsatz (das heißt Food und Non-Food) auf rund 15 Prozent.

Bis 2025 werde der Onlinehandel ein Volumen von rund 75 Milliarden Euro erreichen, schreiben die Autoren. Nach den Zahlen des Immobiliendienstleisters JLL sorgt der Onlinehandel aktuell für rund 11,6 Prozent des Einzelhandelsumsatzes in Deutschland, im weltweit derzeit stärks­ten Onlinemarkt Großbritannien sind es 15,2 Prozent. Halte das Wachstum an, werden die Onlineumsätze gemäß JLL im kommenden Jahr 73 Milliarden Euro ausmachen – das wäre ein Wachstum von 38 Prozent seit 2015.

Grenzlinien zwischen stationärem und Online-Handel verschwimmen

Wie Depetro feststellt, finden in den USA 90 Prozent der Einkäufe in realen Geschäften statt. Um weiter wachsen zu können, würden reine Onlinehändler die Grenze zwischen dem physischen und dem virtuellen Geschäft aufheben. Zu einem ähnlichen Schluss sei auch eine Expertenrunde im Google-Hauptquartier in Paris gelangt. Die einhellige Meinung: Kunden schätzten die sozialen Kontakte und die Unterhaltung, die die stationären Geschäfte bieten.

Tatsächlich gibt es einen Aspekt, bei dem die Onlinehändler gegenüber dem stationären Einzelhandel das Nachsehen haben:

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„Menschen leben von fünf Sinnen – und online bedient nur zwei davon“, sagt Klaus Striebich, Geschäftsführer Leasing bei der Hamburger ECE. Der Kunde kann die Ware nicht anfassen, er kann sie nicht fühlen, nicht daran riechen, nicht ausprobieren. „Man ist also gut beraten, als Händler online und offline zu kombinieren“, so auch Striebich.

Wie dies am besten gelingen könnte, dazu sollen Händler, Projektentwickler und die Vermieter von Einzelhandelsflächen auch in diesem Jahr Beispiele, Ideen und Anregungen in Cannes finden. Die Mapic wird jährlich von Reed Midem organisiert.

Schlagworte zum Thema:  Handelsimmobilien, Einzelhandelsimmobilie, Messe, Investor

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