London ist immer noch doppelt so teuer wie Paris Bild: Anja Semling ⁄

Hongkong hat das Londoner West End als teuersten Büromarkt abgelöst. Das ist ein Ergebnis einer Studie von Cushman & Wakefield, die die Mietkosten von 215 Märkten in 58 Ländern untersucht. Die Kosten pro Arbeitsplatz und Jahr sind in der britischen Hauptstadt seit 2016 um 19 Prozent gesunken. Damit ist London aber immer noch mehr als doppelt so teuer wie Frankfurt am Main. Die wachsende Technologisierung bringt zudem immer mehr nachrangige Städte nach vorne.

Flächenmangel in Hongkong treibt Preise

In Hongkong führten der Flächenmangel und die starke Nachfrage von Unternehmen vom benachbarten chinesischen Mutterland zu einem Kostenanstieg um 5,5 Prozent auf 27.431 US-Dollar pro Arbeitsplatz und Jahr. Die steigenden Mieten führen dazu, dass sich immer mehr multinationale Unternehmen in dezentralen Standorten mit geringeren Mietkosten niederlassen: So können etwa bei gleichen Mietkosten 100 Mitarbeiter in Hongkong, 300 in Toronto, 500 in Madrid und 900 in Mumbai untergebracht werden.

München und Frankfurt: die teuersten deutschen Städte

In London kostet ein Arbeitsplatz pro Jahr im Schnitt derzeit noch 22.665 US-Dollar. Grund sei vor allem die Währungsabwertung, so Cushman & Wakefield. Paris gehört trotz eines Kostenrückgangs zu den Top 10, obwohl dort die Kosten um die Hälfte geringer sind als in London. Die teuersten deutschen Städte sind München mit 9.784 US-Dollar auf Rang 17 der Welt und Frankfurt mit 8.427 US-Dollar auf Rang 25. Berlin (6.883 US-Dollar) steht auf Rang 43.

Weltweit steigen die Kosten um 1,5 Prozent

Auf globaler Ebene stiegen die durchschnittlichen jährlichen Kosten laut Cushman & Wakefield in den vergangenen zwölf Monaten um 1,5 Prozent. Hauptverantwortlich war demnach die Entwicklung in Nord- und Südamerika (plus 4,2 Prozent) und in der Region Asien/Pazifik (plus 3,4 Prozent). Die Region EMEA (Europe, Middle East, Africa) verzeichnete einen Rückgang von 1,3 Prozent.

Belegungsdichte in Büros nimmt zu

Parallel zu den steigenden Mietkosten hat bei globaler Betrachtung laut Cushman & Wakefield auch die Belegungsdichte von Büroflächen mit Mitarbeitern im Jahr 2017 gegenüber 2016 zugenommen. Arbeitgeber in den traditionellen "Power Cities" New York, London, Tokio und Hongkong wollen die steigende Anzahl an Mitarbeitern so effizient wie möglich unterbringen und damit den größtmöglichen Nutzen aus den gestiegenen Mietkosten erzielen.

Technologiebranche wirkt sich auf Ranking aus

Das rasante Wachstum der Technologiebranche hat eine neue Generation von Unternehmern hervorgebracht, die weniger mit den traditionellen globalen "Power Cities" verwoben sind als Banken und Finanzinstitutionen. Durch neue Technologien ist es möglich, mit Laptop und Internetanschluss von überall aus zu arbeiten.

"Hongkong und London sind mit Abstand die teuersten Büromärkte, allerdings beginnen im digitalen Zeitalter nachrangige Städte mit den etablierten Städten zu konkurrieren", sagt Sophy Moffat, Autorin des Reports.

Weltweite Umschichtung der Mietkosten erwartet

So rücken neben den etablierten globalen Konkurrenzstandorten auch Städte wie Stockholm, Austin und Seoul im Kostenranking immer weiter nach oben. Austin entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einer Hightech-Metropole und kommt im aktuellen Ranking auf Platz 21 – mit Kosten, die immer noch 40 Prozent unter dem Niveau von Silicon Valley liegen.

Nach dem Report wird es auf lange Sicht weltweit zu einer geographischen Umschichtung der Mietkosten kommen. Bis zum Jahr 2025 sollen mehr als 45 Prozent von Unternehmen der "Fortune Global 500" aus Schwellenländern kommen, verglichen mit nur fünf Prozent im Jahr 1990.

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