Corona treibt den Online-Handel – mehr Logistik muss her

Boutiquen und Modehäuser in den Innenstädten melden historische Umsatzeinbußen, während der Online-Handel kräftig profitiert. Besonders sonntags wird gerne bestellt. In der Folge müssen immer mehr Logistikflächen her. Auf Akzeptanz in der Bevölkerung – den Mitauslösern des Bedarfs – stößt das nicht.

Der Modehandel in Innenstädten und Einkaufszentren hat laut Branchenverband BTE im Laufe der Coronakrise – explizit zwischen März bis August – rund ein Drittel des Geschäfts eingebüßt. Im Vergleich zum Vorjahr fehlen fünf Milliarden Euro in den Kassen, wie BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels sagt. Das sei ein bislang historisch einmaliger Einbruch.

Verschiebung in Richtung Online-Shopping

Der stationäre Modefachhandel, egal ob in der kleinen Boutique oder dem großen Warenhaus, leidet Pangels zufolge aktuell gleich unter zwei Entwicklungen: Zum einen habe es eine massive Verschiebung in Richtung Online-Shopping gegeben – seit April habe der Online-Handel Monat für Monat im zweistelligen Prozentbereich zulegen können; zum anderen werde im Internet besonders gerne sonntags geshoppt und verkaufsoffene Sonntage seien vielerorts verboten. "Die Schere zwischen stationärem Modehandel und Online-Handel ist damit weiter auseinander gegangen", beschwert sich Pangels. 

Die Nachfrage nach großflächiger Logistik steigt – und mit ihr der Unmut aus der Bevölkerung

E-Commerce und Same-Day-Lieferungen steigern die Nachfrage nach modernen Logistikflächen schon seit Jahren, wie Studien zeigen. Das reicht vom urbanen Logistikzentrum bis hin zu großflächigen Verteilerzentren entlang der Autobahnen. Cushman & Wakefield und der Entwickler P3 Logistic Parks etwa gehen davon aus, dass das Aufkommen alleine für Paketzustellungen bis 2021 europaweit um 69 Prozent steigen wird. Und laut Catella hatte Deutschland schon vor zwei Jahren mit 25 Logistikregionen die mit Abstand höchste Dichte an Clustern innerhalb Europas.

Laut IW Köln profitieren – und die Pandemie kommt da nur als Treiber dazu – vor allem die großen Händler und Handelsplattformen wie Amazon. Alleine in den USA will das Unternehmen 100.000 neue Beschäftigten in Lager und Logistik einstellen. Verteilt wird in Europa auch aus den großen deutschen Logistikzentren, etwa in Bad Hersfeld. In Deutschland hat sich laut einem Bericht des ARD-Politmagazins "Plusminus" der Flächenbedarf innerhalb von zehn Jahren auf 145 Millionen Quadratmetern verdoppelt.

Doch trotz der Vorliebe fürs Online-Shopping und ungeachtet des wirtschaftlichen Nutzens für die jeweilige Region – vielerorts formiert sich Widerstand gegen den Ausbau von Lagerhallen. In seinem Bericht thematisiert "Plusminus" beispielhaft unter anderem den Bürgerprotest im hessischen Wölfersheim gegen das geplante Rewe-Logistikzentrum und die Versiegelung von Äckern – es soll alles so bleiben, wie es schon immer war.


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Logistikimmobilie, E-Commerce