Der Bio-Lebensmittel-Handel verdoppelt den Umsatz von 4,6 Milliarden Euro auf 9,5 Milliarden Euro Bild: Marc Doradzillo

Der Lebensmittelhandel hat seine Bedeutung zwischen 2006 und 2016 deutlich ausgebaut, wie eine Studie von JLL zeigt: Alleine im Bereich Gastronomie/Food hat sich der Flächenumsatz von 17.900 Quadratmetern auf 100.100 Quadratmeter versechsfacht. Der Onlinehandel mit Lebensmitteln führt laut Untersuchung des Gewerbeimmobilienmaklers noch ein Nischendasein. Für Investoren bedeute das, dass Lebensmittelhändler als Ankermieter in Immobilien auch weiterhin ein wichtiger Frequenz- und Umsatzbringer sind.

Der Anteil der Lebensmittelbranche am Gesamtvermietungsumsatz im Einzelhandel stieg von 8,3 Prozent auf 20 Prozent. Die Bedeutung des Marktes spiegelt sich laut Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany, auch im Konsumverhalten der Deutschen wider: Sie gaben im Vergleich 22 Prozent mehr für generellen Konsum aus.

Erlebnis beeinflusst Konsumverhalten

Deutlich an Dynamik legte die Gastronomie zu: Dabei wuchs die Systemgastronomie von 15 auf 30 Prozent, Restaurants und Imbisse steigerten sich von drei auf 16 Prozent. Kaffeeanbieter (drei Prozent), Bäckereien (zwei Prozent) und Süßwarenhändler (zwei Prozent) haben im Vergleich zu 2006 an Bedeutung verloren.

"Kein anderes Einzelhandelssegment demonstriert das veränderte Konsumverhalten in Deutschland so stark wie der Bereich Gastronomie/Food", sagt Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany.

Entscheidend sei heute das Erlebnis, der Genuss und das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun. "Das erklärt den Siegeszug der Gastronomie, während beispielsweise im Textilhandel immer knapper kalkuliert werden muss", so Wichner.

Für 2017 hatte JLL bei den Nutzern einen Expansionskurs vor allem im Beauty- und Gesundheitsbereich erwartet.

Lebensmittelhandel baut neue Geschäftsmodelle aus

JLL zufolge hat sich die Struktur der Handelslandschaft geändert. Im Zeitraum zwischen 2006 und 2016 hat sich die Zahl der kleinen Lebensmittelgeschäfte auf 8.750 halbiert. Supermärkte (10.900) und Discounter (16.054) legten moderat zu. In der Summe schrumpfte die Zahl der Geschäfte allerdings von 39.155 auf 37.682.

Dabei beobachtet JLL einen Trend hin zu gesünderer und bewusster Ernährung sowie einen wachsenden Fokus auf regionale Produkte: So wuchsen die Umsätze in den Supermarktklassen "400 bis 2.000 Quadratmeter" und "2.500 bis 5.000 Quadratmeter", die diese Produkte anbieten, alleine in den vergangenen fünf Jahren um 22 Prozent. Die Umsätze der Discounter legten in diesem Zeitraum nur um 14 Prozent zu.

Fairtrade-Produkte haben ihren Umsatz von 110 Millionen Euro im Jahr 2006 auf 1,15 Milliarden Euro im Jahr 2016 mehr als verzehnfacht. Bio-Lebensmittel verdoppelten den Umsatz von 4,6 Milliarden Euro auf 9,5 Milliarden Euro.

Onlinehandel mit Lebensmitteln: Vorreiter ist Großbritannien

Vor allem Anbieter wie „denn’s bio“, Alnatura und BioCompany profitierten von der wachsenden Nachfrage. Nur schleppend kommt in Deutschland der Onlinehandel mit Lebensmitteln in Schwung.

Während mittlerweile rund zehn Prozent aller Einzelhandelsumsätze in Deutschland online generiert werden, bleibt E-Food noch ein Nischengeschäft.

Nur rund ein Prozent des Lebensmittelumsatzes wird online umgesetzt. Das bedeutet einen Anstieg um 0,6 Prozentpunkte alleine in den vergangenen fünf Jahren. Vorreiter ist Großbritannien mit einem Onlineanteil von 6,9 Prozent, vor Frankreich mit 5,3 Prozent.

"Auch wenn der Onlinehandel neue Optionen bietet, werden Lebensmittel in Deutschland von der großen Mehrheit der Konsumenten immer noch stationär gekauft", sagt Sandra Ludwig, Head of Retail Investment JLL Germany. Für Investoren bedeute das, dass Lebensmittelhändler als Ankermieter in ihren Immobilien weiterhin ein wichtiger Frequenz- und Umsatzbringer sind.

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Schlagworte zum Thema:  Lebensmittelhandel, Einzelhandelsimmobilie

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