Die Mieten in Berlin sind heute knapp 104 Prozent teurer als vor zehn Jahren, und auch andere ostdeutsche Ballungszentren erleben derzeit einen Boom, wie eine Analyse von Immowelt zeigt. Die bisher vergleichsweise günstigen Mieten und die modernen Universitäten lockten seit 2008 Zuzügler aus ländlichen Regionen und immer mehr Studenten in ostdeutsche Städte. Wie etwa nach Leipzig: Hier beträgt die Preissteigerung 35 Prozent.

Das Maklerportal immowelt.de hat in einem Zehnjahres-Vergleich die Kaltmieten in 67 Stadt- und Landkreisen der ostdeutschen Bundesländer untersucht. Die stärkste Preisentwicklung verzeichnet Berlin: Hier kostet der Quadratmeter im Durchschnitt aktuell im 11,40 Euro, das sind 104 Prozent mehr als 2008.

Alleine zwischen 2005 und 2015 sind die deutschen Großstädte und Ballungsregionen durch Landflucht um 1,4 Millionen Einwohner gewachsen, Tendenz steigend, wie etwas im Raumordnungsbericht 2017 des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) zu lesen ist. Nach Zahlen des Immobilienverbandes IVD schlägt sich die Abwanderung längst auch in den kleineren und mittleren Städten auf die Mieten nieder.

Mieten im Berliner Speckgürtel ziehen deutlich an

Vom Boom in Berlin profitiert laut Immowelt auch der Speckgürtel der Hauptstadt: In den Landkreisen Dahme-Spreewald und Oberhavel haben die Mietpreise um 50 Prozent (auf neun Euro pro Quadratmeter) beziehungsweise 48 Prozent (auf 8,90 Euro pro Quadratmeter) angezogen. Nach Berlin verzeichnen diese beiden Landkreise die zweit- und drittgrößte Steigerung in Ostdeutschland. Damit lebt es sich dort noch deutlich günstiger als in der Hauptstadt. Grund für viele, sich in den Landkreisen niederzulassen und für den Job zu pendeln.

Im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr bleibt Berlin im ersten Halbjahr 2018 die deutsche Stadt mit dem höchsten jährlichen Mietpreisanstieg, wie eine Analyse von JLL zeigt.

Auch Studenten zieht es in den Osten

Aber nicht nur die Zuzügler aus den ländlichen Regionen treiben laut Immowelt die Preise in den Ballungszentren in die Höhe, auch Studenten zog es im Laufe der vergangenen zehn Jahr in den Osten, weil dort die Mieten noch vergleichsweise günstig waren.

Mittlerweile ändert sich das: Am stärksten ist die Preissteigerung laut Immowelt in Leipzig mit Plus 35 Prozent gegenüber 2008 – hier kostet der Quadratmeter aktuell 6,50 Euro. Auch in Dresden, Erfurt und Jena sind die Mieten um rund ein Drittel gestiegen. In der drittteuersten Stadt Ostdeutschlands, in Jena, kostet eine Wohnung mittlerweile neun Euro pro Quadratmeter. Wie eine Studie von wg-suche.de und ImmobilienScout24 herausgefunden hat, verzeichnet bezogen auf Studentenwohnungen immer noch Berlin den mit Abstand größten Preisanstieg seit 2011 im Vergleich von 160 Städten. 

Unter anderem in Jena und Dresden wächst dem Forschungsinstitut Empirica zufolge die Gefahr einer Immobilienblase. Trotz steigender Mieten sei der Thüringer Wohnungsmarkt im Bundesvergleich dennoch kaum angespannt, wie es im Mietenreport 2017 des Verbands Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw) heißt.

Sachsens ländliche Regionen vereinsamen

Das Wohnen, Arbeiten und Leben zentralisiert sich laut Immowelt in Ostdeutschland auf die größeren Städte mit guter Infrastruktur, Bildungsangeboten und Jobs. Vor allem Sachsen kämpft mit starken Strukturproblemen. Die jungen Menschen zieht es wegen der guten Arbeitsmarktsituation in die Großstädte, die Preisentwicklung in den umliegenden Kreisen fällt damit fast ganz aus.

In sieben sächsischen Stadt- und Landkreisen sind die Mieten in den vergangenen zehn Jahren um maximal zehn Prozent gestiegen – ein Wert, der Immowelt zufolge deutlich unter der Inflation von 15 Prozent seit 2008 liegt.

Trotz Universität: Mieten in Rostock stagnieren

In Chemnitz sind die Mietpreise im untersuchten Zeitraum lediglich um sechs Prozent gestiegen. In Rostock lässt sich sogar eine Stagnation der Mietpreise erkennen: Dort zahlen die Mieter mit 6,80 Euro pro Quadratmeter genauso viel wie 2008. Trotz guter wirtschaftlicher Lage und einer großen Universität blieb eine Preissteigerung in der Hansestadt aus.

Top Ten der Mietsteigerungen seit 2008

  1. Stadt Berlin: + 103,57 % (2008: 5,60 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  2. LK Dahme-Spreewald: + 50 % (2008: 6,00 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  3. LK Oberhavel: + 48,33 % (2008: 6,00 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  4. Stadt Weimar: + 38,89 % (2008: 5,40 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  5. LK Oder-Spree: + 38,60 % (2008: 5,70 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  6. Stadt Leipzig: + 35,42 % (2008: 4,80 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  7. Stadt Potsdam: + 34,72 % (2008: 7,20 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  8. Stadt Dresden: + 34,55 % (2008: 5,50 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  9. Stadt Erfurt: + 33,93 % (2008: 5,60 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)
  10. LK Havelland: + 30,51 % (2008: 5,90 €/qm; 2018: 11,40 €/qm)

Quelle: immowelt.de

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