Kooperation: PropTechs beklagen zähe Entscheidungsprozesse

Für PropTechs sind vor allem "langsame und anstrengende Entscheidungsprozesse" ein Hindernis bei Kooperationen mit Immobilienunternehmen. In einer Umfrage von Union Investment und dem German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) unter mehr als 100 Startups weltweit gaben das 52 Prozent der Studienteilnehmer als Hauptproblem an. 68 Prozent haben die Beschleunigung von Entscheidungsprozessen bei ihren Partnern ganz oben auf der Wunschliste.

Jeweils 60 Prozent der Befragten wünschen sich eine höhere Risikobereitschaft und mehr Offenheit für unterschiedliche Kollaborationsmodelle.

"Regulierung, IT-Sicherheit und Dokumentationspflichten kombiniert mit der Vielzahl festgelegter Prozesse wirken auf Startups wie ein Hindernisparcours, der Kooperationen mit den etablierten Immobilienunternehmen den Weg versperrt." Jörn Stobbe, Chief Operating Officer und Geschäftsführer der Union Investment Real Estate GmbH

Eine herausragende Rolle für das Interesse der PropTechs an Kooperationen spielt den Studienautoren zufolge der Zugang zum Know-how und der Expertise von großen Unternehmen (57 Prozent). Knapp 80 Prozent nannten große Immobilienportfolios, also die Assets an sich, die Kooperationen für PropTechs interessant machen.

Gebäudeperformance ist wichtigster Tech-Profiteur

Das Interesse an der Zusammenarbeit ist groß: Mehr als 70 Prozent von PropTech-Startups suchen den Zugang zu etablierten Playern. Das größte Potenzial für eine Zusammenarbeit liegt für PropTechs der Studie zufolge in der Phase der Gebäudenutzung (48 Prozent). In der Entwicklung sehen 34 Prozent interessante Ansätze zu Kooperationen und im Investment 21 Prozent.

Gefragt nach den stärksten Effekten, die sich aufgrund neuer Technologien für die Immobilienbranche ergeben, nannten 67 Prozent der PropTechs die Verbesserung der Gebäudeperformance.

"PropTech-Startups sollten die Verbesserung der Gebäudeleistung mit dem Nutzen für Umwelt und den Nutzer verknüpfen und Nachhaltigkeit in ihr Geschäftsmodell integrieren." Jörn Stobbe

Positive Tech-Effekte erwarten die PropTechs auch auf die Entscheidungsprozesse in den Immobilienunternehmen (64 Prozent), auf eine höhere Profitabilität (59 Prozent) und Transaktionsgeschwindigkeit (59 Prozent) und auf eine verbesserte Kundenloyalität (24 Prozent).

Für die kommenden fünf Jahre werden dabei die größten Effekte für die Immobilienbranche einer Gruppe von drei Technologien zugesprochen:

Property-Management wird technologischen Wandel als erstes umfassend spüren

Aus Sicht vieler PropTechs (63 Prozent) wird das Property Management mit seinem direkten Zugang zu den Objekten der Bereich sein, der den technologischen Wandel als erstes umfassend spüren wird. Den Bereich Transaktion sehen rund 42 Prozent der PropTechs ganz vorn bei der Digitalisierung.

"In Deutschland sorgt schon das Grundbuch dafür, dass sich nicht der gesamte Transaktionsprozess digitalisieren lässt. Teilprozesse wie die Due Diligence oder Kontaktfunktionen können aber in der Tat effizienter gestaltet werden." Jörn Stobbe

Ganz vorn, wenn es um den technologischen Wandel geht, sehen nur jeweils 40 Prozent den Bereich Asset Management und Vermietung sowie den Bereich Research. Die Immobilienentwicklung steht für nur etwa 27 Prozent der Befragten ganz oben auf der Digitalisierungsliste.

Außerdem: Union Investment und GTEC haben den Startschuss für den dritten "PropTech Innovation Award" gegeben: Noch bis zum 15.2.2019 können sich junge Tech-Unternehmen für den Preis 2019 bewerben.


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