In den deutschen Mittelstädten herrscht laut einer Studie von Immowelt eine große Diskrepanz bei den Miet- und Kaufpreisen von Immobilien. Die teuerste Stadt zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern ist demnach Konstanz. Am günstigsten wohnt und kauft es sich im ostdeutschen Plauen. Eine der wenigen höherpreisigen Ausnahmen in Ostdeutschland ist die Universitätsstadt Greifswald.

In Konstanz sind der Studie zufolge sowohl die Durchschnittsmieten der bei Immowelt inserierten Angebote in den ersten drei Quartalen 2018 (12,10 Euro pro Quadratmeter) als auch die durchschnittlichen Kaufpreise (4.550 Euro) unter allen deutschen Mittelstädten am höchsten. Bereits in der Vorjahresstudie war Konstanz mit 11,80 Euro pro Quadratmeter die teuerste der untersuchten Städte.

Anziehungskraft üben laut Immowelt die Lage am Bodensee, die renommierte Universität und Arbeitsplätze im Wissenschaftssektor aus. Dabei sind die Kaufpreise den Mieten davon geeilt, wie der Mietmultiplikator zeigt. Er sagt aus, wie viele Jahresmieten man für eine Immobilie investieren muss. Je höher der Multiplikator, desto teurer die Immobilie: In Konstanz zahlen Käufer laut Immowelt mehr als die 31-fache Jahresmiete.

Teurer Wohnungskauf auch in Rosenheim und Landshut

Noch höher ist der Mietmultiplikator unter den 111 untersuchten Städten nur in Rosenheim und Landshut mit 4.290 pro Quadratmeter (34,7-fach) beziehungsweise 3.950 Euro pro Quadratmeter (32,9), während die Mieten in beiden Städten jedoch mit rund zehn Euro pro Quadratmeter nur im oberen Mittelfeld rangieren.

Die Hochschulen und die Nähe zu München sind Anziehungspunkte in beiden Kommunen. Bei Rosenheim kommt die Lage im Alpenvorland in der Nähe zum Chiemsee hinzu. Tendenz: Wohnraum wird dort immer begehrter und knapper. Neubauten, die hier entstehen, werden laut Immowelt teuer am Markt angeboten werden.

Bad Homburg schafft es wegen der Nähe zu Frankfurt in die Top 10

Zwar liegen im Immowelt-Ranking größtenteils Städte aus Bayern und Baden-Württemberg an der Spitze, doch das hessische Bad Homburg bildet eine Ausnahme in den Top 10: Die Kaufpreise liegen hier aktuell bei 3.830 Euro. Mit Mieten von 11,50 Euro ist Bad Homburg die drittteuerste unter den analysierten Städten. Die Kurstadt im Taunus ist wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage zu Frankfurt am Main in 20 Kilometern Entfernung vor allem für Pendler interessant.

Die teuersten Kaufpreise (Durchschnitt) der deutschen Mittelstädte (Q1-Q3 218)

  1. Konstanz 4.550 Euro pro Quadratmeter
  2. Rosenheim 4.290 Euro pro Quadratmeter
  3. Landshut 3.950 Euro pro Quadratmeter
  4. Tübingen 3.890 Euro pro Quadratmeter
  5. Bad Homburg 3.830 Euro pro Quadratmeter

Die teuersten Mietpreise (Durchschnitt) der deutschen Mittelstädte (Q1-Q3 218)

  1. Konstanz 12,10 Euro pro Quadratmeter
  2. Böblingen 11,70 Euro pro Quadratmeter
  3. Bad Homburg 11,50 Euro pro Quadratmeter
  4. Tübingen 11,20 Euro pro Quadratmeter
  5. Sindelfingen 10,90 Euro pro Quadratmeter

Im Vergleich zu den Metropolen bieten Mittelstädte mit etwa 50.000 Einwohnern, explizit Universitätsstädte, bei Immobilieninvestments noch hohe Renditeaussichten (Sonderbericht von Gewos im Rahmen des ZIA-Frühjahrsgutachtens 2018).

Plauen: Eigentum kostet nicht einmal das Zehnfache der Jahresmiete

Am unteren Ende des Immowelt-Rankings befinden sich vor allem Kommunen aus dem Osten. Die mit Abstand günstigste aller untersuchten Städte ist Plauen. 490 Euro kostet der Quadratmeter im Schnitt für Wohneigentum, bei Mietobjekten sind es 4,50 Euro. Käufer zahlen für eine Eigentumswohnung oder ein Haus dort somit nicht einmal das zehnfache der Jahresmiete.

Auch andere ostdeutsche Städte wie etwa Görlitz, Gera, Zwickau oder Dessau-Roßlau zählen zu den günstigsten untersuchten Standorten. Die Kaufpreise liegen hier bei maximal 830 Euro pro Quadratmeter, die durchschnittlichen Mieten bei 5,60 Euro pro Quadratmeter. Eine der wenigen höherpreisigen Ausnahmen ist Greifswald. Die Universitätsstadt an der Ostsee ist die teuerste ostdeutsche Mittelstadt und liegt deutschlandweit preislich im oberen Mittelfeld. Wohneigentum kostet pro Quadratmeter 2.020 Euro, Miete 8,40 Euro.

Die günstigsten Kaufpreise (Durchschnitt) der deutschen Mittelstädte (Q1-Q3 218)

  • Dessau-Roßlau 830 Euro pro Quadratmeter
  • Gera 780 Euro pro Quadratmeter
  • Zwickau 780 Euro pro Quadratmeter
  • Görlitz 650 Euro pro Quadratmeter
  • Plauen 490 Euro pro Quadratmeter

Die günstigsten Mietpreise (Durchschnitt) der deutschen Mittelstädte (Q1-Q3 218)

  • Wilhelmshaven 5,30 Euro pro Quadratmeter
  • Zwickau 5,20 Euro pro Quadratmeter
  • Gera 5,00 Euro pro Quadratmeter
  • Görlitz 4,70 Euro pro Quadratmeter
  • Plauen 4,50 Euro pro Quadratmeter

Wie ein Mietenreport des Verbands Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw) zeigt, ist der auch Thüringer Wohnungsmarkt im Bundesvergleich kaum angespannt.

Wohnen auch in NRW und Niedersachsen noch bezahlbar

Wie aus der Immowelt-Studie weiter hervorgeht, ist neben dem Osten auch Wohnen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen noch preiswert.

So befinden sich die Miet- und Kaufpreise laut Immowelt etwa in den niedersächsischen Städten Goslar (Kaufpreis: 870 Euro; Miete: 6,00 Euro; Multiplikator: 12,1) und Hameln (Kaufpreis: 1.090 Euro; Miete: 5,90 Euro; Multiplikator: 15,4) genauso wie in Arnsberg (Kaufpreis: 1.290 Euro; Miete: 5,40 Euro; Multiplikator: 19,9) oder Menden (Kaufpreis: 1.310 Euro; Miete: 5,50 Euro; Multiplikator: 19,8) im Sauerland am unteren Ende der Preisskala.

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