Wie bereits in den vergangenen Quartalen wurden auf den Prime-Wohnimmobilienmärkten von Berlin und Frankfurt am Main Preissteigerungen zum Vorjahresquartal beobachtet. Die Entwicklung der Indizes dieser Märkte lag mit plus 8,5 beziehungsweise plus 4,2 Prozent deutlich über der durchschnittlichen Entwicklung des Prime Global Cities Indexes (PGCI) des internationalen Immobilienberaters Knight Frank (plus 2,6 Prozent). Ein Kommentar.

Berlin und Frankfurt am Main profitieren von ihrer Lage in Europas größter Volkswirtschaft und den stabilen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Die Preisentwicklung an den deutschen Wohnimmobilienmärkten ist im internationalen Vergleich deutlich geringer volatil. Damit sind auch die Teilmärkte "Prime" berechenbarer für das zum Teil internationale Käuferklientel.

Berlin: Im internationalen Vergleich immer noch 'Schnäppchen' möglich

Berlin zieht die Prime-Käuferschaft aufgrund seines internationalen Bekanntheitsgrads, der kreativen und internationalen Stadtgesellschaft sowie dem damit verbundenen großen kulturellen Angebot an. Zu den alten, etablierten Lagen – unter anderem im Westend, in Grunewald oder in Wannsee – gesellen sich neue, kleinteiligere Lagen in den zentralen Ortsteilen der Stadt.

Auch wenn der Durchschnittspreis hier die Marke von 10.000 Euro pro Quadratmeter bereits deutlich überschritten hat, ist dieser im internationalen Vergleich immer noch als "Schnäppchen" zu bezeichnen.

Frankfurt: Prime-Markt profitiert von der zentralen Lage der Stadt

Die Mainmetropole Frankfurt hingegen wirkt mit seinen Top-Lagen – unter anderem in Teilen des Westends, dem Diplomaten- oder Holzhausenviertel sowie den Lagen im Hochtaunuskreis im Umland der Mainmetropole – gesetzter.

Der Prime-Markt profitiert seit Jahren von der zentralen Lage der Stadt, der sehr guten überregionalen Verkehrsanbindung sowie vom internationalen Finanzmarktplatz. Aber auch hier ist in den vergangenen Jahren viel in Bewegung geraten. Die Ansiedlung der Europäischen Zentralbank EZB im Ostend, der bevorstehende Brexit sowie die neuen Hochhausprojekte – beispielsweise ist hier das "Four" zu nennen – bringen Bewegung in den Markt. Der durchschnittliche Prime-Marktpreis, der aktuell bei rund 13.000 Euro pro Quadratmeter rangiert, wird sich sicher weiter nach oben entwickeln.

"Prime": Diskretion zwischen Käufer und Verkäufer gefragt

Bei all der Euphorie darf eines nicht vergessen werden: Als "Prime" wird ein nur sehr kleiner Teil der jeweiligen Wohnungsmärkte bezeichnet. Dieser macht deutlich weniger als fünf Prozent des jeweiligen Gesamtmarktes aus.

Die Käuferschaft bleibt gerne unter sich. Diskretion zwischen Käufer und Verkäufer ist stets gefragt. Jedoch müssen auch hier die zum Teil unterschiedlichen Lebensstile innerhalb der Käufergruppe und die Beweggründe eines Erwerbs differenziert betrachtet werden. Der eine zieht die Villa am grünen Stadtrand vor, am besten noch mit direkter Wasserlage, der andere sucht das internationale Flair der zentralen Lagen. Geld will niemand verlieren!

Daher steht auch hier im Vordergrund: Wohlstandsbildung, Risiko-Spread, stabile Märkte mit geringer Volatilität und, wenn möglich, die Ausnutzung von Wechselkursschwankungen. Kennzahlen wie Leerstandsquoten und Mietpreisentwicklungen im gewöhnlichen Wohnimmobilienmarkt haben so gut wie keine Bedeutung.

Der Autor

Till Johannes Brühöfener-McCourt leitet seit März 2017 die Research-Abteilung bei der Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH. Er verantwortet in dieser Position die Erfassung beziehungsweise Analyse der Wohnimmobilienmärkte. Ein Großteil seiner Berufserfahrung hat er im Bereich der Immobilienbewertung (Verkehrs- und Beleihungswertermittlung für Wohnimmobilien und Wohnportfolien) etwa bei CBRE und Cushman & Wakefield in Berlin sowie der Persch Consult GmbH (Berlin – Hamburg – Leipzig) gesammelt. 

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Schlagworte zum Thema:  Kommentar, Immobilienpreis