Knapp 30 Prozent weniger Zwangsversteigerungen

Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Häusern, Wohnungen und Grundstücken ist weiter rückläufig. Gleichzeitig gab es 2018 mehr Teilungsversteigerungen, wie Marktdaten von Argetra zeigen. Der Wirtschaftsverlag warnt, dass mit höherem Zinsniveau wieder deutlich mehr Wohnimmobilien unter den Hammer kommen.

Laut Argetra-Geschäftsführer Axel Mohr verhindert die seit zehn Jahren anhaltende Niedrigzinsphase viele Verfahren. "Wenn die Zinsen wieder steigen, wird das richtig knallen", so Mohr.

Probleme bereiten laut Argetra auch heute schon die sehr unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Immobilienmärkten. Während Häuser und Wohnungen in Ballungszentren zumeist schnell einen Käufer fänden, seien viele Immobilien in ländlichen Regionen nur schwer oder gar nicht zu verkaufen.

Rückgang um 4.121 auf 21.619 Termine

Nur 50 Prozent der eröffneten Zwangsversteigerungsverfahren landen Argetra zufolge im Gerichtssaal. Der Rest wird vor der Versteigerung freihändig verkauft. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 18.449 Immobilien mit Verkehrswerten von 3,85 Milliarden Euro aufgerufen. Im Vorjahr waren es noch 25.740 Termine mit einem Volumen von 4,23 Milliarden Euro. 

Die Gesamtwerte der versteigerten Verkehrswerte sind nach deutlichen Rückgängen um 15,5 Prozent im 2017 im vergangenen Jahr nur noch um 9,1 Prozent gefallen. "Das liegt daran, dass die durchschnittlichen Verkehrswerte um mehr als acht Prozent zugelegt haben und wir langsam die Bodenbildung sehen", erklärt Mohr.

69 Prozent der Versteigerungsobjekte sind Wohnimmobilien

Fast 69 Prozent aller Versteigerungsobjekte waren nach Auswertung der Marktdaten Eigentumswohnungen oder Ein- und Zweifamilienhäuser.

Deutlich zugenommen haben Teilungsversteigerungen zum Zweck der Aufhebung der Eigentümergemeinschaft aus Erbauseinandersetzungen und Scheidungen mit einem Anteil von inzwischen 18,4 Prozent (im Vorjahr: 17 Prozent). Aufgerufen wurden 2018 Verkehrswerte in Höhe von einer Milliarde in diesem Segment, das waren 18,4 Prozent (2017: 14 Prozent) aller Termine.

Anberaumte Zwangsversteigerungen nach Objektarten 2018

Jahresbericht Zwangsversteigerungen 2018

Spitzenreiter der Zwangsversteigerungen: Sachsen-Anhalt mit 104 Terminen

Die Zahl der Termine aufgeschlüsselt nach Bundesländern zeigt, dass es pro 100.000 Haushalte in Sachsen-Anhalt mit 104 (minus 17 Prozent) immer noch etwa dreimal so viele Termine sind wie in Baden-Württemberg mit 34. Auf den weiteren Plätzen folgen Rheinland-Pfalz (100 Termine) und das Saarland (92 Termine). Die niedrigsten Quoten finden sich in Hamburg (zehn Termine), Berlin (18 Termine) und in Bayern (30 Termine).

Im Bundesdurchschnitt waren 52 von 100.000 Haushalten von Zwangsversteigerungen betroffen (2017: 62).

Höchste Verkehrswerte in Hamburg aufgerufen

Die höchsten Verkehrswerte mit durchschnittlich rund 541.000 Euro je Immobilie wurden (bereinigt um ein Objekt mit einem Verkehrswert von 22 Millionen Euro) in Hamburg aufgerufen. Thüringen bildet das Schlusslicht mit Durchschnittswerten von 69.039 Euro. Der Bundesdurchschnitt lag laut Argetra 2018 bei 178.000 Euro (2017: 164.431 Euro).

Für den Bericht hat Argetra Publikationen von knapp 500 deutschen Amtsgerichten ausgewertet.

Fünf-Jahres-Vergleich: Zwangsversteigerungen seit Jahren rückläufig

Nimmt man den Fünf-Jahres-Vergleich, wurde laut Argetra bereits im Jahr 2013 mit 23.500 Zwangsversteigerungsterminen der niedrigste Stand seit der Jahrtausendwende erreicht.

Damals erklärten die Ratinger Experten die Entwicklung mit der starken Nachfrage nach Immobilien aufgrund der Finanzmarktkrise. Dazu kam das bereits niedrige Zinsniveau, das vielen Immobilienbesitzern Umschuldungen ermöglicht habe, die sie vor einer Zwangsversteigerung bewahrt hätten.

Überdurchschnittliche Rückgänge gab es 2013 in Niedersachsen, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern sowie im Stadtstaat Bremen. In den Städten Hof (39,8 Prozent), Heilbronn (44,3), Cottbus (29,9) und Mannheim (23,3) gab es gegen den Trend Zuwächse.


Wie Makler die Eigentümer bei Teilungsversteigerungen unterstützen können, erfahren Sie in Heft 02/2019 der Zeitschrift "Immobilienwirtschaft".


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