19.04.2016 | GBI

Deutschland: Jeder elfte Städtereisende schläft bei Airbnb & Co.

Airbnb & Co. entziehen dem deutschen Wohnungsmarkt tausende Unterkünfte.
Bild: airbnb

Mehr als 14,5 Millionen Übernachtungen in Privatunterkünften werden in Deutschland jährlich über Online-Portale wie Airbnb, Wimdu oder 9flats vermittelt, wie eine Studie der GBI AG zeigt. Demnach hat insgesamt etwa jeder elfte Städtereisende bereits einmal bei Airbnb & Co übernachtet. Davon wiederum finden alleine zehn Millionen Übernachtungen pro Jahr in Berlin, München, Hamburg und Köln statt.

"Der Tourismusrekord liegt also noch deutlich höher als die für 2015 offiziell gezählten 436 Millionen kommerziellen Übernachtungen, nämlich bei mehr als 450 Millionen", sagt Dr. Stefan Brauckmann, Leiter der Abteilung Research & Analyse bei der GBI AG.

Der Wissenschaftler und sein Team haben 179 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern untersucht. Ergebnis: Bezogen auf die dort offiziell rund 157 Millionen Übernachtungen ergibt sich über Privatunterkünfte ein Zuschlag von 9,3 Prozent. Die außerhalb der Metropolen Berlin, München, Hamburg und Köln stattfindenden rund vier Millionen Übernachtungen in Privatquartieren verteilen sich auf die übrigen 175 Städte.

Berlin mit einem Graumarkt-Plus von 6,1 Millionen

In den Millionen-Metropolen ist im Deutschland-Vergleich nicht nur die absolute Zahl der Übernachtungen in Privatquartieren Spitze, sondern auch der prozentuale Zuschlag im Vergleich zu den bereits in der amtlichen Statistik erfassten Gästezahlen.

In Berlin kommt zu 30,25 Millionen offiziell gezählten Übernachtungen ein Graumarkt-Plus von 6,1 Millionen oder 20,2 Prozent hinzu, der höchste Wert in allen Städten, wie GBI ermittelte. Hamburg weist hier ein Plus von 15,7 Prozent, München 13,6 Prozent und Köln 10,8 Prozent aus. In die Riege der Millionenstädte schiebt sich Leipzig auf den zweiten Ranking-Platz mit 17,9 Prozent.

46.400 Unterkünfte dem Wohnungsmarkt entzogen

Die zusätzlich ermittelten Übernachtungen verteilen sich bundesweit auf mehr als 46.400 angebotene Privatunterkünfte. Auf dem regulären Wohnungsmarkt sinkt durch die Vermietung an Städtereisende vor allem das Angebot kleiner Apartments. So gibt es beispielsweise in Berlin ohnehin nur 75.000 Ein-Zimmer-Wohnungen, rechnerisch lediglich für jeden zwölften Ein-Personen-Haushalt. In anderen Großstädten ist das Verhältnis ähnlich ungünstig.

"Wenn dann mehrere tausend solcher Unterkünfte überwiegend in Innenstadt-Lagen dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt entzogen werden, verstärkt das den Engpass extrem", so Brauckmann.

Brauckmann: Rechtliches Verbot nicht sinnvoll

Einem rechtlichen Verbot der Privatvermietungen steht Brauckmann jedoch skeptisch gegenüber. In Berlin hat der Staatssekretär für Bauen und Wohnen, Engelbert Lütke Daldrup, angekündigt, ab Mai mit verschärfter Überwachung auf die Einhaltung des Zweckentfremdungsverbots zu pochen.

Wer dann keine Genehmigung des Bezirks vorweist, riskiert als Privatvermieter Bußgelder, das Gesetz sieht Strafen von bis zu 100.000 Euro vor. Portale müssen laut einer neuen Regelung den Bezirksämtern Auskunft über Anbieter von Wohnungen für Touristen geben.

"Das Vorgehen löst kaum das grundlegende Problem", sagt Brauckmann: "Effektiver wäre es, dem wachsenden Personenkreis, der länger als ein paar Tage in Berlin und anderen gefragten Städten bleiben möchte, preisgünstige Alternativen zum herkömmlichen Beherbergungs- und Wohnungsmarkt anzubieten.“ Vor allem die in Deutschland bisher wenig verbreiteten Hostels könnten eine günstige und effektive Alternative darstellen. Das Gleiche gelte für Serviced Apartments.

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Schlagworte zum Thema:  Übernachtung, Hotel

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