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IW: Einkommenszuwachs macht größere Wohnungen erschwinglich

Unistadt Trier: Hier gibt es für 25 Prozent des Einkommens gerade einmal 59 Quadratmeter Mietfläche
Bild: Haufe Online Redaktion

Seit 2010 sind die Mieten um 10,2 Prozent gestiegen, während sich die Einkommen im Schnitt um 11,5 Prozent erhöht haben. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Bundesweit kann im Schnitt demnach jeder private Haushalt 94 Quadratmeter mieten, wenn er ein Viertel seines verfügbaren Einkommens dafür einsetzt. Doch die Berechnungen stoßen auch auf Bedenken.

Besonders teuer ist der Studie zufolge die Unistadt Trier, wo 25 Prozent des Einkommens nur für 59 Quadratmeter reichen, während es im Bundesdurchschnitt 94 Quadratmeter sind. Studenten, Auszubildende und Arbeitssuchende werden damit durch die Wohnkosten weiterhin stärker belastet als früher, wie IW bereits im März analysierte.

Auch Wohnungen in den Universitätsstädten Baden-Württembergs sind im Verhältnis zu den verfügbaren Einkommen mit am teuersten. Im Schnitt kann sich etwa ein privater Haushalt in Freiburg gerade einmal 61 Quadratmeter inklusive Nebenkosten für 25 Prozent des verfügbaren Einkommens leisten, das ist gleichbleibend mit 2010, so das Ergebnis der IW-Untersuchung. Auch in Heidelberg bekommt man 62 Quadratmeter gerade einmal ein Quadratmeter mehr als 2010.

Berlin verzeichnet Mietsteigerung von 26 Prozent

Selbst in München und Frankfurt am Main können sich Mieter laut IW mit durchschnittlich 70 Quadratmetern größere Wohnungen für 25 Prozent ihres Einkommens leisten. In München legte die Wohnfläche dabei um einen Quadratmeter zu, in Frankfurt um drei. In Hamburg kann ein Mieter, der 25 Prozent seines verfügbaren Einkommens einsetzt, 68 Quadratmeter beziehen. Das sind immerhin zwei Quadratmeter mehr als 2010.

Große Mietsteigerungen konzentrieren sich laut IW-Immobilienexperte Ralph Henger sowieso nur auf wenige Orte. Dazu gehört Berlin, wo die Mieten seit 2010 um 26 Prozent gestiegen sind. Grund sei der starke Zustrom: In den vergangenen sechs Jahren ist Berlin um 240.000 Einwohner gewachsen. Mieter können sich hier laut IW durchschnittlich 68 Quadratmeter für ein Viertel ihres verfügbaren Einkommens leisten. Das ist ein Minus von einem Quadratmeter.

Berlin zeichnet sich einer Studie von Adzuna zufolge aber nach wie vor durch vergleichsweise niedrige Mieten aus.

Überdurchschnittliche Mietsteigerung nur in Stuttgart und Ingolstadt

Im bundesweiten Vergleich können sich die Menschen im bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau mit 126 Quadratmetern die größten Wohnungen leisten. Überhaupt kann sich der Studie zufolge nur in einem Viertel aller Kreise und kreisfreien Städte ein Durchschnittshaushalt weniger Wohnfläche leisten als noch vor sechs Jahren. Im Südwesten gilt das neben Stuttgart für Karlsruhe, Pforzheim oder Konstanz.

Hohe Mieten von mehr als neun Euro je Quadratmeter und eine überdurchschnittliche Mietsteigerung von mehr als 2,5 Prozent stellen die Wissenschaftler überhaupt nur an zwei Orten fest: In Stuttgart und Ingolstadt.

Regionale Unterschiede: Lohnniveau im Osten deutlich schlechter

Auch in Mecklenburg-Vorpommern wurden die Mieten der Studie zufolge erschwinglicher. So wuchs etwa im Landkreis Rostock die mit einem Viertel des Einkommens bezahlbare Wohnfläche von 87 auf 94 Quadratmeter, im teureren Rostock selbst von 67 auf 72 und in Schwerin von 79 auf 83 Quadratmeter.

Bedenken zu den Berechnungen äußerte der Geschäftsführer des Landesmieterbundes, Christian Rudolph: "Wir haben trotz der Steigerungen noch immer das geringste Lohnniveau in Deutschland. Eine ganze Reihe von Familien muss 30, manchmal bis zu 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete einsetzen". Er verwies auf andere Studien, nach denen in Mecklenburg-Vorpommern etwa 50.000 Sozialwohnungen mit Mietpreisen nicht über 5,50 Euro je Quadratmeter fehlen.

"Flächendeckend ist die Lage nicht dramatisch", erwidert Henger auf die Kritik. Nur in fünf Prozent aller untersuchten Kreise liege die Durchschnittsmiete über neun Euro je Quadratmeter. "Zum Vergleich: 6,90 Euro ist die Durchschnittsmiete in Deutschland", so Henger.

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Schlagworte zum Thema:  Miete, Einkommen

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