16.09.2016 | IW Immobilien-Index

Brexit-Folgen: Deutsche Investoren werden pessimistischer

Folge des Brexit: Investoren befürchten Verlustgeschäfte
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Immer weniger Immobilienunternehmen denken, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in nächster Zeit verbessern wird. Die Umfragewerte für den IW Immobilien-Index deuten darauf hin, dass sich die deutschen Investoren auf das Ende eines Booms vorbereiten. Sie sehen nicht nur ihre Zukunft für Investments im Post-Brexit-Großbritannien pessimistischer, 32 Prozent der Investoren befürchten auch für Deutschland Verlustgeschäfte.

Die für den IW Immobilien-Index befragten Unternehmen bewerten ihre Lage im dritten Quartal 2016 mit 81,3 von 100 Punkten. Das ist immer noch ein hoher Wert, er liegt aber sechs Punkte hinter dem des Vorquartals zurück.

Vor allem Investoren, die mit Gewerbeimmobilien handeln, geben sich verhalten. 43 Prozent erwarten, dass ein Austritt Großbritanniens aus der EU ausländische Investoren in den deutschen Markt treibt und die Konkurrenz aus dem Ausland das Geschäft erschweren könnte. Laut einer Studie von ImmoConcept unter rund 80 Banken und börsennotierten Firmen wollen 21 Prozent der Befragten bis Jahresende über einen Wechsel auf den Kontinent entscheiden.

IW warnt vor einem Wettbieten mit ausländischen Investoren

"Die Preise steigen derzeit schneller als die Mieten, mit denen Investoren ihre Käufe refinanzieren. Das lässt die Renditen schrumpfen", sagt IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer. Immerhin 32 Prozent der Befragten rechnen mit schmaleren Renditen.

Wie eine Analyse von Union Investment zeigt, befürchten 52 Prozent der Investoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, dass sie in den kommenden drei Jahren ihre Renditeziele nicht erreichen werden.

Immobilieninvestoren kalkulierten zudem mit dem Wiederverkauf, typischerweise innerhalb von zehn Jahren, so Voigtländer: "Sollten die Preise in dieser Zeit wieder sinken, riskieren sie ein Verlustgeschäft." Seit dem EU-Referendum sind die Preise in UK und dort vor allem in London bereits deutlich gesunken.

Der Ökonom warnt davor, sich in diesem komplexen Marktumfeld, in dem im Moment große Unsicherheit wegen des Brexit herrscht, auf ein Wettbieten mit ausländischen Investoren einzulassen. "Ausländische Anbieter überschwemmen den deutschen Markt jetzt mit viel Geld, reagieren aber sensibel auf veränderte Rahmenbedingungen", so Voigtländer. Verzögere sich der Brexit, könnten sie schnell wieder weg sein. Wie Bloomerg berichtete, haben erst kürzlich einige der eingefrorenen UK-Immobilienfonds wieder geöffnet. Ein Wettbieten jedenfalls könne die Grundlage für einen lauten Knall auf dem Gewerbemarkt bieten, so Voigtländer.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienunternehmen, Brexit, Investor, Großbritannien, Immobilien

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