28.08.2012 | Jones Lang LaSalle

Investorenfokus auf Top-Immobilien in Metropolen schadet Projektentwicklungen

Kurzfristig gedacht: Ohne Projektentwicklungen wird sich das Angebot in gefragten Metropolen wie Paris weiter verknappen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Neue, eigenkapitalstarke Investoren sowie neue Kreditgeber wie institutionelle Investoren aus Asien und den USA richten ihre Aktivitäten in Europa zu Lasten von Projektentwicklungen auf Spitzenimmobilien und hoch liquide Kernmärkte. Das zeigt eine Studie von Jones Lang LaSalle.

Die neueste Untersuchung von Jones Lang LaSalle innerhalb des Offices 2020-Programms verweist auch darauf, dass sich die Muster und zeitlichen Abläufe der jeweiligen Immobilienmarktzyklen der Vergangenheit in Bezug auf spekulative Fertigstellungen voraussichtlich erst ab 2017 wiederholen.

Die überwiegende Mehrheit der neuen Kapitalquellen - etwa die genannten Investoren aus Asien und den USA - werden ihre Aktivitäten stark auf Spitzenimmobilien und hoch liquide Märkte wie London, Paris, einige der deutschen Immobilienhochburgen sowie die skandinavischen Hauptstädte richten.

Diese Entwicklung verringert das bereits heute knappe Angebot an neuen, modernen Flächen in den zentralen Innenstadtlagen der bedeutendsten europäischen Märkte für Büronutzer weiter. Die Folge: Eine Verstärkung der Polarisierung von Flächenqualitäten. Betroffen sind davon nicht nur die großen europäischen Metropolen London und Paris. Aktuelle Prognosen von Jones Lang LaSalle sehen für das Jahr 2016 auch in Märkten wie Warschau oder Lyon Leerstandsquoten von unter sechs Prozent, in zentralen Innenstadtlagen sogar darunter.

Bedeutung von Vorvermietungen nimmt zu

"Der anhaltende Wettbewerb um den gleichen Typus von Büroimmobilie bedeutet, dass höhere Gesamterträge potenziell außerhalb der hoch liquiden Märkte zu suchen sind", sagt Bill Page, Direktor, EMEA Research Jones Lang LaSalle. Wenn sie bereit seien, das Risiko einzugehen, könnten Bestandsgebäude und/oder Immobilien in Sekundärlagen unternehmerisch handelnden Investoren mit langfristigem Anlagehorizont mehr Möglichkeiten bieten.

Auch werde die Bedeutung von Vorvermietungen zunehmen, das erleichtere die Zusage des potenziellen Kreditgebers. In vielen Fällen wird ein Mindestmaß an Vorvermietungen überhaupt erst den Beginn der Entwicklungsaktivität ermöglichen. Allerdings: Der Mieter erhalte zwar auf diese Art und Weise seinen Vorstellungen und Bedürfnissen entsprechende Büroflächen, er müsse jedoch zunehmend indirekt das Entwicklungsrisiko schultern.

"Kurz- und mittelfristig bleibt der zugrundeliegende Zinssatz niedrig, die Bankmargen hoch. Letztlich werden sich die Zinsen aber zwangsläufig auch wieder erhöhen, langfristig als Folge der derzeitigen Geldpolitik", ergänzt Benoît du Passage, Managing Director Jones Lang LaSalle Frankreich und verantwortlich für Südeuropa. Der Bürosektor habe angesichts hoher Mieterbonität insgesamt die besseren Chancen, Kapital anzuziehen. "Einige Projektentwickler werden möglicherweise, wenn sie heute nicht handeln, in einigen Jahren auf verpasste Chancen zurückblicken müssen."

Schlagworte zum Thema:  Investition, Investor, Projektentwicklung

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