Quo vadis Deutschland? Von einer sich abkühlenden Situation bis hin zu einem neuen Boom – die Prognosen für die kommenden zwei Jahre könnten unterschiedlicher nicht sein. Bild: Haufe Online Redaktion

Es gibt drei Szenarien, wie sich der deutsche Investmentmarkt bis 2019 entwickeln wird. Das zeigt eine Umfrage von JLL unter 50 Experten. Am wahrscheinlichsten ist es, dass in den kommenden zwei Jahren die Mieten weiterhin moderat wachsen werden bei unveränderten Renditen und einer gleichbleibend hohen Nachfrage nach Immobilien. Das gaben jedenfalls 60 Prozent der Investoren zu Protokoll. Nach dieser Einschätzung wird das Transaktionsgeschehen weiterhin rege bleiben.

Die meisten der 50 befragten Investoren gehen also bei diesem von JLL als „On and On“ betitelten Szenario davon aus, dass sich an der heutigen Lage nichts wesentlich ändern wird.

So rechnen 73 Prozent der Investoren, die diese Prognose stellen, mit einer nur leichten Anhebung des Zinsniveaus in den USA, und 83 Prozent gehen von einem leichten Anstieg des Zinsniveaus in der Eurozone aus.

54 Prozent erwarten, dass der weltweite Handel lediglich leicht beeinträchtigt sein wird, die Brexit-Folgen unspektakulär ausfallen werden und die deutsche Wirtschaft dynamisch bleibt. Auch Professor Dr. Tobias Just von der Universität Regensburg geht von einem guten Immobilienjahr 2017 aus.

Die Aussichten auf dem EU-Immobilienmarkt sind trotz der politischen Unsicherheiten in Europa gut, zeigen auch Umfragen des Berufsverbands RICS und Knight Frank.

„Cooling down“-Szenario: Transaktionsvolumen sinkt deutlich

Doch es gibt auch pessimistischere Ansichten. So glauben 20 Prozent der befragten Immobilienexperten, dass auf den deutschen Immobilienmärkten in zwei Jahren die Renditen und die Zinsen wieder angestiegen sein werden, und das bei sinkenden Mieten, was zur Folge haben könnte, dass das Transaktionsvolumen auf dem Investmentmarkt deutlich unter dem Rekordniveau der Jahre 2015 und 2016 liegen würde. JLL nennt dieses Szenario „Cooling down“.

21 Prozent der Befragten gehen bei diesem möglichen Szenario davon aus, dass das Zinsniveau in den USA in zwei Jahren im Vergleich zu heute stark angestiegen sein wird, weitere 13 Prozent erwarten einen deutlichen Anstieg des Zinsniveaus auch in der Eurozone und 40 Prozent meinen, dass sich Deutschland in zwei Jahren in einer Rezession befinden wird.

„The heat is on“-Szenario: Deutschland erwartet einen Boom

Weitere 20 Prozent der von JLL befragten Experten sind wieder besonders optimistisch und glauben, dass die politischen Unsicherheiten den Markt unbeeinträchtigt lassen werden, dass auf den Immobilienmärkten in Deutschland die Mietpreise in den Top- und auch Zweitlagen der großen Städte angestiegen sein werden und das Transaktionsvolumen auf dem Investmentmarkt ein neues Rekordniveau erreicht haben wird.

„The heat is on“ nennt JLL diese Prognose. Dieser Meinung nach werden in zwei Jahren die Renditen auf neue Tiefstände gefallen sein. Nach Analysen der Deutschen Asset Management deuten die Zeichen schon jetzt auf eine moderatere Entwicklung hin.

Hintergrundannahme ist bei dieser Prognose, dass die amerikanische Notenbank Fed ihre Zinserhöhungspolitik stoppt und der US-Dollar gegenüber dem Euro abwertet. Die amerikanische Wirtschaft wird demnach von der „America First“-Politik des US-Präsidenten Donald Trump profitieren und ein Wachstum verzeichnen. Zudem rechnen 13 Prozent der Befragten bis 2019 für die Eurozone mit einem im Vergleich zu heute unveränderten Zinsniveau und damit, dass sich das abzeichnende Handelsabkommen der EU mit Großbritannien als vorteilhaft für beide Seiten erweisen wird.

Neun Prozent der Befragten nehmen an, dass der weltweite Handel 2019 etwas freizügiger als heute sein wird. 56 Prozent der Fürsprecher dieses Szenarios glauben, dass sich Deutschland in zwei Jahren in einer Aufschwungphase oder gar im Boom befinden wird.

 

 

Schlagworte zum Thema:  Miete, Rendite, Investment, Investor, Prognose

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