Während die Risikoakzeptanz der Deutschen weiterhin gegen den Trend steigt, wie die März-Umfrage von Brickvest zeigt, agieren ausländische Investoren immer vorsichtiger. Auffällig ist, dass nicht nur sie, sondern auch inländische Akteure zunehmend die Finger von deutschen Gewerbeimmobilien lassen: 22 Prozent der deutschen institutionellen Investoren bevorzugen den britischen Markt, nach 18 Prozent im ersten Quartal 2017. Deutschland als Hotspot nannten nur noch 37 Prozent (Q1 2017: 53 Prozent).

Was hat sich getan in der Zwischenzeit? In Investoren-Barometer von Brickvest für das vierte Quartal 2017 zeigte sich bereits, dass Deutschland für internationale Anleger nicht mehr die bevorzugte Investitionsregion für Gewerbeimmobilien ist: Nur noch 23 Prozent der insgesamt 3.000 befragten Investoren weltweit hatten das bejaht. Im dritten Quartal 2017 waren es 34 Prozent der Anleger, die Deutschland favorisierten – was Großbritannien erstmals von der Spitzenposition verdrängte.

Dieser Trend scheint sich nun nachhaltig umgekehrt zu haben. Bei der Frage nach dem regionalen Fokus wurde Großbritannien – trotz Brexit – von den befragten Investoren erneut am häufigsten genannt – Tendenz steigend: 29 Prozent favorisierten den britischen Markt zum Jahresende 2017, Anfang 2017 waren es 30 Prozent, im März sind es bereits wieder 31 Prozent.

Nur sechs Prozent der US-Investoren an Deutschland interessiert

Vor allem das Interesse US-amerikanischer Immobilieninvestoren an Deutschland ging laut Brickvest im Vorjahresvergleich zurück: Nur noch sechs Prozent der befragten Amerikaner waren für deutsche Immobilien, nach 21 Prozent im Jahr 2017. Der Anteil britischer und französischer Investoren lag immerhin bei jeweils 19 Prozent und verringerte sich demzufolge nur moderat.

Laut einer Studie von Ernst & Young bleibt Deutschland im europäischen Vergleich für 56 Prozent (2017: 66 Prozent) der Befragten "sehr attraktiv".

Hohe Risiken werden gescheut – vor allem bei Projekten

Was die Risikoakzeptanz angeht, ergab die Befragung im März 2018 einen Score von 45. Der lag im vierten Quartal 2017 noch bei 50 und im ersten Quartal des Vorjahres sogar bei 51. Für diesen Rückgang sind Brickvest zufolge vor allem Investitionen im opportunistischen Bereich oder bei Projektentwicklungen verantwortlich: Im Detail zeigt sich, dass nur noch 20 Prozent der Befragten angaben, hier hohe Risiken eingehen zu wollen – im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um knapp 25 Prozent.

Der Anteil der Investoren, die moderate oder niedrige Risiken suchen, stieg auf 51 Prozent beziehungsweise 29 Prozent.

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Tendenz zu B-Standorten wieder sinkend

Im Vorquartal wurden A-Standorte von 59 Prozent der Befragten präferiert, während 41 Prozent B-Standorte und regionale Märkte bevorzugten. Auch hier ist eine Umkehr des Trends zu beobachten: A-Standorte rücken wieder stärker in den Fokus – dies sagten 64 Prozent der befragten Investoren.

Die Präferenz für B-Standorte sank hingegen im ersten Quartal 2018 auf 36 Prozent. Dieser Trend ist auch bei einer separaten Analyse der Antworten britischer, deutscher und französischer Investoren festzustellen; nur bei US-amerikanischen Investoren ergab sich eine leichte gegenläufige Tendenz, was A-Standorte begrifft.

Liquidität gewinnt an Bedeutung

Kapitalwachstum hat als Investmentziel leicht an Bedeutung verloren, dominiert jedoch immer noch mit Abstand. Liquidität wiederum hat an Bedeutung gewonnen, vor allem bei den deutschen Investoren: Der Anteil derjenigen, die Kapitalwachstum als primäres Investmentziel nannten, ging von 59 Prozent (im ersten Quartal 2017) auf aktuell 45 Prozent zurück – der Anteil der Investoren mit einer Präferenz für Liquidität stieg von fünf Prozent auf neun Prozent.

"Insgesamt scheint Deutschland seine Funktion als 'safe haven' in einem unruhigen Umfeld immer mehr zu verlieren", meint Dr. Thomas Schneider, CIO und Mit-Gründer von Brickvest. Ein Grund sei die große Nachfrage der vergangenen Jahre, welche die Anfangsrenditen deutlich zurückgehen lassen hätten. "Dies trifft insbesondere auf das Core-Segment zu, was das zunehmende Ausweichen deutscher Investoren in Segmente mit ausgeprägterem Chancen-Risiken-Profil erklären kann", so Schneider abschließend.

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