Das Hotelsegment ist beliebt bei Investoren, wie Zahlen von Catella zeigen, mit zum Teil guten Renditeaussichten Bild: Michael Bamberger

Deutschland war mit einem Transaktionsvolumen von 4,4 Milliarden Euro 2016 der beliebteste europäische Investitionsstandort für Hotelimmobilien, gefolgt von Großbritannien (3,6 Milliarden Euro). Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Catella. Budget- und Luxushotels bieten demnach die besten Renditeaussichten. Im Trend sind vor allem Budgethotels, da diese der Forderung der Investoren nach mehr Digitalisierung im Hotelsektor am besten gerecht werden.

Rund 17,8 Milliarden Euro wurden 2016 weltweit in Hotels investiert. Mehreren Studien zufolge war 2016 war ein Rekordjahr und die Nachfrage steigt. Die britische Hauptstadt London bleibt mit einem Transaktionsvolumen von 1,8 Milliarden Euro das bevorzugte europäische Transaktionsziel im Hotelimmobiliensektor. Dem Vereinigten Königreich folgen Spanien mit 2,2 Milliarden Euro und Frankreich mit 1,9 Milliarden Euro.

Von den insgesamt 17,8 Milliarden Euro Transaktionsvolumina in Europa entfallen laut Catella 10,6 Milliarden Euro auf Single Asset Deals. „Allerdings gehen wir davon aus, dass aufgrund der systembedingten hohen Intransparenz des Marktes auf Basis der Einzeldeals die Transaktionsvolumina bei einzelnen Ländern deutlich darüber liegen“, sagt Dr. Thomas Beyerle, Head of Group Research bei Catella.

Zum einen existiert laut Beyerle kein einheitliches Zertifizierungssystem für Hotels in Europa, was Vergleiche den Landesstandard hinaus schwierig gestaltet, zum anderen entziehen sich viele neue Anbieter einer Klassifikation. Buchungsportale (Online Travel Agencies – OTA) ergänzt durch Metasuchmaschinen wie trivago.de oder discavo.de entscheiden häufig über Auslastungsrate und wirtschaftlichen Erfolg.

Investoren fordern Digitalisierung

Die Digitalisierung wird einen erheblichen Einfluss auf das Geschäftsmodell der Asset Manager haben, wie eine Studie von Ernst & Young Real Estate zeigt. Laut Catella ist die Digitalisierung ein gesellschaftlich ökonomischer Megatrend, der auch das Hotelgewerbe betrifft. Buchungsportale zählen zu einem festen Bestandteil der Hotelbranche – auch in Europa. Hier wird der Markt Catella zufolge von drei großen Playern dominiert: Der Priceline Group (Booking.com) mit einem Marktanteil von mehr als 60 Prozent, gefolgt von der HRS Gruppe (Hotel.de) und Expedia. Diese drei vereinen laut Studie rund 92 Prozent des vollständigen europäischen OTA-Marktes (Online Travel Agencies) auf sich.

Traditionelle Vertriebskanäle, wie E-Mail, Telefon oder das klassische Reisebüro geraten zunehmend unter Druck. Die OTAs tragen damit zwar zur Erschließung neuer Märkte sowie Zielgruppen für die Partnerhotels bei – besonders für kleinere, oft familiengeführte Hotels – andererseits geraten diese dadurch schnell in eine hohe Abhängigkeit.

Die neuen Player auf dem Markt sind „Sharing-Portale“, zu denen Unternehmen wie Airbnb oder Wimdu gehören. Hier stellt sich die Frage, ob von diesen eine Bedrohung für den europäischen aber auch gesamten Hotelmarkt ausgeht. Diese Frage lässt sich laut Catella derzeit nicht eindeutig beantworten. Die ehemaligen Start-ups könnten als eine Art Antwort auf die Megatrends „Digitalisierung, Social Media & Co.“ gesehen werden – hier muss Catella zufolge der Hotelmarkt flexibler reagieren.

Catella erwartet europaweit positive Wachstumserträge

In fast allen Ländern in Europa werden nach Analysen von Catella positive Wachstumserträge generiert. Laut Christie & Co ist vor allem Deutschland im Visier der Anleger. Catella zufolge werden aber auch Spanien, Österreich, Irland und Schweden profitieren. Die besten Zukunftsaussichten haben laut Catella Budget- sowie Luxushotels, sie bieten die höchsten Erträge. EY Real Estate macht "Rising Stars" außerhalb der Topmärkte aus.

Budgethotels galten lange Zeit als Nischenprodukt. Sie befinden sich meistens in zentralen Innenstadtlagen oder an wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Für Investoren sind diese Hotels vor allem wegen der geringen Personalkosten und der hohen Belegungsquote interessant. Hinzu kommen, gerade im Vergleich mit mittelklassigen Hotels, geringere Entstehungskosten, da Räumlichkeiten wie Konferenzräume oder Hotelrestaurants wegfallen.

Sie sind allerdings auch deshalb so bleibt, wie Catella beschreibt, weil sie auf die generellen Trends im Tourismus- beziehungsweise Hotelsektor passen: Individualisierung, Design, Luxus, Digitalisierung. Während die Luxushotels die Nachfrage nach einem höchstmöglichen Grad an Individualisierung, Design und Luxus abdecken, bedienen die Budgethotels
ein hohes Maß an Design und Digitalisierung.

Luxushotels erleben starken Aufschwung

Das Luxussegment hat laut Catella unter der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 sehr gelitten hat und erlebt nun wieder einen extrem starken Aufschwung. Das Zielpublikum ist anspruchsvoll und bereit, höhere Ausgaben in Kauf zu nehmen. Darin liegt auch die Stärke der Luxushotels für Investoren: Bei ihnen ist ein bedeutend höherer Ertrag pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) zu erreichen als bei allen anderen Hotelsegmenten.

Zudem wird durch den demografischen Wandel weiterhin eine wachsende Nachfrage im Luxussegment gesichert, da mit dem steigenden Anteil älterer, konsumstarker Menschen mit hohen Ansprüchen und Zeit zum Reisen die potenzielle Zielgruppe wächst.

Zwischen diesen beiden Segmenten liegen die Klassen „Komfort“ (vier bis drei Sterne) und „Basis“ (zwei Sterne, ein Stern).

Schlagworte zum Thema:  Hotelmarkt, Investment, Rendite

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