15.01.2015 | Deutsches Institut für Urbanistik

Investitionsbedarf bei Wohnsiedlungen liegt bei 90 Milliarden Euro

Entwicklung betsehender Wohnsiedlungen: zentrale Aufgabe nachhaltiger Stadtentwicklung
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Um die nachhaltige Weiterentwicklung der im 20. Jahrhundert gebauten Wohnsiedlungen zu sichern, sind Investitionen in Höhe von 90 Milliarden Euro notwendig. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik und dem Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. im Auftrag der Bau- und Wohnungswirtschaft.

Die Studie, die auf der Fachkonferenz "Weiterentwicklung großer Wohnsiedlungen" in Berlin präsentiert wurde, zeigt auf der Basis einer repräsentativen bundesweiten Befragung von Kommunen und Wohnungsunternehmen auf, welche Herausforderungen zur Weiterentwicklung von großen Wohnsiedlungen bestehen.

In den zwischen 1920 und 1980 Jahren errichteten Wohngebieten des überwiegend mehrgeschossigen Mietwohnungsbaus befinden sich rund vier Millionen Wohnungen für etwa acht Millionen Menschen.

"Die Weiterentwicklung dieser Wohngebiete zählt nach Einschätzung der Gutachter allein schon aufgrund ihrer großen Dimension zu den zentralen Aufgaben der nachhaltigen Stadtentwicklung und sozialen Wohnraumversorgung", so GdW-Präsident Axel Gedaschko.

"Für die Bauindustrie stellt gerade der in der Studie ermittelte Neubaubedarf in großen Wohnsiedlungen von jährlich 6.500 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro eine interessante Beschäftigungsperspektive dar", sagte Marcus Becker, Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Große Wohnsiedlungen bieten Zukunftsperspektiven

Die Zukunft der großen Siedlungen ist mit Blick auf die absehbaren gesellschaftlichen Herausforderungen aus Sicht des Gutachtens perspektivreich. Für ergänzenden Neubau nachgefragter neuer Wohnformen und Betreuungsangebote bieten sich Flächenpotenziale.

Dennoch weist das Gutachten auch auf aktuelle Herausforderungen für Kommunen und Wohnungswirtschaft hin. Die großen Wohngebiete haben nach wie vor Imageprobleme und kämpfen gegen Stigmatisierungen. Auch sei der Spielraum für die sozialverträgliche Erhöhung der Mieten eng . Die Siedlungserneuerung müsse wirtschaftlich tragbar sein, sowohl für Mieter als auch für Vermieter. Große Wohnsiedlungen stehen wie keine andere Siedlungsform für das Potenzial kostengünstigen Wohnungsbaus.

Neues Teilprogramm der Städtebauförderung "Integrierte Weiterentwicklung großer Wohnsiedlungen" gefordert

Auch die Politik müsse ihren Beitrag leisten. Zu überprüfen seien die kostentreibenden Anforderungen unter anderem im Bereich des Klimaschutzes und Barriereabbaus oder das Vergaberecht, das die frühzeitige Zusammenarbeit von Bau- und Wohnungsunternehmen erschwert. In diesen Bereichen könne die Baukostensenkungskommission einen erheblichen Beitrag leisten.

Das Zusammenspiel der Städtebauförderung, der Wohnraumförderung und der KfW - Programme hat Erneuerungsprozesse im Quartierszusammenhang wesentlich unterstützt. Die in den letzten Jahren erfolgte stärkere Fokussierung der Förderung auf die Innenstädte solle dahingehend ergänzt werden, dass die Gebietskulisse der großen Wohngebiete wieder stärker berücksichtigt wird. Ein neues Teilprogramm der Städtebauförderung "Integrierte Weiterentwicklung großer Wohnsiedlungen" könne hierzu einen besonders wirksamen Beitrag leisten.

Das Gutachten wurde in Auftrag gegeben vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und vom Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse kann hier abgerufen werden.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Investition

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