Angesichts der steigenden Zahl terroristischer Anschläge ist Sicherheit zu einem Top-Thema geworden. In vielen Ländern werden Shopping-Center, Büro- und Wohnimmobilien bereits sichtbar stark bewacht. In Deutschland geht man (noch) einen anderen Weg. Sicherheitsvorkehrungen werden auch in der Immobilienwirtschaft eher im Stillen getroffen. Doch wird das so bleiben?

Die Politik versucht mit zahlreichen Gesetzen, die innere Sicherheit zu erhöhen. So darf die Bundespolizei seit Mai 2017 Bodycams tragen, im Straßenverkehr können automatische Kennzeichen-Lesesysteme zum Einsatz kommen und das Bundesdatenschutzgesetz wird im Hinblick auf die Videoüberwachung angepasst.

Der Schutz von Leben, Gesundheit oder Freiheit von Menschen soll bei der Videoüberwachung durch private Betreiber in öffentlich zugänglichen Räumen als „besonders wichtiges Interesse“ gelten. Die Videoüberwachung wird in Einrichtungen und Fahrzeugen des öffentlichen Schienen-, Schiffs- und Busverkehrs und öffentlich zugänglichen großflächigen Anlagen wie Sportstätten oder Einkaufszentren damit erleichtert.

Concierge- und Sicherheitsdienste nehmen zu – vor allem in Hochhäusern

Das Thema Sicherheit bewegt die Immobilienwirtschaft nicht nur im Bereich der Cyberkriminalität. Der Schutz von Personen beschäftigt Investoren und Betreiber von Flughäfen, Messen, Einkaufszentren, Hotels und Diskotheken ebenso wie Wohnungsgesellschaften und Vermieter von Büros und Wohnungen. Doch trotz der sich verschärfenden Bedrohungslage reagiert die Branche mit Augenmaß.

„Aktuell beobachten wir noch keine verstärkten Sicherheitsaktivitäten“, sagt Martin Hofmann, Head of Project & Development Services Germany bei JLL.


Vermieter, Investoren und Projektentwickler von Shopping-Centern widmeten ihre Aufmerksamkeit zwar stärker dem Schutz der Erdgeschosszonen, stünden dabei aber im Spannungsfeld zwischen Sicherheitsbedürfnis und attraktiver Shopping-Atmosphäre.

„Ähnlich sieht es in Hotels aus. Zugangskontrollen oder die Präsenz bewaffneter Sicherheitskräfte, wie dies in Israel durchaus vorkommt, sind in Deutschland Ausnahmen und meist auf Treffen von Staats- und Regierungschefs beschränkt“, so Hofmann. In der Projektentwicklung gebe es Überlegungen, ob der seitens der Kommunen häufig gewünschte Öffentlichkeitsbezug in den Erdgeschossen nicht reduziert werden müsste. In Hochhäusern nehmen laut Hofmann die Concierge- und Sicherheitsdienstleistungen zumindest in den hochpreisigen Segmenten zu.

„Absolute Sicherheit gibt es nicht, das ist auch der Branche bewusst“, so Hofmann.

80 Prozent der Deutschen finden Sicherheit im Wohnumfeld wichtig

Die Deutschen sind in ihrem Wohnumfeld nach den Schweden am glücklichsten. Dies ist ein
Ergebnis der „Happy Quest“, einer repräsentativen Umfrage des Wohnprojektentwicklers Bonava. Zum Wohlbefinden trägt für 80 Prozent der Deutschen demnach insbesondere das Thema Sicherheit bei. Vor allem Frauen und Senioren legen darauf großen Wert. Kein Wunder, dass in zahlreichen Wohnhochhäusern und Wohnungsgesellschaften der Concierge eine Renaissance erlebt. Die Tätigkeit geht weit über die normalen Hausmeisteraufgaben hinaus.

„Das Sicherheitsbedürfnis der Bewohner, ganz besonders im Luxussegment, war immer ein großes Thema unabhängig von den Terroranschlägen der vergangenen Jahre“, sagt Raffaele Sorrentino, Geschäftsführender Gesellschafter und CEO des Concierge-Service RAS – service at any time.

„Wir als Unternehmen haben die Sicherheitsmaßnahmen seit den Anschlägen erhöht“, so Sorrentino.


So habe man Eingangstüren zum Gebäude ständig geschlossen gehalten. Fremden Personen sei die Tür nur geöffnet worden, wenn der Bewohner zustimmte oder sich die Person ausweisen konnte. Etwa Handwerker haben Sorrentino zufolge Besucherausweise, um für die Bewohner erkennbar zu sein. Nachtrundgänge würden elektronisch protokolliert und öfter durchgeführt, und das Augenmerk sei auf Fremdgegenstände gerichtet.

„Der Concierge-Service wird, egal in welchem Segment, grundsätzlich als Entlastung für die Bewohner gesehen", sagt Sorrentino.


Darüber hinaus habe man die Mitarbeiter an Sicherheitsschulungen teilnehmen lassen, um sie zu sensibilisieren.

Hotels setzen auf Videoüberwachung

Im Gegensatz zu Israel oder Luxus-Hotels in Ägypten, in denen Eingangs- und Gepäckkontrollen vor jedem Eintritt in die Lobby stehen, setzen Hotels hierzulande auf diskretere Sicherheitsmaßnahmen.

„Die Diskussion um Terrorgefahren ändert bisher nichts am Anforderungskatalog für die Projektentwicklung von Hotels“, sagt Chris-Norman Sauer, Head of Hotel Development der GBI AG.


Allerdings gebe es bauliche Vorkehrungen aus Gründen der generellen Sicherheitsdiskussion, auf die verstärkt Wert gelegt wird. Beispielsweise wird die Ausstattung mit Kameras verbessert. Vorder- und Hintereingänge sowie einige andere kritische Bereiche wie etwa die Tiefgarage werden bereits seit einiger Zeit bei Hotels standardmäßig überwacht.

„Zudem sollen Schließkarten- und Berechtigungs-Systeme gewährleisten, dass kein ungebetener Gast den Weg von der Lobby in die Etagen mit den Zimmern findet“, sagt Sauer.


Das sei notwendig, weil sich durch den Trend zu Open-Lobby-Konzepten immer häufiger auch Nicht-Hotel-Gäste im Empfangsbereich aufhielten. Diese öffentlichen Bereiche und die Zimmer-Etagen voneinander zu trennen, ohne dass die Gäste die Maßnahmen als hinderlich empfänden, sei ein wichtiger Baustein jedes Hotel-Konzepts. Eine besondere Herausforderung sei diese Trennung, falls sich der Lobby-Bereich gar nicht im Erdgeschoss befinde.

„Zudem bauen vor allem internationale Ketten häufig einen ,Panic Button‘ im Empfangsbereich ein, damit in einem Ernstfall die Rezeptionsmitarbeiter Sicherheitskräfte alarmieren können“, sagt Sauer.

Shopping-Center: Gratwanderung zwischen Einkaufserlebnis und Sicherheit

Nach dem Amoklauf von München im Juli 2016 und der Evakuierung des Einkaufszentrums „Limbecker Platz“ in Essen gerieten auch Einkaufszentren ins mediale Interesse.

„Es gibt eine höhere Gefährdung, aber auch mehr Wissen und eine neue Art der Informationsverbreitung“, sagt Jens Horeis, General Manager und Leiter Property Management Deutschland bei Sonae Sierra.


Man verfüge über sorgfältig ausgearbeitete Notfallpläne und kooperiere eng mit zuständigen Behörden, um die Pläne zu verfeinern. „Wir testen in unseren Centern mindestens zwei Mal pro Jahr alle Abläufe und Pläne mit Hilfe von Simulationen und anhand verschiedener Szenarien. Dies umfasst jeden Centertyp, jeden Standort und jeden Zeitpunkt“, so Horeis.

In dem vom Council of Shopping Centers (GCSC) initiierten „Arbeitskreis Sicherheit“ engagieren sich laut Ingmar Behrens, Leiter Public Affairs, Kommunikation und Leiter der GCSC Security Kommission, seit Frühjahr 2016 die Mitgliedsunternehmen des GCSC ohne Wettbewerbsgedanken. „Sie teilen ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Konzepte“, so Behrens. Derzeit werde begonnen, mit professioneller Unterstützung der Rheinischen Fachhochschule und des dazugehörigen „Kompetenzzentrums Internationale Sicherheit“ in Köln an einem gemeinsamen Standardwerk zum Thema „Terror und Amok“ für die Branche zu arbeiten. Im Herbst werde dieses den GCSC-Mitgliedern zur Verfügung gestellt.

„Neben umfangreichen Sicherheitsunterlagen, die jeder Mieter erhält, gehören in jedem Standort jährliche Übungen beispielsweise zum Thema Brandschutz zu unseren Maßnahmen“, erläutert Christian Schröder, COO der MEC METRO-ECE Centermanagement. „Unser Sicherheitskonzept beinhaltet unter anderem technische Maßnahmen, geschultes Fachpersonal und den regelmäßigen und vor allem schnellen Austausch von Informationen mit den relevanten Stellen bei der Stadt und beim Land“, ergänzt Hendrik Hoffmann, Geschäftsführer der CRM – Center- und Retail-Management, die in Mannheim das gemischt genutzte Stadtquartier Q 6 Q 7 betreibt.

Alles in allem stehen Investoren und Betreiber vor der Herausforderung, Mieter und Besucher vor Schaden zu schützen und gleichzeitig die Einkaufsatmosphäre nicht zu schmälern. Noch geht die Rechnung im Wesentlichen auf.

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