Führungskräfte verdienen in der Immobilienwirtschaft im Durchschnitt 122.700 Euro jährlich - im Branchenvergleich ist das wenig. Bild: Compensation Partner (PersonalMarkt), Hamburg

Der Immobilienbranche geht es gut: Die Konjunktur brummt, die Nachfrage steigt, die Zinsen sind niedrig. Auf die Gehälter von Fach- und Führungskräften wirkt sich das jedoch nur bedingt aus, wie unser exklusiver Gehaltsreport zeigt. Besonders deutlich wird dies bei den Chefgehältern: Sie liegen im Branchenvergleich lediglich auf dem vorletzten Platz.

Anfang 2017 warnten Experten vor einer Trendwende in der Immobilienbranche: Eine sich öffnende Schere zwischen Kaufpreisen und Mieten könnte eine Immobilienblase hervorrufen, hieß es damals. Besonders betroffen seien die deutschen Metropolen. Der Crash blieb allerdings aus – und aktuell sind Unternehmen äußerst optimistisch, denn die Branche boomt und auch die Gehälter steigen. 

„Zurzeit sind die Rahmenbedingungen in der Immobilienbranche sehr positiv: eine starke Konjunktur, eine hohe Nachfrage und niedrige Zinsen. Allerdings könnten einer oder mehrere dieser Faktoren auch abgeschwächt werden, daher sollte man die Lage genauestens im Blick behalten. Vieles spricht aber für ein langsames Auslaufen des Preisbooms.“ Tim Böger, Geschäftsführer Compensation Partner

Allerdings keineswegs mehr als in anderen Wirtschaftszweigen. Zudem können die Gehälter in der Immobilienwirtschaft nicht mit den Preissteigerungen für Wohneigentum mithalten. Das seien zwei vollkommen voneinander unabhängige Entwicklungen. Darauf weist Compensation Partner hin. Das Hamburger Unternehmen hat erneut in Zusammenarbeit mit dem Fachmagazin „Immobilienwirtschaft“ die Gehälter in der Immobilienwirtschaft genau unter die Lupe genommen.

Die alle zwei Jahre erscheinende Studie „Führungskräfte und Spezialisten in der Immobilienwirtschaft“ ist eine der umfangreichsten Vergütungsanalysen für die Branche und beruht auf mehr als 5.000 ausgewerteten Daten.

In der aktuellen Untersuchung wurde allerdings das Verfahren im Vergleich zu den Vorjahren geändert. Statt einer Reduktions- hat Compensation Partner eine Regressionsanalyse verwendet. Das neue statistische Verfahren bietet wesentliche Vorteile gegenüber dem alten. Für die Untersuchung 2017/18 bedeutet die neue Analyseform jedoch, dass die ermittelten Gehälter nicht mit früheren Auswertungen vergleichbar sind.

Immobilienwirtschaft Gehalt: Das verdient die Branche

Laut Compensation Partner verdienen Akademiker aktuell beim Berufseinstieg in die Immobilienbranche rund 41.400 Euro jährlich. Dieser Wert beruht auf Auswertungen der Studie zu den akademischen Berufseinsteigern 2017. Beschäftigte, die mit einer Ausbildung in den Beruf starten, erhalten knapp 10.000 Euro weniger und kommen auf rund 29.500 Euro pro Jahr.

Führungskräfte in der Immobilienwirtschaft erhalten ein Jahresgehalt von rund 122.700 Euro. Damit stehen sie im Branchenvergleich schlecht da: Nur Top-Beschäftigte im Gesundheitswesen verdienen mit 110.800 Euro jährlich noch schlechter.

An der Spitze der Skala befinden sich Banken, Pharmazieunternehmen oder die Automobilindustrie. Dort verdienen Führungskräfte mit mehr als 200.000 Euro jährlich deutlich mehr als in der Immobilienwirtschaft.

Zum Vergleich: Laut einer Studie von CoreNet Global (CNG) lag das Jahresgehalt eines Head of Corporate Real Estate im Jahr 2016 im weltweiten Durchschnitt bei 280.000 US-Dollar.

Gehälter Immobilienbranche: Top- und Flop-Berufe

Bei der Betrachtung der best- und schlechtbezahltesten Berufe in der Immobilienbranche ergibt sich folgendes Bild: Kaufmännische Leiter verdienen mit einem jährlichen Gehalt von 110.000 Euro am meisten, gefolgt von Niederlassungsleitern mit 108.000 Euro und Asset Managern mit 106.200 Euro. Unter den Flop-Berufen befinden sich Beschäftigte in der Verwaltung und dem Sekretariat. Schlusslicht ist das Gehalt des Hausmeisters. Stark verbessert hat sich die Situation der Bauleiter, sie verdienen im Durchschnitt rund 75.900 Euro jährlich.

„Bauleiter galten lange als die schlechter bezahlten Ingenieure. Dies hat sich in den letzten Jahren verändert. Gehaltssteigerungen von vier bis fünf Prozent jährlich sind keine Seltenheit.“ Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner

Immobilienbranche: Gehalt ist regional unterschiedlich

Wer wie viel verdient, hängt auch stark davon ab, wo das Immobilienunternehmen seinen Sitz hat ­– es gibt große regionale Unterschiede.

Generell ist das Vergütungsniveau in den westlichen Bundesländern Deutschlands besser als in den östlichen.

An der Spitze stehen Hessen, Baden-Würt­temberg und Bayern. Dies ist laut Compensation Partner einerseits damit zu erklären, dass große Konzerne und Industrien ihren Firmensitz eher im Westen Deutschlands aufbauen und dort auch ein entsprechend höheres Personalbudget zahlen. Hinzu kommt, dass die Lebenshaltungskosten im Osten viel geringer sind, da Mietpreise und der öffentliche Nahverkehr günstiger ausfallen, sodass die dortigen Unternehmen auch die Gehälter entsprechend anpassen. Berlin bildet in diesem Fall die Ausnahme, da die Stadt eine hohe Anziehungskraft auf Unternehmen hat und vor allem bei Start-ups beliebt ist.

Gehalt: Immobilienwirtschaft kann Entgeltlücke zwischen Frauen – Männern nicht schließen

Im Mittelfeld liegt die Immobilienbranche beim Vergleich zwischen den Gehältern für Männer und Frauen.

Bei Fachkräften mit 30.000 bis 35.000 Euro Jahreseinkommen gibt es in der Immobilienbranche eine Entgeltlücke zwischen weiblichen und männlichen Angestellten von 3,5 Prozent. Zum Vergleich: Bei Banken beträgt der Unterschied im Gehalt 1,8 Prozent, in der Metallbranche liegt er bei 9,7 Prozent.

Immobilienwirtschaft und -management Gehalt: Firmenwagen, Prämien und Altersvorsorge

Traditionell spielen im Immobiliensektor bei der Gehaltsgestaltung auch nicht-monetäre Zusatzleistungen eine wichtige Rolle.

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Generell gilt: Ab einer Firmengröße von 100 Mitarbeitern erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf hohe Prämien. Die betriebliche Altersvorsorge ist sowohl unter Fach- als auch unter Führungskräften prozentual am häufigsten in mittelgroßen Firmen verbreitet. Mit steigender Firmengröße wächst auch die prozentuale Aufteilung an Firmenwagen. Ab einer Firmengröße von 1.000 Mitarbeitern fahren 75 Prozent der Führungskräfte einen Firmenwagen. In großen Firmen ist die betriebliche Altersvorsorge für Führungskräfte indes sogar geringer als in kleineren Betrieben. Vor allem in mittelgroßen Firmen ist ein starker Anstieg (über 20 Prozent) in der Firmenwagenverteilung unter Führungskräften zu beobachten. Auffällig ist, dass die Prämien in mittelgroßen Betrieben geringer ausfallen als in kleineren.

„Führungskräfte in kleinen Firmen übernehmen öfters eine direktere Verantwortung für die Unternehmensentwicklung als in mittelgroßen Betrieben.“ Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner

Während der Wert für Firmenwagen bei Führungskräften mit steigender Firmengröße zunimmt, ändert er sich unter den Fachkräften kaum. Die Verteilung von Firmenwagen unter Fachkräften ist in großen Firmen mit einem Prozentanteil von 27,4 Prozent relativ hoch. Im Allgemeinen sind Firmenwagen in der Vertriebssteuerung/Verkaufsleitung am stärksten verbreitet, da dieser Zweig von den Mitarbeitern besondere Mobilität erfordert. Laut dem Firmenwagenmonitor aus dem Jahr 2016 liegt die Verbreitung branchenübergreifend bei 78,2 Prozent. Ähnlich sieht es in der Immobilienwirtschaft aus: Hier verfügen 80 Prozent der Führungskräfte in der Vertriebssteuerung über einen Firmenwagen.

Immobilienwirtschaft Gehalt: 30 Urlaubstage inklusive

Last but not least: die Urlaubstage. Auch in diesem Aspekt hat die Immobilienwirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen das Nachsehen. Während im Bankensektor, der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau im Schnitt über 80 Prozent der Beschäftigten 30 Tage im Jahr frei haben, sind es in der Immobilienbranche nur knapp über die Hälfte (51,6 Prozent). Zehn Prozent kommen auf 24 freie Tage im Jahr, der Rest befindet sich dazwischen. Dadurch liegt die Immobilienwirtschaft im Branchenvergleich der Urlaubstage lediglich im unteren Mittelfeld.

Weitere Informationen: Vergütungsstudie - Immobilienwirtschaft 2017/2018

Gemeinsam mit Compensation Partner (PersonalMarkt) hat das Branchenmagazin „Immobilienwirtschaft“ eine neue Vergütungsstudie für 2017 und 2018 durchgeführt. Insgesamt wurden 5.249 Daten ermittelt und nach unterschiedlichen Kriterien ausgewertet. In der Zeit vom 1. Mai 2017 bis zum 31. August 2017 haben hierfür insgesamt 21 Unternehmen 431 Datensätze eingegeben. Zudem wurden durch Direktbefragungen von Fach- und Führungskräften weitere 4.818 Datensätze generiert. Die Direktbefragung der Beschäftigten fand in der Zeit vom 1. September 2016 bis zum 31. August 2017 statt. Für die Studie wurden folgende Daten erhoben: Unternehmensgröße des Arbeitgebers, Stellentitel, personelle Verantwortung und Hierarchieebene, finanzielle Verantwortung, Qualifikations­­­­anforderung und alle Bestandteile des Gehalts.
Die Studie wird zum Preis von 499 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer und Versandkostenpauschale) per E-Mail unter bestellung@personalmarkt.de oder online unter www.compensation-partner.de zur Verfügung gestellt.

Kontakt: Artur Jagiello
Compensation Partner
Tel: +49 (40) 41 34 54 33
jagiello@compensation-partner.de

Schlagworte zum Thema:  Gehälter, Löhne und Gehälter, Immobilienbranche, Studie

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