Berlin hat auf dem Vermietungs- und Investmentmarkt die besten Aussichten für die kommenden zwölf Monate Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Im RICS Global Commercial Property Monitor, einem Frühindikator für den gewerblichen Vermietungs- und Investmentmarkt, nehmen Berlin und Frankfurt am Main im vierten Quartal 2017 eine Spitzenposition ein. Für Berlin wird deutschlandweit der höchste Kaufpreisanstieg erwartet. Doch die Aussichten sind auch für Frankfurt gut. In München wird für 2018 mit einer überdurchschnittlichen Kaufpreisentwicklung im Industriesektor gerechnet.

Dem RICS-Bericht zufolge war die Stimmung auf den europäischen Immobilienmärkten im vierten Quartal 2017 größtenteils positiv. Der "Investment Sentiment Index" fiel von plus 50 im dritten Quartal auf plus 45 im vierten Quartal. Dennoch lässt sich laut RICS aus dem Indikator weiterhin eine hohe Dynamik auf dem Investmentmarkt ablesen. Die Kennziffer kombiniert die Ergebnisse zur Investorennachfrage mit dem Angebot an zum Verkauf stehenden Immobilien und Erwartungen zum Immobilienpreis.

Die Nachfrage verzeichnete RICS zufolge über alle Assetklassen hinweg einen Anstieg im Vergleich zum Vorquartal – am stärksten im Bürobereich. Das Angebot nahm in allen Anlageklassen ab, was die Kaufpreise erneut steigen ließ. Nur für Einzelhandelsimmobilien korrigierten die Befragten die Prognosen im Vergleich zum Vorquartal nicht nach oben – sie gehen für diese Assetklasse nur von einem moderaten Kaufpreisanstieg aus.

Eckdaten auf dem deutschen Mietmarkt weiterhin positiv

Trotz der stabilen Bedingungen und der positiven Aussichten für 2018 gaben 75 Prozent der Befragten an, dass die Luft nach oben zunehmend dünner wird und sich der deutsche Markt seinem Höhepunkt nähert.

Wurde der langjährige Durchschnitt der Vermietungsleistung etwa für Büros in Frankfurt noch einmal deutlich übertroffen, belegen die Zahlen auch, dass der stationäre Einzelhandel – insbesondere im Bekleidungssegment – stark unter Druck ist. Das wirke sich negativ auf Mieten und Laufzeiten aus, sagt Hanno Schrecker, Vorsitzender der Professional Group (PG) Commercial Property der RICS Deutschland. Das Flächenangebot verzeichnete in allen Sektoren einen Rückgang, nur im Einzelhandelssektor entwickelte sich das Angebot stabil.

Der "Occupier Sentiment Index", der die Nachfrage nach Mietflächen, die Verfügbarkeit von Mietflächen und Anreizpakete der Vermieter für potenzielle Mieter berücksichtigt, erreichte für Deutschland im vierten Quartal einen Wert von plus 32 – das ist ein Zuwachs von einem Punkt im Vergleich zum Vorquartal (plus 31). Dem Indikator zufolge entwickeln sich die Eckdaten auf dem Mietmarkt weiterhin positiv.

Die Prognosen hinsichtlich der Mietpreisentwicklung in den kommenden zwölf Monaten wurden im Vergleich zum dritten Quartal in fast allen Teilmärkten nach oben korrigiert. Nur für Einzelhandelsobjekte in B-Lagen werden nur leichte oder keine Mietsteigerungen erwartet. Die Aussichten für den Berliner Mietmarkt sind am stabilsten, was vor allem auf die gute Stimmung im Bürosektor zurückzuführen ist. Die Prognosen für München entsprechen dem landesweiten Durchschnitt, während in Frankfurt von einem moderateren Mietpreiswachstum ausgegangen wird.

Leerstandsrate im Bürosektor in Europa auf dem niedrigsten Stand seit 2008

Die meisten Teilnehmer der RICS-Marktstudie weisen auf einen Angebotsengpass bei Spitzenobjekten in europäischen Städten hin. Die Leerstandsrate im Bürosektor befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 2008. Trotz aktueller Berichte, dass durch den Brexit in Großbritannien weniger Arbeitsplätze verlorengehen könnten als zunächst befürchtet, berichten Teilnehmer der Studie aus mehreren europäischen Städten von Anfragen britischer Unternehmen nach freien Flächen

Dies betrifft insbesondere Amsterdam aber auch Frankfurt, Warschau, Dublin und Paris. 75 Prozent der Befragten aus Central London sprachen von Anfragen seitens Unternehmen, die ihre Geschäftsaktivitäten zumindest teilweise ins Ausland verlagern wollen. Laut RICS-Umfrage bleibt London ein attraktiver Investmentmarkt, obwohl die meisten Kennzahlen auf eine Überteuerung hindeuten. Nach einer aktuellen Studie von Knight Frank ist London sogar der attraktivste Investmentmarkt weltweit.

Starke Marktdynamik in den Niederlanden – Schwellenländer profitieren von Weltwirtschaft

In den Niederlanden hat der RICS Investment Sentiment Index einen neuen Höchststand erreicht: plus 45 im vierten Quartal 2017. Das lässt auf eine starke Marktdynamik schließen. Laut Prognose werden die Immobilienpreise im kommenden Jahr über alle Spitzensegmente hinweg ansteigen. Büro- und Industrieimmobilien führen hier die Rangliste an.

In Frankreich stieg die Mieternachfrage wie seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht mehr. Insbesondere die Nachfrage nach Büro- und Industrieflächen schnellte in die Höhe. Die Einjahresprognose geht von einer positiven Entwicklung der Mieten über alle Spitzensegmente (Industrie, Büro und Einzelhandel) hinweg aus. Die Branchenexperten haben ihre Erwartungen im Vergleich zum dritten Quartal jeweils nach oben korrigiert.

In Italien haben sich die Erwartungen hinsichtlich Mietpreisentwicklung für alle Teilmärkte gegenüber dem Vorquartal leicht verbessert. Dies gilt insbesondere für Mailand. In Polen wurde ein deutlicher Anstieg der Mietnachfrage verzeichnet und auch die Flächenverfügbarkeit nimmt weiter zu.

Global betrachtet profitieren die Immobilienmärkte in den Schwellenländern verzeichnen Städte wie Bangalore, Delhi, Mumbai, Peking und Shanghai die besten Werte bei den Zukunftsindikatoren. Mittelfristig rücken auch kleinere Städte in osteuropäischen Ländern wie Sofia, Budapest und Prag verstärkt in den Fokus der Investoren.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienpreis, Berlin, Europa

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