Von PropTechs sind „nur“ 4.678 Jobs in den letzten zwei Jahren angeboten worden, während die klassische Immobilienbranche 62.432 Jobs veröffentlichte. Bild: Joblift

Die PropTech-Szene in Deutschland entwickelt sich noch – auch als Arbeitgeber sind die neuen Unternehmen noch lange nicht so aktiv wie klassische Immobilienfirmen. Das zeigt eine Studie der Metajobsuchmaschine Joblift. In den vergangenen zwei Jahren wurden von PropTechs 4.678 Jobs angeboten, während die traditionelle Immobilienbranche 62.432 Jobs veröffentlichte. Ebenfalls auffällig: Nur rund ein Sechstel der Jobprofile befasst sich mit radikalen technologischen Neuerungen wie Blockchain oder künstlicher Intelligenz.

Betrachtet man die Stellenbeschreibungen, so liegt der Fokus der PropTechs mehr auf der Optimierung traditioneller Prozesse denn auf radikalen Neuerungen. Laut Joblift veröffentlichten Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen beispielsweise im Bereich virtuelle Begehungen nur sieben Prozent der Ausschreibungen. Insgesamt beschäftigten sich nur 16 Prozent der gesuchten Berufsprofile in den vergangenen zwei Jahren mit Megatrends.

Big Data wurde in zwei Jahren lediglich 302 Mal erwähnt, cloudbasierte Anwendungen sogar nur 263 Mal und von virtueller Realität war lediglich 122 Mal die Rede in den Anzeigen. Blockchain wurde gar nur 45 Mal erwähnt. Im immobilienwirtschaftlichen Kontext bestehen weiterhin Fehlwahrnehmungen und Halbwissen: die konstruktive Implementierung der Technologie Blockchain ist damit (noch) gehemmt, schreibt Experte Viktor Weber vom Future Real Estate Institute in der Haufe-Online-Serie "Real Estate Innovation Glossar". Schlusslicht in den Stellenanzeigen war das Thema "Künstliche Intelligenz", das in zwei Jahren nur achtmal zu lesen war.

Die meisten Jobanzeigen stammen aus Berlin und Bayern

Die meisten Anzeigen von Property-Technologie-Unternehmen wurden laut der Metajobsuchmaschine Joblift in der Startup-Hochburg Berlin (41 Prozent) und Bayern (29 Prozent) geschaltet. Im etablierten Immobilienwesen haben Berlin und Bayern zusammen nur 36 Prozent der Stellen geschaffen, hier macht Nordrhein-Westfalen mit 18 Prozent den größten Einzelanteil aus.

Während klassische Immobilienunternehmen, die vor allem nach Immobilienkaufleuten (elf Prozent), Maklern (acht Prozent) und Bürokaufleuten suchten (sechs Prozent), in 67 Prozent der Anzeigen eine Ausbildung und in 33 Prozent ein Studium verlangten, forderten PropTechs nur in 27 Prozent der Annoncen eine Berufsausbildung (Studium: 35 Prozent).

Doch in welchen Feldern entwickelt sich die PropTech-Szene besonders stark?  Immobilienportale wie ImmobilienScout24 bilden laut Joblink das stärkste Segment – 24 Prozent der PropTech-Stellen wurden in diesem Bereich ausgeschrieben. Es folgen temporäre Vermietungsplattformen wie Airbnb mit 21 Prozent der Jobanzeigen. Angebote zur Vermietung und dem Verkauf von Immobilien wie etwa die Plattform McMakler belegten mit einem Anteil von elf Prozent den dritten Platz ein.

Innovationsdruck hält sich in Grenzen

Nach Ansicht von Joblift führt vermutlich die derzeit stabile Konjunktur auf dem Immobilienmarkt dazu, dass sich der Innovationsdruck in der Branche aktuell nicht so stark bemerkbar macht.

In Zukunft wird jedoch eine höhere Innovationsaffinität sowie eine raschere Adaption notwendig sein, um sich als Unternehmen einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil sichern zu können, wie Weber im ersten Teil der Serie schreibt.

Der Bundesverband Deutsche Startups reagierte diese Woche auf den Digitalisierungstrend des Immobiliensektors und gründete eine PropTech-Fachgruppe.

Schlagworte zum Thema:  PropTech, Suchmaschine, Immobilienunternehmen

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