Immobilienfinanzierung: Neugeschäft wächst deutlich

Das Neugeschäft bei den großen deutschen Immobilienfinanzierern hat im ersten Halbjahr 2021 gegenüber dem Vorjahr zum Teil deutlich zugelegt – um bis zu 225 Prozent laut einer Umfrage von JLL. Rückgänge melden nur zwei von zwölf Instituten. Fünf Banken erwarten, dass es weiter aufwärts geht.

Das Neugeschäftsvolumen bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen ist im ersten Halbjahr 2021 im Schnitt um sechs Prozent auf 18,1 Milliarden Euro gestiegen im Vergleich zum Vorjahr, wie aus einer Umfrage von JLL hervorgeht. "Die Mehrheit der Kreditinstitute haben einen zum Teil deutlichen Anstieg im Neugeschäft ausgewiesen", fasst Timo Wagner, Debt Advisory JLL Germany, zusammen.

Abgefragt wurden die Zahlen bei zwölf Kreditinstituten, das höchste Plus mit 225 Prozent meldet die Deutsche Hypo, 67 Prozent sind es bei der pbb Deutsche Pfandbriefband und jeweils 33 Prozent bei der Aareal Bank und der Hamburg Commercial Bank. Vier der zwölf befragten Banken mussten einen Rückgang von 14 bis 68 Prozent hinehmen. Für das zweite Halbjahr 2021 gehen fünf Banken von einem Anstieg des Neugeschäfts aus.

Weniger Neugeschäft gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres geben nur die Berliner Sparkasse und die Münchener Hyp an. Die übrigen Institute sehen eine Entwicklung auf mindestens Vorjahresniveau.

Kreditbestände steigen

Wie sich die Entwicklungen der Corona-Pandemie, bei den Lieferengpässen und der Rohstoffknappheit letztlich auch beim Neugeschäft der zwölf Immobilienfinanzierer bemerkbar machen wird, sei derzeit nicht abzusehen, so Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany.

Der aktuell positive Trend im gewerblichen Immobilienfinanzierungsgeschäft spiegelt sich für das erste Halbjahr 2021 auch in den Kreditbeständen wider. Im Schnitt verzeichnen die Institute einen leichten Anstieg von drei Prozent bei einem ausgewiesenen Gesamtvolumen von 270,9 Milliarden Euro. Mit einem Plus von 16 Prozent vergrößerte die Berliner Hypothekenbank ihr Kreditbuch am stärksten. Bei drei Kreditinstituten – DekaBank, Münchener Hyp und LBBW – haben sich die Bestände per Saldo minimal reduziert. Bei der Hamburg Commercial Bank lag das Minus allerdings im deutlich zweistelligen Bereich (21 Prozent).

Alternative Immobilienfinanzierer gewinnen an Bedeutung

Der Immobilieninvestmentmarkt hat laut JLL im ersten Halbjahr 2021 deutlich an Dynamik gewonnen. "Dies hatte das ermittelte Transaktionsvolumen für das dritte Quartal 2021 unterstrichen, das sich mit 26,6 Milliarden Euro deutlich über den Volumina der vorangegangenen Quartale bewegt", erklärt Scheunemann. Er erwartet für das Gesamtjahr ein neues Rekordergebnis.

Allerdings seien Fremdfinanzierungen weiterhin durch Herausforderungen geprägt, da Kreditinstitute nach wie vor erhöhte Risikovorsorge betreiben und dadurch zunehmend Kapital binden müssten, schränkt Scheunemann ein. Auf diese steigenden administrativen, bankeninternen Kosten müssten sich Investoren zunehmend einstellen. Alternative Finanzierer wie Debt Funds, Versicherer oder Pensionskassen sowie Private Debt werden daher laut JLL weiter in den Fokus in den rücken.

Methodik

JLL hat neben den tatsächlich realisierten Neugeschäftszahlen auch Planzahlen für die Neugeschäftsvergabe sowie Kreditbestände analysiert und ausgewertet. Die gewerbliche Immobilienfinanzierung beinhaltet neben der Finanzierung gewerblich genutzter Immobilien auch die gewerbliche Wohnimmobilienfinanzierung. Die Analyse umfasst eine Auswahl an Banken, deren Reporting die entsprechenden Zahlen gesondert ausweist und somit einen Vergleich ermöglicht. Die Angaben zu den Neugeschäftszahlen beziehen sich auf das Volumen in Deutschland, während die Kreditbestände das Gesamtvolumen im In-­ und Ausland wiedergeben. Nicht eingeflossen sind die Mittelbeschaffungen über Kapitalmarktprodukte wie Kapitalerhöhungen oder Bondemissionen.


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