In den etablierten Märkten sind die Kreditgeber zunehmend großzügiger Bild: Corbis

Die etablierten europäischen Immobilienmärkte werden durch den EU-Austritt Großbritanniens bei der Vergabe von Immobilienkrediten profitieren, wie eine Umfrage von KPMG zeigt. Demnach wollen die Banken die Kreditvergabe forcieren. Insbesondere die deutschen Banken erwarten weiterhin eine positive Entwicklung ihrer Immobilienmärkte. Während es für Banken eher nachteilig ist, nachrangige Darlehen zu vergeben, setzen Institutionelle laut FAP verstärkt auf dieses Segment.

Auch die niederländischen und irischen Banken erwarten positive Effekte für ihre Märkte. Die für den KPMG-"Property Lending Barometer 2017" befragten Marktteilnehmer, Kreditexperten von rund 100 Banken aus 17 Ländern, waren sich allerdings einig, dass die weniger entwickelten Länder durch den Brexit in den kommenden eineinhalb Jahren das Nachsehen haben werden.

Die Finanzierung von Wohnimmobilien wird aktuell in allen Ländern bevorzugt. Auch bei der Kreditvergabe von Büroimmobilien ist ein weiterer Anstieg zu beobachten, während die Finanzierung des Hotelsektors als wenig attraktiv erscheint.

Deutschland ist Big Player beim Transaktionsvolumen

Die Investitionen in Immobilien in den europäischen Ländern variieren im ersten Halbjahr 2017. So haben Deutschland mit 27 Prozent (31,8 Milliarden Euro) und Großbritannien mit 24 Prozent zusammen mehr als die Hälfte des gesamten europäischen Transaktionsvolumens auf sich verbucht.

Mit einem Wachstum von 30 Prozent kann sich Deutschland im europäischen Vergleich dabei klar zu den Gewinnern zählen. Vor allem die Portfolio-Deals haben laut KPMG zugelegt und kommen nun auf einen Anteil von 32 Prozent (10,3 Milliarden Euro) am gesamten Transaktionsvolumen.

Spitzenrenditen bei Logistikimmobilien am höchsten

Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2016 stiegen die Deals mit Büroimmobilien in Deutschland KMPG zufolge um 35 Prozent, Transaktionen mit Handelsimmobilien um 20 Prozent und Industrie- sowie Logistikimmobilien um 157 Prozent. Hotels hingegen waren im ersten Halbjahr 2017 weniger beliebt: Die Transaktionen gingen um 44 Prozent zurück. Die Spitzenrenditen lagen im Schnitt bei 3,25 bis 3,9 Prozent (Büros), 3,1 bis 3,7 Prozent (Handelsimmobilien) und 4,95 bis 5,35 Prozent (Logistikimmobilien).

Mit Investitionen von 6,67 Milliarden Euro haben Logistikimmobilien einen neuen Rekord aufgestellt, ergänzt BNP Paribas Real Estate (BNPPRE).

FAP-Mezzanine-Report: Markt für Nachrangfinanzierungen wächst

"Nachrangfinanzierungen sind eine feste Größe im Finanzierungsmarkt und werden weiter zulegen", sagt FAP-Geschäftsführer Curth-C. Flatow. Das für Immobilienvorhaben ausgereichte Nachrangkapital des von FAP analysierten Marktes lag in den letzten zwölf Monaten bei zirka 2,6 Milliarden Euro.

Deutlich zugelegt hat der Anteil der Investoren, die sich auf die deutschen Top-7-Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Köln und Stuttgart fokussieren: von sieben Prozent 2016 auf nun 17 Prozent. Weitere 34 Prozent finanzieren in Metropolregionen (die 15 größten deutschen Städte), dieser Wert hat sich kaum verändert (2016: 33 Prozent).

Im Bestand sind laut FAP auf den ersten drei Plätzen die Segmente Wohnen, Büro und Mixed Used. In der Projektentwicklung stehen auf den Rängen eins bis drei die Assetklassen Wohnen, Büro und Handelsimmobilien.

Crowdfunding-Plattformen im kleinen Finanzierungsrahmen Top-Anbieter

2015 wurden FAP zufolge für die Finanzierung von Projektentwicklungen noch Tranchen ab 500.000 Euro ausgereicht, 2016 starteten Kapitalgeber eher ab einer Million Euro, heute stellen viele Kapitalgeber Mindesttranchen ab zwei Millionen Euro. Die meisten Finanzierer (73 Prozent) konzentrieren sich auf Tranchen zwischen drei und 15 Millionen Euro. Dadurch konnten im Bereich bis zu 2,5 Millionen Euro Crowdfunding-Plattformen zulegen, sie sind in diesem Finanzierungsrahmen nun Top-Anbieter.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Kreditvergabe, Brexit

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