ifo Institut: Grunderwerbsteuer belastet Immobilienverkäufer

Die Grunderwerbsteuer wird von den Immobilienkäufern gezahlt. Je nach Bundesland können bis zu 6,5 Prozent fällig werden. Von der Steuer belastet würden aber in erster Linie die Verkäufer, da sie den Immobilienpreis drücke, sagen Forscher des ifo Instituts.

Damit profitieren die Immobilienkäufer dem ifo Institut zufolge sogar noch von der Grunderwerbsteuer: Die Erhöhung des Steuersatzes um nur einen Prozentpunkt senke bereits zwölf Monate nach der Reform die Immobilienpreise um durchschnittlich 3,5 Prozent – was wiederum die Verkäufer von Immobilien belaste, heißt es in der Studie "Who Bears the Burden of Real Estate Transfer Taxes? Evidence from the German Housing Market" des ifo Instituts.

"Da die Grunderwerbsteuer von den Käufern einer Immobilie zu zahlen ist, verringert sie deren Zahlungsbereitschaft." Clemens Fuest, ifo-Präsident und Co-Studienautor

Dies lasse sich dadurch erklären, dass bei einem künftigen Wiederverkauf erneut Grunderwerbsteuer anfällt, so Fuest. Davon sind Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser stärker betroffen als Einfamilienhäuser, heißt es in der Studie.

In der kürzlich geführten Diskussion um die Senkung der Grunderwerbsteuer in Schleswig-Holstein – ein Plan, der mittlerweile gekippt wurde – hatten Branchenvertreter der Wohnungswirtschaft darauf hingewiesen, dass unter einer hohen Grunderwerbsteuer vor allem Mieter in Mehrfamilienhäusern leiden, da die Steuer quasi auf die Mieten umgelegt werde. Das widerspricht in gewisser Weise der These des ifo Instituts, vor allem die Käufer würden belastet.

Je kürzer die Haltedauer der Immobilie, desto größer der Preisrückgang

Der Preisrückgang einer Immobilie fällt laut ifo Institut umso größer aus, je kürzer die Haltedauer einer Immobilie ist: Bei jedem Verkauf fallen wieder Nebenkosten an, neben Notar- und Maklergebühren eben auch die Grunderwerbsteuer. Dazu komme, dass eine hohe Steuer dazu führen kann, dass Käufer mit wenig Eigenkapital aus dem Markt verdrängt werden, was den Preis ebenfalls drücke, so Fuest.

Am höchsten ist der Satz mit derzeit 6,5 Prozent am Immobilienpreis in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen. Seit 2006 können die Bundesländer die Höhe des Steuersatzes selbst bestimmen, davor galt ein bundesweit einheitlicher Satz von 3,5 Prozent, bis 1997 waren es sogar nur zwei Prozent.

Seit 2006 haben alle Länder mit Ausnahme von Bayern und Sachsen, die nach wie vor einen Satz von 3,5 Prozent haben, den Steuersatz erhöht. Manche von ihnen erhöhten ihn sogar mehrfach, darunter mit drei Erhöhungen am häufigsten Berlin auf 4,5 Prozent im Jahr 2007, fünf Prozent 2012 und sechs Prozent 2014 und mit sogar vier Erhöhungen das Saarland: auf vier Prozent 2011, 4,5 Prozent 2012, 5,5 Prozent 2013 und schließlich 6,5 Prozent 2015.

Methodik

Für die Studie haben die Forscher Daten von etwa 18 Millionen deutschen Immobilien ausgewertet, die im Zeitraum zwischen Januar 2005 und Dezember 2018 zum Verkauf angeboten wurden. Erfasst wurden Eigentumswohnungen sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser. Die Daten stammen aus 140 verschiedenen Quellen, darunter Online-Immobilienportale sowie regionale und überregionale Zeitungen, und wurden dem ifo Institut vom Beratungsunternehmen F+B zur Verfügung gestellt.


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