Intressant für Geschäftsleute: Hier gehört Rostock laut EY zu den aufholenden Standorten Bild: Haufe Online Redaktion

Der europäische Hotelmarkt zeigte sich 2016 nahezu unbeeindruckt von den geopolitischen Unsicherheiten. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC wird der europäische Hotelmarkt 2017 weiter wachsen und die Zimmerpreise steigen – ganz vorne: Frankfurt am Main. Engel & Völkers Hotel Consulting (EVHC) erwartet den höchsten Preisanstieg pro Zimmer für Stuttgart und Berlin. EY Real Estate macht "Rising Stars" außerhalb der Topmärkte aus.

Der EVHC-Report hat die Erwartungshaltung von Hotelmanagern nur an den deutschen Top-8-Standorten analysiert. Demnach wird für die Hotelzimmerpreise in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und Dresden für 2017 im Schnitt ein Anstieg von sechs Prozent auf 120 Euro erwartet. Das höchste Wachstum prognostiziert EVHC für Stuttgart mit plus 18 Prozent, gefolgt von Berlin mit 13 Prozent.

Hotelmarkt in Europa

Europaweit wird das Ranking der teuersten Hotelstädte 2017 Genf anführen mit einem durchschnittlichen Zimmerpreis von 300 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt PwC. „Europa ist nicht nur ein wichtiges Ziel für Geschäftsreisende, sondern gewinnt gerade bei Touristen aus den USA und Asien an Beliebtheit“, sagt Dirk Hennig, Partner bei PwC Deutschland. Auf Genf folgen demnach Zürich (245 Euro), Paris (229 Euro), London (164 Euro) und Rom (148 Euro). Das stärkste Wachstum beim Erlös pro verfügbarem Zimmer werden der Studie zufolge Porto (14,8 Prozent), Dublin (8,7 Prozent) und Budapest (6,8 Prozent) verzeichnen, gefolgt von Madrid (5,9 Prozent), Lissabon (5,6 Prozent), Prag (5,5 Prozent) und Barcelona (5,4 Prozent). Als einzige deutsche Stadt ist in dieser Kategorie Frankfurt (4,5 Prozent) unter den Top-Städten, noch vor Paris (3,6 Prozent).

Berliner Hotelmarkt zeigt sich robust

Laut PwC stiegen die Preise in den Berliner Hotels 2016 gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent von 93 Euro auf 96 Euro. Der Terrorangriff auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Dezember wirkte sich nur kurzfristig auf die Anzahl der Hotelbuchungen aus. Mit einer jährlichen Zimmerauslastung von 77 Prozent im Jahr 2016 und 78 Prozent im angelaufenen Jahr bewegen sich Berliner Hotels laut PwC nach wie vor über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Die Zimmerpreise in Frankfurt gingen 2016 leicht zurück auf 124 Euro (2015: 126 Euro). Die Zimmerauslastung lag bei knapp unter 70 Prozent. Doch die Zeichen stehen PwC zufolge auf Wachstum: Mindestens 17 neue Hotels sollen bis 2018 eröffnen und neue Kapazitäten von rund 3.500 Zimmern schaffen. Für das Jahr 2017 erwartet PwC ein Wachstum des Erlöses pro verfügbarer Zimmerkapazität in Höhe von 4,5 Prozent.

Hotelmarkt: Deutschland im Investment-Ranking erstmals vor Großbritannien

Die Investitionen im europäischen Hotelmarkt sind nach den Untersuchungen von PwC 2016 um 9,7 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro zurückgegangen. Deutlicher Gewinner sei der deutsche Hotelmarkt gewesen. Während Investitionen in Großbritannien nach dem Brexit-Votum um mehr als 60 Prozent gefallen seien, habe Deutschland seinen Anteil an allen europäischen Deals auf knapp 30 Prozent erhöht.

Das höchste Marktpotenzial liegt den Experten von PwC zufolge jedoch in Destinationen am Mittelmeer, wie Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. Dies gilt sowohl für das Wachstum an Investitionen als auch für die Anzahl der Übernachtungen und  das Wachstum des Erlöses pro verfügbarer Zimmerkapazität.

Hotels: Luxus schlägt Budget

Engel & Völkers nimmt im Luxus-Segment die größte Spanne zwischen den Bruttoeinstandsraten an: Während ein Gast für ein 5-Sterne-Hotel in München durchschnittlich 354 Euro im Jahr 2017 zahlen soll, werden in Dresden mit 136 Euro rund 60 Prozent geringere Preise veranschlagt. Über alle Standorte hinweg liege die durchschnittliche Bruttoeinstandsrate für das Luxus-Segment laut der EVHC-Analyse bei 223 Euro.

Ein Budget-Zimmer in den Top-8-Hotelstandorten Deutschlands soll demzufolge 2017 durchschnittlich rund 65 Euro kosten. Allerdings reicht die Spanne von 58 Euro (für Dresden) bis 92 Euro (für München). Auch die weiteren Standorte unterscheiden sich zum Teil deutlich. Während in der Messestadt Düsseldorf ein Budget-Zimmer nur einen Preis von 61 Euro im Durchschnitt erzielen soll, wird für die Budget-Hauptstadt Berlin ein Zimmerpreis von 70 Euro prognostiziert.

Ein klarer Zusammenhang zeigt sich bei der Analyse der Gästebewertungen (auf einer Skala von 1 bis 10) je Segment. Mit 8,8 wird das Luxus-Segment über alle Standorte hinweg am besten bewertet. Danach folgen das Mid- bis Upscale-Segment mit 8,1 und das Budget-Segment mit 7,4. Im Vergleich der Top-8-Hotelstandorte wird Dresden mit dem niedrigsten Preisniveau mit 8,5 mit Abstand am besten von Gästen bewertet (der Durchschnitt liegt bei 7,9).

Wirtschaftlichkeit von Hotels: Heidelberg vor Hamburg

EY Real Estate (früher Ernst & Young) hat insgesamt 21 Hotelstandorte in Deutschland miteinander verglichen. Dabei wurden die sechs größten Hotelmärkte München, Frankfurt am Main, Hamburg, Düsseldorf, Köln und Berlin hinsichtlich der wichtigsten Kennzahlen aus dem vergangenen Jahr beleuchtet. Unter den übrigen Standorten wurden sogenannte „Rising Stars“ identifiziert, also führende Märkte abseits der Metropolen. Das Ergebnis: Eine Reihe von mittelgroßen Städten weist ähnlich gute Kennzahlen auf wie die Topmärkte.

„Viele Standorte holen auf“, so Ursula Kriegl von EY Real Estate, Executive Director und zuständig für die Hotelberatung. So liege etwa der durchschnittliche Zimmerpreis in Heidelberg mittlerweile bei 126 Euro – und damit genauso hoch wie in Düsseldorf und höher als in Frankfurt am Main (124 Euro), Hamburg (115 Euro) oder auch Köln (113 Euro). Mit München kann Heidelberg allerdings nicht mithalten: Hier liegen die Zimmerpreise im Durchschnitt bei 134 Euro.

Die zweithöchsten Zimmerraten Deutschlands erreicht Heidelberg laut EY unter anderem deshalb, weil die Stadt eine beliebe Destination für ausländische Gäste ist. „Die Stadt hat überdurchschnittlich viele Besucher“, so Kriegl. Internationale Gäste machen nach Aussagen des Statistikamtes rund 40 Prozent der Nachfrage aus. Heidelberg erfreue sich zudem als Wissenschaftsstandort und im Medizintourismus großer Beliebtheit.

Rostock als aufsteigender Standort – Hotelketten suchen B-Standorte

Mit Blick auf die Zimmerauslastung ragt Rostock heraus: Die Quote liegt bei 74 Prozent und höher als in Köln (71 Prozent), Düsseldorf und Frankfurt am Main (je 70 Prozent), die ebenfalls eine solide Buchungslage verzeichnen. Zum Vergleich: München erreicht 76 Prozent, Berlin 77 Prozent und Hamburg 80 Prozent.

„Der Hotelbetrieb ist gerade für große Ketten auch abseits der Metropolen attraktiv geworden, vor allem im Budget- und Mittelklassesegment“, sagt Kriegl. Neben Heidelberg und Rostock seien auch Nürnberg und Essen als aufsteigende Standorte zu nennen.

Schlagworte zum Thema:  Hotelimmobilie, Berlin, Hotelmarkt

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