Die demografische Entwicklung und die Flexibilisierung der Arbeitswelt verlangen nach neuen Wohnformen. Dazu gehört die Assetklasse Micro Living. Die Rahmenbedingungen für Investments in den europäischen Ländern sind unterschiedlich. Sehr gut schneiden Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande ab. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Micro Living in Europa“ von Bulwiengesa und Union Investment, in der die Investment-Hotspots untersucht wurden.

Im Europa-Ranking der für Investoren attraktivsten Märkte landen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande auf den Top-Positionen: In den jeweiligen Hauptstädten und Metropolregionen dieser Städte haben Studierende und Young Professionals der Studie zufolge vielfach mit angespannten Wohnungsmärkten zu kämpfen. Untersucht wurden insgesamt neun Länder, darunter auch Großbritannien, Irland, Österreich, Polen und Spanien.

In diesen bereits etablierten Micro-Living-Märkten treffe eine hohe Aktivität privater Investoren auf eine niedrige private Versorgungsquote, sagt Henrik von Bothmer, Investment Manager bei Union Investment Real Estate. „In Deutschland liegt speziell im mittleren Preissegment, in dem deutlich zu wenig gebaut wird, erhebliches Potenzial“, so von Bothmer.

Die neun ausgewählten Länder verfügen nach Angaben von Bulwiengesa und Union Investment über insgesamt 50,7 Millionen Single-Haushalte, was rund 30 Prozent der Gesamtanzahl an Haushalten dieser Länder entspricht.

Studenten- und Businessapartments: Auch kleinere Märkte investmentfähig

Die Märkte für Studenten- und Businessapartments in den neun untersuchten Ländern befinden sich der Studie zufolge auf einer höheren Entwicklungsstufe als die jeweiligen Märkte für Serviced Apartments. Im Segment der Studenten- und Businessapartments bieten demnach nicht nur die etablierten Märkte in den großen europäischen Volkswirtschaften, sondern laut der Untersuchung auch die kleineren Märkte Österreichs, Spaniens und Irlands gute Rahmenbedingungen für punktuelle Investments und zur Portfoliobeimischung.

In dieser Gruppe sticht Österreich besonders hervor, das ein ähnliches Renditeniveau vorweist wie die vier führenden Länder, wobei sich die Aktivitäten der privatwirtschaftlichen Anbieter noch weitgehend auf Wien konzentrieren. "Vom Nachfragepotenzial, das die neuen Lebens- und Arbeitsstile mit sich bringen, dürften jedoch künftig auch Städte wie Salzburg oder Graz noch stärker profitieren", sagt Felix Embacher von Bulwiengesa. Eine ähnlich dynamische Entwicklung erwarten sich die Initiatoren der Studie für Irland und Schweden: Hier halten die Wohnungsmärkte oftmals noch keine schnellen Lösungen für Studenten bereit, da wegen der relativ hohen Eigentumsquoten in diesen Ländern die Mietwohnungsmärkte deutlich kleiner sind als in den Vergleichsländern.

Höchsten Nettoanfangsrenditen in Polen und Spanien

Durch deutlich gestiegene Transaktionsvolumina bei Studenten- und Businessapartments fallen in der Gruppe der kleinen Märkte vor allem Österreich, Spanien und Irland auf. So wurden der Marktanalyse zufolge in Österreich im Jahr 2017 mit 307 Millionen Euro 230 Prozent mehr umgesetzt als im Jahr 2016. Spanien verzeichnete nach Großbritannien und Deutschland mit rund 784 Millionen Euro das drittgrößte Transaktionsvolumen im vergangenen Jahr.

Die höchsten Nettoanfangsrenditen im europäischen Vergleich weisen der Studie zufolge derzeit Spanien und Polen aus. In diesen traditionell geprägten Ländern läuft die Entwicklung bezogen auf veränderte Formen des Zusammenlebens, das Wachstums von Ein-Personen-Haushalten sowie die rückläufigen Zahlen der jüngeren Bevölkerung anderen europäischen Märkten hinterher.

Nischenprodukt Serviced Apartments: Nachfragepotenzial hoch

Im Vergleich zu den Studenten- und Businessapartments ist im Segment Serviced Apartments die Investmentfähigkeit der kleinen Märkte den Studienautoren zufolge kritisch zu hinterfragen. Sie stellen selbst in den großen etablierten Märkten nach wie vor eher ein Nischenprodukt dar, dessen Transaktionsgeschehen vergleichsweise intransparent ist.

"Die Qualität des Angebotes und die Etablierung neuer Produkte und Marken werden das Marktgeschehen zunehmend professionalisieren", ist von Bothmer überzeugt. Die Etablierung von Serviced Apartments am Investmentmarkt sei "überall im Gange", wie die gestiegenen Transaktionsvolumina gegenüber früheren Jahren zeigten.

Deutschland und Großbritannien gehören der Studie zufolge mit rund 86 Prozent des gesamten registrierten Transaktionsvolumens zu den aktivsten Märkten. Insbesondere bei längeren, zeitlich begrenzten Aufenthalten sind Alternativen zum Hotelzimmer bei Young Professionals, Projektbeschäftigten und Pendlern willkommen.

"Das Nachfragepotenzial dieser Zielgruppen ist in vielen europäischen Städten als hoch zu bewerten", ergänzt Georg-Christian Rueb, Senior Portfolio Manager bei Union Investment. Die hohe Nachfrage sowie die Professionalisierung auf Anbieterseite seien gute Argumente für Investoren, das Segment kurz- bis mittelfristig stärker in den Blick zu nehmen.

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