Auf dem Münchner Immobilienmarkt ist der Flächenumsatz mit Baugrundstücken für den mehrgeschossigen Wohnungsbau im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 52 Prozent zurückgegangen, wie der Gutachterausschuss für Grundstückswerte mitteilt. Laut einer Umfrage des VdW Bayern sind die Zahlen zur Verfügbarkeit von bezahlbarem Bauland alarmierend. In Berlin hat inzwischen die neue Regierungskommission "Baulandaktivierung" ihre Arbeit aufgenommen.

Auf dem Markt der Baugrundstücke für den individuellen Wohnungsbau (Ein- bis Dreifamilienhäuser, Reihen- und Doppelhäuser und kleine Eigentumswohnanlagen) wiederum ist der Flächenumsatz den Münchner Gutachtern zufolge im ersten Halbjahr 2018 um zehn Prozent gestiegen.

Die Preise für individuelle Wohnbaugrundstücke (durchschnittliche und gute Wohnlagen) lagen im ersten Halbjahr 2018 im Durchschnitt rund 20 Prozent über den aktuellen Bodenrichtwerten zum Stichtag 31.12.2016. Noch schlimmer sieht es in Berlin aus: Hier hat sich Bauland zwischen 2015 und 2016 um bis zu 60 Prozent verteuert.

Bezahlbares Bauland ist in Bayern kaum noch verfügbar

Nur sechs Prozent der Mitgliedsunternehmen des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) halten Bauland für ausreichend verfügbar. Je 47 Prozent der befragten Wohnungsunternehmen geben an, keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu bezahlbarem Bauland zu haben.

"Unter dem knappen Gut Bauland leiden vor allem die sozial orientierten Wohnungsunternehmen." (Verbandsdirektor Hans Maier)

Grundstücke in Privatbesitz seien für preisgünstigen Wohnungsbau kaum erschwinglich. Jedes dritte Wohnungsunternehmen musste dem vdw Bayern zufolge bereits ein geplantes Bauvorhaben wegen des hohen Grundstückspreises einstellen. "Die Maßnahmen zur Aktivierung von Bauland müssen verstärkt werden", fordert Maier. Dazu sei Bereitstellung von kommunalen Grundstücken und der Zugang zu Grundstücken von Freistaat und Bund für den Mietwohnungsbau unabdingbar.

In der Diskussion sind auch Brachflächen: Das Land Bayern zeichnete schon vor mehr als zehn Jahren Orte im Umbruch aus, die nach Lösungen für innerstädtischen Lücken suchten.

Bundesregierung setzt Kommission "Baulandaktivierung" ein

"Ein entscheidendes Nadelöhr für mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland ist die Bereitstellung von passenden Bauflächen", sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, anlässlich der konstituierenden Sitzung der neuen Regierungskommission "Baulandaktivierung" in Berlin. Die Expertenkommission ist beim Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat angesiedelt. Den Vorsitz übernimmt der parlamentarische Staatssekretär Marco Wanderwitz.

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Die Expertenkommission will dabei auf die Empfehlungen der AG Aktive Liegenschaftspolitik des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen aufsetzen und aktuelle Entwicklungen aufgreifen.

GdW fordert aktive Bodenpolitik

Mit Blick auf die Kommunen fordert GdW-Chef Gedaschko vor allem eine aktive Bodenpolitik. Bauflächen sollten künftig nicht mehr nach dem Höchstpreisverfahren vergeben werden, sondern auf der Basis kommunaler Wohnraumkonzepte.

Außerdem könnten Wohnbaulandfonds als kommunale Sondervermögen eingerichtet werden, um Städten und Gemeinden zu ermöglichen, zielgenauer Wohnbauflächen zu kaufen, die sie nur an diejenigen weiterverkaufen, die auch für einkommensschwache Haushalte Wohnungen bauen.

"Der Bund sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen und einen Wohnbaulandfonds begründen", so Gedaschko.

Als schnell umsetzbare Alternative könnten etwa bundeseigene Liegenschaften verbilligt abgegeben werden, um eine Baulandentwicklung für mehr bezahlbaren Wohnungsbau in den Kommunen zu unterstützen. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht, besitzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in den sieben größten Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart mehr als 230 Hektar an unbebauten Flächen.

Zudem appellierte der GdW an die neue Kommission, auch die Baukosten, die Normen und das Bauordnungsrecht auf den Prüfstand zu stellen. Das im Koalitionsvertrag verankerte Planungs- und Baubeschleunigungsgesetz muss zügig kommen.

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Schlagworte zum Thema:  Gutachter, Gutachten, Grundstück