21.08.2012 | Investoren-Umfrage

Gesunkene Erwartungen an Europas Wirtschaft drücken Investmentklima-Index

Auch die Sorge vor einer neuen Kreditklemme ist weiterhin präsent
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Mehrheit der europäischen Immobilieninvestoren rechnet mit dem Fortbestehen der Eurozone. Die Schuldenkrise macht dem Investitionsklima aber weiter zu schaffen, wie die Investmentklima-Studie von Union Investment unter 172 Investmententscheidern im 2. Quartal 2012 zeigt.

Das Auseinanderfallen der Eurozone ist nur für zwölf Prozent der befragten Immobilieninvestoren aus Deutschland, England und Frankreich ein wahrscheinliches Szenario. Zur Neujustierung ihrer Anlagestrategie geben indes die weiter gesunkenen Erwartungen an die konjunkturelle Erholung in Europa ausreichend Anlass.

Der Anteil der Investoren, die von einer Rezession in ganz Europa ausgehen, beträgt in der aktuellen Umfrage 42 Prozent und liegt damit noch einmal um fünf Prozentpunkte über dem Umfragewert vom Dezember 2011. Infolge der Euro-Krise rechnen rund 90 Prozent mit steigenden Kapitalanforderungen seitens der finanzierenden Banken und mehr als 80 Prozent mit einer stärkeren Konzentration von Immobilieninvestitionen auf die stabilen Märkte im Norden Europas. 65 Prozent erwarten als Konsequenz aus der Schuldenkrise ein deutlich rückläufiges Neubauvolumen

Management von Vermietungsrisiken gewinnt an Bedeutung

„Auch die Sorge vor einer neuen Kreditklemme ist bei den Investoren weiterhin präsent, wenngleich sich hier eine leichte Entspannung abzeichnet", sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilien Research bei der Union Investment Real Estate GmbH, Hamburg. So stellt eine neue Kreditklemme heute für 62 Prozent der deutschen, britischen und französischen Immobilienprofis ein wahrscheinliches Szenario dar. Der im Dezember 2011 gemessene Wert lag bei 72 Prozent

Passend hierzu messen die Investoren - gefragt nach unterschiedlichen Risikoarten - Liquiditätsrisiken heute eine etwas geringere Bedeutung bei als noch vor sechs Monaten. Die höchste Relevanz für die Anlageentscheidung haben jetzt erstmals Vermietungsrisiken mit 83 Prozent der Nennungen (+ 2 Prozentpunkte), gefolgt von Mietausfallrisiken mit 72 Prozent (-2 Prozentpunkte).

Hohes Vertrauen in den deutschen Immobilienmarkt

Hoch im Kurs stehen im aktuellen Investorenranking neben Deutschland derzeit der kanadische Immobilienmarkt, Skandinavien, Polen und die USA. 56 Prozent der Investoren, und damit noch einmal sieben Prozentpunkte mehr als im vergangenen Halbjahr, zeigen sich in der Studie davon überzeugt, dass der deutsche Immobilienmarkt sogar gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen wird.

Einen ähnlich souveränen Umgang mit dem Stresstest der Schuldenkrise erwarten sich 40 Prozent der Investoren vom polnischen Gewerbeimmobilienmarkt  (Dezember 2011: 38 Prozent), 37 Prozent von Schweden (29 Prozent) und 31 Prozent von der Schweiz (25 Prozent). Als Risikomarkt Nummer 1 für die nächsten zwei bis drei Jahre stufen die befragten Investoren einhellig Spanien ein.

Investitionsklima-Index fällt in Frankreich auf Allzeittief

Die in den drei Befragungsregionen gemessenen nationalen Indizes liegen weiterhin deutlich unter der 70-Punkte-Schwelle, die ein freundliches Investitionsklima bedeutet. In Deutschland setzte der Index mit einem Verlust von einem Punkt seinen Abwärtstrend seit dem zweiten Quartal 2011 fort und erreicht nun mit 66,7 Punkten den zweitschlechtes Wert nach 2009 (66,1 Punkte).

In Frankreich rutschte der Index mit ebenfalls um einen Punkt auf 59,2 Punkte ab, was ein neues Allzeittief seit der ersten Erhebung im Jahr 2005 bedeutet. In Großbritannien machte der Index mit einem Plus von 0,9 Punkten nach zuletzt deutlichem Absturz nur geringfügig Boden gut und verharrt bei 63,8 Punkten.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienkredit, Eurokrise, Immobilieninvestition

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