Die Frankfurter Zeil ist nach 2012 und 2017 zum dritten Mal die beliebteste deutsche Einkaufsstraße. Bei der diesjährigen JLL-Passantenfrequenzzählung wurden 14.390 Besucher pro Stunde zwischen den zentralen Plätzen Hauptwache und Konstablerwache gezählt. Im Vorjahr waren es allerdings noch 14.875 Passanten. Damit ist der Vorsprung an der Tabellenspitze auf die zweitplatzierte Münchner Kaufingerstraße (14.155 Passanten) knapper geworden.

Im vergangenen Jahr hatte die Zeil mit 14.875 Passanten noch 555 Passanten vor der Münchner Kaufingerstraße (2017: 14.320) auf Platz eins gelegen, in diesem Jahr sind es nur noch 235 Besucher. 2015 war die Kaufingerstraße die meistbesuchte Einkaufsmeile mit 15.655 Passanten pro Stunde. Mit deutlichem Abstand und insgesamt 13.455 Passanten pro Stunde folgt auf dem dritten Platz 2018 mit der Neuhauser Straße eine weitere Münchner Lage.

Insgesamt ist die Zahl der gemessenen Passanten laut JLL in diesem Jahr leicht zurückgegangen – von 722.780 auf 718.880. Das liegt rund ein Prozent unter dem Fünf-Jahres-Schnitt von rund 724.000 Menschen. Hohe Frequenzen ziehen Investoren an.

Hohe Straße (Köln) und Königsstraße (Stuttgart) machen Plätze gut

München hatte bei der JLL-Passantenfrequenzzählung 2017 mit der Weinstraße noch eine dritte Lage in den Top Ten. Das war ein neuer Rekord. In diesem Jahr herrscht laut JLL wieder mehr Vielfalt und drei Mal Paarbildung unter den zehn beliebtesten Einkaufsstraßen.

Hinter dem Spitzentrio folgt die Kölner Schildergasse mit 13.040 Passanten auf Rang vier – auch hier verzeichnet JLL einen leichten Rückgang (2017: 13.505). Die Kölner Schildergasse war 2016 (16.835 Passanten) die meistbesuchte deutsche Einkaufsstraße. Auf dem fünften Platz reiht sich die Georgstraße in Hannover (10.985) ein, vor dem Dortmunder Westenhellweg (10.180) auf Platz sechs (Rang neun im Vorjahr). Die Düsseldorfer Flinger Straße rutscht mit 9.670 Passanten von Platz drei im vergangenen Jahr auf Rang sieben.

Mit 9.435 Passanten (plus 1.655 Passanten) reiht sich mit der Hohen Straße die zweite Kölner Toplage auf Rang acht ein, vor der Stuttgarter Königstraße mit 9.145 Besuchern pro Stunde (plus 1.690 Passanten) und der Düsseldorfer Schadowstraße auf Platz zehn mit 9.130 Besuchern (plus 665). Diese drei Straßen hatten JLL zufolge im vergangenen Jahr einen nicht unerheblichen Frequenzrückgang zu verzeichnen.

Alexanderplatz in Berlin springt von Platz 56 auf 19

Die größten Sprünge im Mittelfeld machten die Bremer Oberstraße (8.110) von Platz 27 im Vorjahr auf nun 14, der Berliner Alexanderplatz (7.145) von 56 auf 19 sowie Essens Limbecker Straße (6.970) von Rang 47 auf 21.

Abwärts ging es für die Sögestraße in Bremen: Hier hat JLL nur noch 5.020 Besucher pro Stunde gezählt, nach 8.415 Passanten im Vorjahr. Das bedeutet für die Zählung 2018 Rang 53 nach Platz elf im Jahr 2017.

Innenstädte nicht gefährdet: Kauferlebnis im Fokus

"Die Gesamtzahlen bewegen sich absolut im Rahmen jährlicher Schwankungen, was belegt, dass das lange prognostizierte Aussterben der Innenstädte zumindest in den Groß- und Mittelstädten ausbleibt", sagt Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany.

Das liege unter anderem daran, dass viele Händler die Zeichen der Zeit erkannt hätten: So bieten laut JLL etwa Omni-Channel-Strategien die Option, auf kleinerer Fläche exklusiver und am Kauferlebnis orientiert anzubieten. Wie die JLL-Verfügbarkeitsquote für den Einzelhandel zeigt, schafft das neue Freiräume für kleinere und innovative Konzepte, die lange unter der Dominanz der Filialisten litten. "Diese neue Vielfalt macht die Einkaufsstraßen wieder bunter und attraktiver, was von den Menschen gerne angenommen wird", so Wichner. Allerdings stünden Einzelhandel und Gastronomie mittlerweile in einem Konkurrenzverhältnis.

Ranking nach Einwohnerzahlen: Wiesbaden, Trier und Bamberg spitze

In der Kategorie 250.000 bis 500.000 Einwohner ist 2018 die Wiesbadener Kirchgasse (7.040) die bestbesuchte Einkaufsmeile und kommt bundesweit auf Platz 20. Es folgen die Bielefelder Bahnhofstraße mit 6.870 Passanten (bundesweit Rang 25) sowie die Münsteraner Ludgeristraße (6.745; Rang 26). Die Annastraße in Augsburg (6.565; Rang 27) und die Kaiserstraße in Karlsruhe (6.560; Rang 28) vervollständigen die fünf Top-Lagen dieser Kategorie.

Bei den mittelgroßen Städten mit 100.000 bis 250.000 Einwohnern ist die Simeonstraße in Trier (6.960; Rang 22) auf dem Spitzenplatz. Auf den Rängen zwei und drei folgen die Obere Königstraße in Kassel (6.400; Rang 30) und die Aachener Adalbertstraße mit 6.295 Passanten auf Rang 32. Zu den Top 5 in dieser Einwohnerkategorie gehören zudem die Freiburger Kaiser-Joseph-Straße (6.160; Rang 35) und die Weender Straße in Göttingen (5.910; Rang 37).

In der Kategorie unter 100.000 Einwohnern ist laut JLL der Grüne Markt in Bamberg am besten besucht (5.155; Rang 52) auf. Dahinter folgt der Gießener Seltersweg (4.470; Rang 63). Platz drei geht an die Aschaffenburger Herstallstraße (3.505; Rang 86). Die Fackelstraße in Kaiserslautern (3.425; Rang 88) und die Ludwigstraße/Theresienstraße in Passau (3.375; Rang 93) machen die Top 5 der Kategorie komplett.

Luxusmeilen: Stiftstraße (Stuttgart) verdrängt Königsallee (Düsseldorf)

Bei den deutschen Luxusmeilen hat die Stuttgarter Stiftstraße deutlich zugelegt und der Düsseldorfer Königsallee erstmals den Rang abgelaufen. Der Grund für den Zuwachs auf 6.330 Passanten (doppelt so viel wie der Fünf-Jahres-Schnitt von 3.143) ist JLL zufolge: Die Stiftstraße als Verbindung zwischen Königstraße und dem neuen Dorotheenquartier wird vor allem von kaufkräftiger Kundschaft genutzt. Das hat die Passantenströme in Stuttgart verändert. Bundesweit kommt die Stiftstraße auf den 31. Platz. Die Königsallee (4.855) reiht sich auf dem zweiten Platz ein.

Dahinter folgen Münchens Maximilianstraße (2.690), die Frankfurter Goethestraße (1.815) und Der Neue Wall in Hamburg mit 1.685 Passanten.

Hochfrequenzlagen je Stadt: München baut Phalanx auf sechs Straßen aus

Die höchste Dichte an Hochfrequenzlagen weist laut JLL München vor mit jeweils mehr als 5.000 Passanten pro Stunde: In der Reihenfolge der Frequenzstärke sind das die Lagen Kaufingerstraße, Neuhauser Straße, Weinstraße, Tal, Sendlinger Straße und in diesem Jahr erstmals auch die Residenzstraße.

Dahinter hat sich die Innenstadt in Hannover etabliert: Hier sind die Georgstraße, die Bahnhofstraße, die Karmarschstraße und die Große Packhofstraße Magnet für Tausende Passanten. In Berlin erreichen nur die Lagen Tauentzienstraße, Alexanderplatz und Kurfürstendamm dieses Niveau, während die Friedrichstraße 2018 leicht unter den 5.000-Passanten-Grenzwert gefallen ist. Allerdings liegen die Berliner Konsumlagen über das gesamte Gebiet der Millionenstadt verstreut: Synergieeffekte wie in München und Hannover sind hier laut JLL nicht möglich.

Fußgängerzonen deutlich höhere Frequenz als Fahrstraßen

Bei den Bundesländern gibt Nordrhein-Westfalen (NRW) die Richtung vor: Insgesamt zwölf Einkaufsstraßen erzielen dort mit ihrer jeweiligen Spitzenlage Frequenzen oberhalb von 5.000 Passanten pro Stunde. Insgesamt wurden in NRW 196.065 Passanten je Stunde gezählt.

Wie sich die Zahl der Passanten in Fußgängerzonen von denen in Fahrstraßen unterscheidet, hat JLL ebenfalls ermittelt. Beobachtet wurden 132 Fußgängerzonen sowie 38 Fahrstraßen. Dabei weisen die Fußgängerzonen eine deutlich höhere Frequenz auf mit im Durchschnitt knapp 4.350 Passanten je Stunde. In den Fahrstraßen sind es im Schnitt 3.360 Passanten.

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