Die Situation am Frankfurter Immobilienmarkt könnte sich mit dem Brexit drastisch verändern Bild: Corbis

Der Frankfurter Büromarkt dürfte zuerst vom Brexit profitieren: Bei Firmen werde zunehmend geprüft, "wo in Deutschland genug passende Büroflächen frei sind", so Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Da die Lage in der Stadt ohnehin angespannt sei, könne das die Preise weiter treiben. Davon gehen auch BNP Paribas Real Estate und CBRE aus, während der IVD kaum Änderungen erwartet.

Nachgelagert, etwa ab dem zweiten Halbjahr 2017, werde auch die Nachfrage nach Wohnungen steigen, ist sich Voigtländer sicher. Auch die Researcher der Deutschen Bank gehen davon aus: Frankfurt wird Abwanderer (Expats) aus London anziehen, was sich sowohl auf den Büro- als auch auf den Wohnungsmarkt auswirken werde. Das sich Situation in der Stadt durch Zuzüge aus London vermutlich weiter verschärfen wird, glaubt auch der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef.

Der Lobbyverein "Frankfurt Main Finance" rechnet mit 10.000 neuen Arbeitsplätzen in der Mainmetropole innerhalb der kommenden fünf Jahre. Nach der Ankündigung Großbritanniens, eine klare Trennung von der EU anzustreben, haben Banken wie etwa Goldman Sachs bereits angekündigt, Tausende Arbeitsplätze von London auf den Kontinent zu verlagern. Dabei konkurriere Frankfurt mit anderen europäischen Finanzplätzen wie Dublin, Paris und Luxemburg.

Mit einer höheren Nachfrage nach Büros rechnet auch der Immobilienspezialist BNP Paribas Real Estate. "Wir gehen davon aus, dass die Folgen nach dem Austrittsantrag der Briten bis März spürbar werden", sagte José Martinez, Niederlassungsleiter in Frankfurt.

Höhere Spitzenmieten für Gewerbeflächen in der Stadt erwartet außerdem der Immobiliendienstleister CBRE. Mit Beginn der Verhandlungen könnte die Nachfrage nach erstklassigen Objekten bei begrenztem Angebot weiter steigen, sagt CBRE-Experte Jan Linsin.

Zurückhaltender ist der Immobilienverband IVD. Man erwarte derzeit nicht, "dass sich der Brexit auf die deutschen Immobilienmärkte maßgeblich auswirken wird", sagte Präsident Jürgen Michael Schick.

Schlagworte zum Thema:  Brexit, Büroimmobilie, Wohnimmobilien, Nachfrage

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