07.04.2016 | Roland Berger/HBV

Studie: Flüchtlingszustrom beflügelt Bauindustrie

Wachstum in der Bauwirtschaft wird durch zunehmenden Bedarf an Wohnraum für Flüchtlinge angekurbelt.
Bild: Corbis

Aktuelle Entwicklungen wie der Flüchtlingszustrom und Trends wie die Digitalisierung der Branche lassen die deutsche Bauwirtschaft weiter wachsen, schaffen aber auch Hürden. Das ist ein Ergebnis der neuen Studie "Bauwirtschaft im Wandel – Trends und Potenziale bis 2020" von Roland Berger und der Hypovereinsbank (HVB). Der Studie zufolge wird die deutsche Bauwirtschaft bis 2020 im Schnitt um 1,5 Prozent jährlich wachsen.

Zwischen 2010 und 2015 lag das durchschnittliche jährliche Wachstum bei 1,3 Prozent. "Damit hat der deutsche Baumarkt seit 2010 nach Polen, Großbritannien, Schweden und Belgien die fünfthöchste Wachstumsrate in der EU", so Kai Stefan Schober, Partner von Roland Berger.

Schwach entwickelt haben sich Portugal, Spanien, Italien und Frankreich. Beim Bauvolumen liegt Deutschland mit 294 Milliarden Euro auf Platz eins – vor England und Frankreich.

Prognose: Weiterhin positive Entwicklung

"Die Wohnungsknappheit in Ballungsräumen und das günstige Zinsumfeld werden in der Bauwirtschaft weiterhin für gute Wachstumsperspektiven sorgen", sagt Lutz Diederichs, Vorstand der Hypovereinsbank. Dieser Trend werde durch den zunehmenden Bedarf an Wohnraum für Flüchtlinge weiter angekurbelt.

Allerdings müsse die Branche noch einige Hürden nehmen, warnt Schober: "Die Bauindustrie muss jetzt mit neuen Trends wie der Digitalisierung, erhöhten Energieeffizienzstandards und dem demografischen Wandel umgehen. Nur wenn es Baufirmen gelingt, die wesentlichen Trends frühzeitig für sich zu nutzen, lässt sich der Wachstumspfad fortsetzen."

Digitalisierung verbessert Produktivität

Die Bauwirtschaft kämpft nach wie vor mit einer unterdurchschnittlichen Produktivitätsentwicklung. Zwischen 2000 und 2011 verbesserte sich die Produktivität der Bauindustrie nur um 4,1 Prozent – die gesamte deutsche Wirtschaft lag im gleichen Zeitraum bei 11 Prozent.

Digitale Planungsmethoden wie Building Information Modeling (BIM) gibt es bereits, aber viele Unternehmen nutzen diese Möglichkeiten noch nicht oder nur unzureichend. Mittelfristig setzen sie so ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel.

Strategien für neue Wachstumschancen

Innovative Technologien bieten der Baubranche die Möglichkeit, effizienter zu werden, und eröffnen neue Geschäftsfelder und Wachstumsmöglichkeiten. Intelligente Technologien etwa für Gebäudetechnik (Smart Homes), 3D-Drucker und Bauroboter werden künftig an Bedeutung gewinnen. Dies gilt ebenso für GreenTech-Produkte zur Verbesserung der Nachhaltigkeit.

Demografischer Wandel beeinflusst Branche nachhaltig

Auch der demografische Wandel beeinflusst die Branche nachhaltig: Vor allem spezialisierte Bauunternehmen sehen sich heute mit einem zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert.

Gleichzeitig erschließt sich aber auch Wachstumspotenzial durch die steigende Nachfrage nach altersgerechten Sanierungen oder Neubauten. Je nach Größe und Geschäftsmodell ergeben sich für Unternehmen also verschiedene Strategien: Diese reichen vom Ausbau des Produktportfolios über die Fokussierung auf Wachstumssegmente bis hin zur Expansion in Deutschland oder international.

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Schlagworte zum Thema:  Flüchtlinge, Bauwirtschaft

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