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Illegale Ferienwohnungen: Metropolen wird immer mehr Wohnraum entzogen

Thomas Zabel
Bild: Zabel Property AG

Obwohl Wohnraum in den Metropolen knapp ist und zunehmend knapper wird, werden dem Markt in vielen großen Städten Wohnungen durch illegale Ferienwohnungen entzogen. Denn eine steigende Zahl von Städtetouristen wohnt lieber in einer Ferienwohnung als in einem Hotel. Ein Beispiel dafür ist Berlin. Ein Kommentar von Thomas Zabel, Vorstand der Zabel Property AG.

Auf Internetportalen werden mehr als 23.000 Ferienwohnungen in der Hauptstadt angeboten, viele davon sind illegal. Zwar hat der Berliner Senat bereits im Mai 2014 ein Zweckentfremdungsverbot erlassen, dieses wirkt jedoch kaum.

So ist die Zahl der auf dem führenden Internetportal Airbnb angebotenen Wohnungen seit dem Verbot nicht etwa gesunken, sondern um mehr als 50 Prozent auf über 17.500 Wohnungen gestiegen.

Ämter überfordert mit illegalen Vermietern von Ferienwohnungen

Die Ämter sind offenbar überfordert. Nach deren Aussagen seien sie wegen unzureichender Ausstattung mit Personal und Technik darauf angewiesen, dass sich Eigentümer selbst beim Amt meldeten und Bestandsschutz für ihre Ferienwohnung beantragen, oder dass Anwohner auf eine Zweckentfremdung hinweisen. Schon über die Zahl der Ferienwohnungen ist sich die Politik offenbar im Unklaren, sie hat sie um etwa 50 Prozent unterschätzt. Nach dem Gesetzentwurf zur Baurechtsnovelle in der Fassung vom 30. November sollen Ferienwohnungen nun auch in Wohngebieten gebaut werden dürfen.

Illegale Vermieter von Ferienwohnungen hinterziehen Steuern und verstoßen nicht nur gegen das Zweckentfremdungsverbot. Sie wissen oft nicht, dass es auch baurechtlich relevant ist, ob es sich um eine Wohnnutzung handelt oder um eine Beherbergung. Nach dem Gewerberecht sind bei der Beherbergung sehr viel strengere baurechtliche Vorgaben einzuhalten. Eine Nutzungsänderung von der Vermietung zur Beherbergung ohne Baugenehmigung ist nicht erlaubt.

Ferienwohnungen sind eine beliebte Kapitalanlage

Einerseits muss der Missbrauch stärker bekämpft werden und in der Tat ist der Berliner Senat hier bereits aktiv, indem er schärfere rechtliche Restriktionen vorbereitet. Andererseits besteht offenbar weiterhin eine starke Marktnachfrage – gerade in der Hauptstadt, aber auch in anderen Metropolen – nach Ferienwohnungen. Auch in Städten, in denen ausreichend Hotelplätze zur Verfügung stehen, wohnen viele Touristen offenbar lieber in einer Wohnung mit individuellem Flair. Projektentwickler sollten auf die hohe Nachfrage nach Ferienwohnungen reagieren und stärker auf diese Nutzungsart setzen. Gerade in den Metropolen besteht mit Sicherheit ein großes Interesse von Kapitalanlegern, Ferienwohnungen zu erwerben.

Schon heute sind Ferienwohnungen eine beliebte Kapitalanlage, aber meist sind diese in touristischen Regionen an der Ostsee oder gar im Ausland gelegen. Die – legale – Ferienwohnung in einer Metropole ist, wie die trotz gesetzlicher Restriktionen ständig steigende Zahl zweckentfremdeter Mietwohnungen zeigt, eine sehr attraktive Assetklasse. Angesichts zunehmender Regulierung durch die Mietpreisbremse dürfte sich das Interesse der Investoren sogar noch verstärken, denn Ferienwohnungen sind ausdrücklich von den Bestimmungen ausgenommen. Zwar ist der Vermietungsaufwand deutlich höher, dafür können jedoch auch sehr viel höhere Renditen erzielt werden.

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Schlagworte zum Thema:  Berlin, Wohnraum, Ferienwohnung

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