Die Wachstumsdynamik am deutschen Wohnimmobilienmarkt hat sich nach Beobachtungen des Analysehauses F+B seit Anfang 2018 deutlich abgeschwächt. Der F+B-Wohnindex ist im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal nur noch um 0,9 Prozent gestiegen (im Vergleich zum Vorjahr beträgt das Plus 5,5 Prozent) und liegt aktuell bei 138,2 Punkten. Gestiegen sind nur noch die Kaufpreise, während vor allem die Neuvertragsmieten stagnierten.

Bei den Bestandsmieten gab es verglichen mit früheren Quartalen nur noch einen kleinen Anstieg um 0,3 Prozent. Die Kaufpreise sind im dritten Quartal 2018 laut F+B am stärksten für Eigentumswohnungen gestiegen mit einem Plus von 1,5 Prozent, vor den Ein- und Zweifamilienhäusern mit einem Anstieg von 1,3 Prozent. Im Vergleich zum dritten Quartal 2017 übertrafen die Einfamilienhäuser mit 7,8 Prozent den Durchschnittswert des F+B-Wohnindex von 5,5 Prozent, während im Jahresvergleich die Eigentumswohnungen mit 5,2 Prozent leicht darunter lagen.

Egalisierung von Verdichtungsräumen und Abwanderungsregionen

Meldungen über eine mögliche Zinswende im Euroraum im Laufe des zweiten Halbjahres 2019 sowie eine kräftige Nachfrage nach dem Baukindergeld erzeugen laut F+B einen ungebrochenen Drang ins Wohneigentum zur Selbstnutzung.

"Ausweichbewegungen in die Verdichtungsräume lassen in Folge auch dort die Preise zum Teil erheblich steigen", sagt F+B-Geschäftsführer Dr. Bernd Leutner.


Die Seitwärtsbewegung der Bestandsmieten könnte laut F+B als wohnungspolitisch "hochwillkommene Marktentwicklung" angesehen werden. Der Preisanstieg der Neuvertragsmieten konnte im Vergleich zum Vorquartal mit Null Prozent nicht gemessen werden und lag sogar noch unterhalb der Wachstumsrate von 0,3 Prozent für Bestandsmieten. Damit egalisierten sich F+B zufolge von hoher Preisdynamik gekennzeichnete Räume sowie von Stagnation oder Einwohnerrückgängen betroffene Regionen. Bereits im ersten Quartal 2018 beobachtete F+B ein deutliches Ausweichen ins Umland.

Auch die Preise für einzelne Mehrfamilienhäuser stagnierten im bundesweiten Durchschnitt laut F+B im Vergleich zum Vorquartal mit 0,5 Prozent. Im Jahresvergleich stiegen die Preise
für diese Anlageobjekte um 1,6 Prozent. Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern verteuerten sich mit 2,3 Prozent und Bestandsmieten mit 1,3 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2017 deutlich unterhalb des Anstiegs des Gesamt-Index von 5,5 Prozent.

Preisentwicklung im Langfristvergleich

Bei Einfamilienhäusern stieg der F+B-Index im langfristigen Vergleich des dritten Quartals 2018 mit dem dritten Quartal 2013 (Fünf-Jahresvergleich) um 31 Prozent, bei den Mehrfamilienhäusern nur um 6,8 Prozent. Im Zehn-Jahresvergleich übertreffen ebenfalls die
Einfamilienhäuser mit 47,8 Prozent die Mehrfamilienhäuser deutlich mit 14,9 Prozent. Eigentumswohnungen verteuerten sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre im bundesweiten Durchschnitt um 33,5 Prozent und in den vergangenen zehn Jahren (im Vergleich jeweils der dritten Quartale) sogar um 68,5 Prozent.

Die Neuvertragsmieten veränderten sich in den letzten fünf Jahren um 10,4 Prozent und in den vergangenen zehn Jahren um 21,3 Prozent. Bestandsmieten entwickelten sich etwas moderater um 5,2 Prozent Fünf-Jahresvergleich beziehungsweise 8,5 Prozent im Zehn-Jahresvergleich.

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