F+B-Wohn-Index: Mietpreisentwicklung schwächt sich ab

Das Mietenwachstum in Deutschland schwächt sich teilweise ab: In 18 der 50 teuersten Städte sind die Mieten bei der Neuvermietung im zweiten Quartal 2020 gesunken. Die Bestandsmieten wuchsen stärker als die Neuvertragsmieten. Das geht aus dem F+B-Wohn-Index hervor.

Im Vergleich zum zweiten Vorjahrjahresquartal lag die Wachstumsrate der Angebotsmieten mit 1,0 Prozent zwar etwas höher, hat sich im Laufe der letzten drei Monate aber wieder abgeschwächt, so das Beratungsunternehmen F+B. Im Bundesdurchschnitt sei der Mietenanstieg somit überschaubar. F+B glaubt, dass sich ab Mitte März auch die Folgen der Corona-Maßnahmen ausgewirkt haben, die zunächst zu einem Rückgang von Angeboten und Mieten geführt haben, ohne dass F+B bei der Analyse nennenswerte Preisreduktionen beobachtet hat.

„Wir sehen in den Nachfrage-Hochburgen aber auch einen Effekt der in den Bundesländern mittlerweile geschärften Regelungen der Mietpreis-Bremse.“ Dr. Bernd Leutner, F+B-Geschäftsführer

Die Bestandsmieten verteuerten sich in Q2/2020 bundesweit mit 0,3 Prozent ganz leicht im Vergleich zum ersten Quartal. Zum Vorjahresquartal verzeichnete F+B einen Anstieg von 1,3 Prozent, so dass – wie schon im letzten Quartalsbericht – die Bestandsmieten in der Jahressicht um 0,3 Prozentpunkte oberhalb der Angebotsmieten gewachsen sind.

F+B-Wohn-Index steigt um 1,7 Prozent

Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 1,7 Prozent und im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,1 Prozent. Die mit dem Index gemessene Wachstumsdynamik hat sich also im Verlauf des zweiten Quartals 2020 in der Gesamtschau des deutschen Wohnimmobilienmarktes abgeschwächt, wobei vor allem die Preise für Einfamilienhäuser die größten Wachstumsbeiträge lieferten, erklärt F+B-Geschäftsführer Dr. Bernd Leutner.

Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser (EFH) und für Eigentumswohnungen (ETW) sind mit einem Abstand von 2,5 und 0,9 Prozentpunkten allein im zweiten Quartal 2020 zwar immer noch stärker als die Neuvertragsmieten gewachsen, allerdings verringerten sich die Abstände im Vergleich zum ersten Quartal. F+B beobachtete infolgedessen ein in der Bundesperspektive leichtes Abschwächen der Preisdynamik im Eigentumssegment gegenüber den Neuvertragsmieten.

Eigentumswohnungen verteuerten sich mit einem Preisanstieg von 1,3 Prozent allein gegenüber dem Vorquartal Q1/2020. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern stiegen die Preise um 2,9 Prozent. Auch im Vergleich zum Vorjahresquartal Q2/2019 liegen die Eigentumswohnungen mit 5,9 Prozent nunmehr deutlich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 9,0 Prozent.

„Damit dominieren erstmalig nach vielen Jahren Eigenheime die Gesamtperformance des Wohn-Index allein. Angesichts historisch einmalig niedriger Kreditzinsen erscheint es für viele Nachfrager wirtschaftlicher zu sein, anstatt zu mieten, in selbst genutzte Eigentumsobjekte zu investieren.“ Dr. Bernd Leutner, F+B-Geschäftsführer

Die Entwicklung im Langfristvergleich

Preis- und Mietenentwicklung 2004-I bis 2020-II Einzelindizes der Objektarten

F+B Preis- und Mietenentwicklung 2004-2020 Einzelindizes der Objektarten

Der Index der Nutzungsart Einfamilienhäuser stieg laut F+B im Vergleich von Q2/2020 zu Q2/2015, also in den letzten fünf Jahren, um 38,0 Prozent. Im Zehn-Jahresvergleich wurden 61,7 Prozent gemessen. Eigentumswohnungen verteuerten sich innerhalb der letzten fünf Jahre im bundesweiten Mittel um 34,7 Prozent und in den vergangenen zehn Jahren sogar um 76,1 Prozent. Die Neuvertragsmieten veränderten sich in den letzten fünf Jahren um 9,5 Prozent und in den vergangenen 10 Jahren um 19,0 Prozent. Die Bestandsmieten entwickelten sich etwas moderater um 6,2 Prozent und 10,4 Prozent. (Q2/2020 zu Q2/2010).

Corona-Shutdown: Weniger inserierte Wohnungen bei schwankenden Mieten und Preisen

In einer gesonderten "Corona"-Auswertung des Zeitraums 2. März bis 19. April hatten die F+B-Forscher ab dem 16. März – also dem Zeitpunkt des Shutdowns wegen der Corona-Pandemie – einen Rückgang der Zahl neu inserierter Mietwohnungen bundesweit um bis zu 38 Prozent beobachtet. Zuletzt habe sich das Minus aber auf 15 Prozent reduziert, so die Immobilienspezialisten.

In den sieben größten deutschen Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart schrumpfte die Zahl der Anzeigen um bis zu 40 Prozent – zuletzt betrug das Minus noch rund elf Prozent. Das Angebot an Eigentumswohnungen sank vor allem in den Top-7-Städten. Bei den Mieten ermittelte F+B in diesem Zeitraum in den Top 7 Veränderungen von minus 1,4 bis minus drei Prozentpunkte – bundesweit zwischen minus 0,2 und plus 2,2 Prozentpunkten.


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