F+B-Wohn-Index: Dynamik bei Mieten und Kaufpreisen lässt nach

Die Zeit der exorbitanten Mietsteigerungen ist vorbei, heißt es im aktuellen F+B-Wohn-Index. Die Neuvertragsmieten sind im dritten Quartal 2020 in 28 der 50 teuersten deutschen Städte gesunken und tendieren Richtung Nulllinie. Auch beim Wohneigentum lässt die Dynamik nach – trotz Nachfrageschub.

Die Neuvertragsmieten in Deutschland sind zwischen Juli und August 2020 im Vergleich zum zweiten Quartal erneut um 0,9 Prozent gesunken. Im Vergleich mit dem dritten Quartal 2019 stagnieren sie bereits (plus 0,1 Prozent), wie eine Analyse des Hamburger Forschungsinstituts F+B zeigt. Die Bestandsmieten sind laut dem F+B-Wohn-Index gemessen am Vorjahreszeitraum noch einmal leicht um 1,4 Prozent geklettert. Doch "die Zeit exorbitanter Mietsteigerungen ist vorbei", meint F+B-Geschäftsführer Dr. Bernd Leutner.

Bei Betrachtung der Top-50-Standorte sind im Vergleich zum Vorquartal in 28 der 50 teuersten Städte die Mieten bei Neuvermietung gesunken – im zweiten Quartal betraf das nur 18 Städte, im dritten Quartal 2019 gab es reale Mietpreisrückgänge in zehn der teuersten 50 Städte. Laut F+B hätten die Corona-bedingten wirtschaftlichen Folgen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 zu noch stärkeren Rückgängen bei den Mieten geführt, wenn es die staatlichen Hilfen nicht gegeben hätte, erklärt Leutner. Vor diesem Hintergrund erwartet F+B für das vierte Quartal 2020 bei den Angebotsmieten noch eine weitere Seitwärtsbewegung.

Die Top-7-Städte: aus Vermietersicht stabil

Die Bestandsmieten haben im dritten Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal bundesweit um 0,4 Prozent zugelegt – gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnet F+B noch einen Anstieg von 1,4 Prozent. Damit sind die Bestandsmieten stärker gewachsen als die Neuvertragsmieten.

In den sieben größten deutschen Städten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart) zeigt sich der Mietmarkt nach wie vor "überraschend robust und aus Vermietersicht stabil", heißt es im aktuellen Bericht. Das liege daran, dass die Nachfrage von Selbstnutzern und Kapitalanlegern weiterhin sehr groß sei – das sorge für stark wachsende Preise und etwas höhere Mietanstiege als im bundesweiten Durchschnitt, beobachtet F+B.

Bei den Neuvermietungspreisen steht München mit Marktmieten von durchschnittlich 16 Euro pro Quadratmeter für eine zehn Jahre alte, 75 Quadratmeter große Standard-Wohnung unverändert an erster Stelle in Deutschland, jedoch mit 30 Cent weniger als im Vorquartal.

Im Durchschnitt der Preis- und der Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Kommunen stieg der F+B-Wohn-Index im dritten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent und im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent. Die Wachstumsdynamik aller Einzelindizes werde sich in den nächsten Quartalen um die Nulllinie herum einpendeln, erklärt Leutner.

Nur Ein- und Zweifamilienhäuser haben sich in der Corona-Krise deutlich verteuert

Erheblich verteuert haben sich laut F+B in der Corona-Krise nur noch Ein- und Zweifamilienhäuser. Deren Preise stiegen im dritten Quartal 2020 gegenüber dem dritten Quartal 2019 im bundesweiten Durchschnitt um 8,6 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal stiegen sie um 0,5 Prozent.

Etwas weniger beliebt, aber immer noch mit erheblichem Preisanstieg präsentierten sich Eigentumswohnungen mit einem Preisplus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal im Vorjahr und einem Anstieg von 0,6 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2020. "Wir sind der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub bei gleichzeitig beschränktem Angebot erzeugt hat", so Leutner.

Eigentumswohnungen: Preissprünge vor allem in Baden-Württemberg und Bayern

Konstanz (8,4 Prozent), Friedrichshafen (acht Prozent), Unterschleißheim beziehungsweise Frankfurt am Main (7,1 Prozent), Heidelberg (6,7 Prozent), Ulm (6,6 Prozent) und Freiburg im Breisgau (5,4 Prozent) machten im Jahresvergleich der jeweils dritten Quartale 2020 und 2019 mit Steigerungsraten bei den Eigentumswohnungen laut F+B die größten Preissprünge unter den teuersten 50 Städten.

Im Vergleich zum Vorquartal stiegen die standardisierten Preise am stärksten in Erding (7,3 Prozent), Lindau (6,4 Prozent), Landshut (6,1 Prozent) und in Germering (mit einem Plus von 5,5 Prozent). München belegt zwar bei den Kaufpreisen für Eigentumswohnungen unangefochten den ersten Rang, allerdings mit einer weiter stagnierenden Preisdynamik von jetzt plus 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Insgesamt wiesen im Vergleich zum Vorquartal von den 50 teuersten Städten im dritten Quartal 15 eine negative Preisentwicklung auf. Im Jahresvergleich traf das auf zehn von 50 Städten zu. "Es zeigt sich insgesamt im Durchschnitt auch hier wie auf Bundesebene eine abnehmende Preisdynamik", so Leutner.


Das könnte Sie auch interessieren:

Mieten steigen so langsam wie seit Jahren nicht

Umwandlungsbremse im BauGB-Entwurf sorgt für Zähneknirschen

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Miete, Eigentumswohnung