03.03.2016 | EY

Gewerbemarkt: Immobilienfinanzierer erwarten steigende Zinsen

Immobilienfinanzierung: Nur bei Wohnimmobilien zeigt sich derzeit Standorttoleranz.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Markt für gewerbliche Immobilienfinanzierungen in Deutschland steht vor einer Trendwende. Das zeigt eine Studie von EY Real Estate (früher Ernst & Young Real Estate). Ein Großteil der rund 150 befragten Entscheidungsträger erwartet für 2016 steigende Zinsen um bis zu 50 Basispunkte. Beflügelt wird der Markt, der weiterhin von Banken dominiert wird, der Studie zufolge unter anderem durch die Zuwanderung.

Untersucht wurden die vier Segmente Private Equity und Private Debt (Darlehen im klassischen Sinne sowie Mezzanine-Kapital) sowie Public Equity (Aktien) und Public Debt (Anleihen).

Außerdem erwartet der Markt höhere Beleihungsausläufe durch den verstärkten Einsatz alternativer Finanzierungsinstrumente. Infolgedessen könnte sich das alternative Immobilienkapital verteuern. Das gilt der Studie zufolge vor allem für Mezzanine-Finanzierungen: Rund 30 Prozent der Studienteilnehmer erwarten hier steigende Renditeanforderungen der Kapitalgeber.

Gegenwärtig liegen sie im Schnitt bei 9,5 Prozent. Bei Private Equity liegen die Renditeanforderungen aktuell bei 15,5 Prozent, bei immobilienbezogenen Anleihen beziehungsweise Aktien sehen die Studienteilnehmer Renditen von acht  beziehungsweise 4,5 Prozent. Die klassischen Senior/Junior-Loans kommen der Studie zufolge auf eine mittlere Rendite von nur 2,3 Prozent.

Zuwanderung beschleunigt Finanzierung

Zusätzlich wird damit gerechnet, dass die Zuwanderung durch Flüchtlinge einen positiven Akzelerator für den deutschen Markt der gewerblichen Immobilienfinanzierung darstellt. Ein Beispiel sei das Wohnimmobiliensegment, hier ist die Zuwanderung gegenwärtig eine Art Beschleuniger für die Finanzierung. Implizit gilt das auch für weitere Nutzungsarten. Rund 36 Prozent der Studienteilnehmer bestätigen das.

Höchste Standorttoleranz: Wohnimmobilien

Unter den Nutzungsarten verfügen insbesondere Hotelfinanzierungen an A-Standorten über eine große Beliebtheit, doch ist die Standorttoleranz hier am geringsten.

Ob klassisches Kreditinstitut oder alternativer Finanzierer: Bei Wohnimmobilien zeigt sich derzeit eine beachtliche Standorttoleranz. Die Kapitalgeber unterscheiden dabei EY zufolge im Wohnungssegment vergleichsweise wenig zwischen A-, B- und C-Standorten.

Bei Hotelfinanzierungen sieht das anders aus. Für Hotelimmobilien in A-Lage ist es deutlich einfacher, eine Finanzierung zu bekommen, als für B- und vor allem C-Lagen. In anderen Segmenten ist es generell schwierig.

Banken dominieren weiterhin

Die erwartete Verschiebung weg von der Bankenfinanzierung könnte nicht nur Private-Equity- und Mezzanine-Finanzierungen, sondern auch Anleihen beflügeln. Dem Bedeutungsgewinn alternativer Finanzierungsquellen zum Trotz ist der klassische Senior/Junior-Loan mit Blick auf das verfügbare Marktvolumen auch weiterhin dominant. Mit rund 80 Milliarden Euro ist der Markt aktuell nahezu zehnmal so groß wie der Markt für Mezzanine- und Private-Equity-Finanzierungen zusammen. Auch der Anleihenmarkt kommt nur etwa auf ein Zehntel.

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Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Zinsen, Gewerbeimmobilien

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