Trotz globaler geopolitischer Unsicherheiten haben Investoren weiterhin ein starkes Interesse an europäischen Immobilien Bild: Haufe Online Redaktion

Die Aussichten für Investoren auf dem EU-Immobilienmarkt sind trotz der politischen Unsicherheiten in Europa gut. In Deutschland setzt sich die Marktdynamik fort. Das zeigt der Global Commercial Property Monitor für das vierte Quartal 2016 der RICS Royal Institution of Chartered Surveyors. Nach Meinung von Knight Frank schaffen die politischen Bewegungen und Wechselkursschwankungen auch Anlagemöglichkeiten – jedenfalls in den stabilen Märkten.

Der RICS-Monitor für das vierte Quartal 2016 zeigt ein solides Wachstum der Mieternachfrage, wenn auch die Wachstumsrate leicht abgenommen hat. Der Netto-Angebotsrückgang verfügbarer Flächen in diesem Quartal war der stärkste seit 2008 in allen Segmenten (Büro, Gewerbe, Einzelhandel) gleichermaßen.

Die zwölfmonatigen Mietwachstumsprognosen wurden von RICS gegenüber dem dritten Quartal in allen Primärmärkten nach oben korrigiert, wobei Büroflächen den stärksten Zuwachs verzeichneten. Demgegenüber wurden die Wachstumsprognosen auf dem Markt für sekundäre Einzelhandelsflächen nach unten korrigiert, hier werde es im laufenden Jahr zu keinen nennenswerten Veränderungen kommen.

Investmentmarkt Deutschland

Die aktuellen Ergebnisse des RICS-Reports zeigen, dass die Nachfrage der Investoren weiterhin stark ist, das gaben 60 Prozent der Befragten an. Auch das Interesse ausländischer Käufer hat in allen Segmenten zugenommen. Das Angebot an Objekten ist in allen Marktbereichen gesunken. Das Tempo des Rückgangs habe sich in den vergangenen zwei Quartalen merklich beschleunigt.

Was die kurzfristige Kapitalwertentwicklung angeht, erwartet RICS ein deutliches Wachstum. Was einzelne Städte betrifft, werden Berlin und Frankfurt am Main den Prognosen zufolge ein stärkeres Wachstum aufzeigen als der nationale Durchschnitt. Trotzdem gehen 55 Prozent der Befragten davon aus, dass sich der Markt kurz vor dem Höhepunkt des aktuellen Zyklus befindet. Das Wachstum in den kommenden drei Jahren wird sich mit Ausnahme des Retail-Segments laut RICS in allen Sektoren leicht abkühlen.

„Für das laufende Jahr ist zu erwarten, dass erste Auswirkungen des Brexit sowie der sich aktuell abzeichnenden Veränderungen in den USA auch in Deutschland spürbar sein werden“, so Jens Giere, Vorsitzender der Professional Group (PG) Commercial Property der RICS Deutschland. Eine verlässliche Prognose über den wirtschaftlichen Einfluss auf den deutschen Markt sei zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch nicht möglich.

Wichtigste Triebfeder des europäischen Immobilienmarktes: Geldpolitik der EZB

Im vierten Quartal 2016 haben sich laut RICS die allgemeinen Bedingungen des Investmentmarkts in Europa noch einmal deutlich verbessert. Dabei ist die Dynamik in Ungarn, Spanien, Irland und Tschechien am günstigsten, hier wird ein starkes Mietwachstum erwartet. Städte in Deutschland (München, Frankfurt, Berlin) und Spanien (Madrid, Barcelona) sowie Amsterdam, Lissabon und Dublin haben die Nase vorn. Der positive Trend zeichnet sich demnach aber auch in einigen kleineren Märkten wie Budapest und Prag ab.

In Paris ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild: Auf Nutzerseite ist man hier  etwas zurückhaltender. Auch Umfrageteilnehmer aus Mailand hielten sich trotz der allgemein positiven Stimmung tendenziell bedeckt. Wichtigste Triebfeder des europäischen Immobilienmarktes ist dem RICS-Report weiterhin die Geldpolitik der EZB.

Aus London sind deutlich andere Tendenzen zu vernehmen. Nach einem sehr starken Lauf zwischen 2014 und 2015 ist das aktuelle Nachfrageszenario verhaltener. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate entsprechen einem weiteren leichten Rückgang der Kapitalwerte in sämtlichen Segmenten.

Marktstimmung nach dem Brexit

Obwohl die Investoren-Nachfrage auf dem britischen Markt auch nach der Brexit-Entscheidung zunimmt, erwarten die meisten Befragten für den Global Commercial Property Monitor, dass sich einige Unternehmen zugunsten anderer europäischer Märkte aus UK zurückziehen werden.

Mehr als 70 Prozent der Umfrageteilnehmer aus den EU-Mitgliedsstaaten (mit Ausnahme Italiens) erwarten, dass in den kommenden zwei Jahren aufgrund des Brexit mindestens ein Teil des operativen Geschäfts aus Großbritannien abgezogen werde. Etwa ein Viertel der Befragten aus Deutschland und Spanien und ungefähr ein Drittel der Niederländer und Iren gaben an, bereits jetzt Anzeichen für diese Entwicklung zu beobachten. Interessanterweise teilen sogar 50 Prozent der polnischen Teilnehmer diese Auffassung.

Wahlen und Währungsbewegungen sorgen für Chancen auf Gewerbeimmobilienmarkt

Die anstehenden Wahlen und Währungsbewegungen werden für Chancen auf dem europäischen Gewerbeimmobilienmarkt sorgen, da der Appetit der Investoren stark sei. Zu diesem Ergebnis kommt der „European Commercial Property Outlook für 2017“ des Immobilienberaters Knight Frank.

Es wird laut Knight Frank erwartet, dass sich das Investmentvolumen 2017 stabilisieren und die Renditekompression verlangsamen werde, obwohl ein anhaltend niedriges Zinsumfeld einen weiteren Renditerückgang fördern könne. Da sich der Wettbewerb verschärft hat und Investitionen in die wichtige Immobilienmärkte vollständig eingepreist wurden, suchten Investoren in Europa geografisch zunehmend in kleineren und mittelgroßen Städten. In den Vermietungsmärkten gebe es in Städten wie Madrid, Dublin, Berlin und Stockholm Wachstumschancen. Infolge einer steigenden Mieternachfrage ziehen laut Knight Frank diese Städte erhebliches Investitionskapital an.

„Trotz gestiegener globaler geopolitischer Unsicherheiten haben Investoren weiterhin ein starkes Interesse an europäischen Immobilien", sagt Chris Bell, Managing Director Europe bei Knight Frank. Vor allem Deutschland werde als sicherer Hafen für Kapital in Kontinentaleuropa betrachtet und viele Investoren seien bereit, eine gewisse Rendite für geringere Risiken zu opfern. Dass die Akzeptanz geringer Renditen zunimmt, bestätigt auch Union Investment. Das deutsche Investitionsvolumen liege Post-Brexit über dem britischen Volumen. Gezielte Investitionen in die richtigen Märkte könnten Investoren einen echten Vorteil in weniger sichereren Zeiten verschaffen.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienmarkt, Brexit

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