Zwangsversteigerungen aus der Auflösung von Eigentümer- sowie aus Ehe- und Erbengemeinschaften haben im ersten Halbjahr 2018 prozentual stark zugenommen: 17 Prozent aller Termine wurden in diesem Segment aufgerufen (Vorjahr: 13 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Fachverlags Argetra. Betroffen waren 42 Prozent der Grundstücke und knapp 20 Prozent der Ein- und Zweifamilienhäuser. Für die Auswertung wurden Zwangsversteigerungen an mehr als 500 Amtsgerichten untersucht.

Die Zahl der eingeleiteten Teilungsversteigerungen, um eine Eigentümergemeinschaft aufzulösen, ist nach Zahlen von Argetra um 184 auf 2063 Fälle gestiegen. Hintergrund können etwa Streitereien über die Nutzung einer Immobilie sein, vor allem wenn ein oder mehrere Eigentümer im Haus oder in der Wohnung leben. Bislang waren die Zwangsversteigerungen jährlich tendenziell zurück gegangenen.

Zwangsversteigert werden laut Argetra zu zirka 68 Prozent Wohnimmobilien mit dem Löwenanteil bei Ein- und Zweifamilienhäusern, gefolgt von Eigentumswohnungen.

Den Rest von 32 Prozent teilen sich die Gewerbegrundstücke, Wohn- und Geschäftshäuser, Grundstücke und sonstige Immobilien. Bei den Finanzierungen von EFH und Wohnungen steigen Argetra zufolge seit Jahren die Risiken. Auch deshalb seien Wohnimmobilien wieder die am häufigsten versteigerten Immobilienarten.

Verkehrswerte in den meisten Bundesländern gestiegen

Im ersten Halbjahr 2018 laut Argetra sind die Gesamtwerte der versteigerten Verkehrswerte nach Rückgängen von 21 Prozent (2016) und 15,5 Prozent (2017) nur noch um 7,4 Prozent (um rund 2.300 Fälle auf 11.836) gefallen. Dies liege unter anderem daran, dass die durchschnittlichen Verkehrswerte um elf Prozent zugelegt haben. Neue Zinsvereinbarungen auf höherem Zinsniveau lassen demnach noch mehr Zwangsversteigerungen erwarten.

In Hamburg wurden die höchsten Verkehrswerte mit durchschnittlich mehr als 700.000 Euro je Immobilie aufgerufen. Sachsen-Anhalt bildet das Schlusslicht mit Durchschnittswerten
von 64.700 Euro. Der Bundesdurchschnitt lag bei 177.000 Euro (Vorjahr: 160.700 Euro). Nur in Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind die durchschnittlichen Verkehrswerte Argetra zufolge rückläufig, während in den anderen Ländern höhere Werte festgesetzt wurden.

Deutlich mehr Zwangsversteigerungen in ostdeutschen Städten

Bei den vierzig Städten mit den meisten Terminen führen Chemnitz, gefolgt von Leipzig, Zwickau und Berlin. An den untersuchten 40 Standorten, die etwa 18 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, werden damit 31 Prozent aller Immobilienversteigerungen und damit deutlich mehr Zwangsversteigerungen veranstaltet als im Bundesschnitt.

Neu in der Blacklist der Top 40 Zwangsversteigerungsschwerpunkte sind Düren (plus 66 Prozent), Hannover und Mönchen-Gladbach. Aus der Liste herausgefallen sind Frankfurt am Main, Idar-Oberstein, Bergheim, Herne, Waldbröl, Magdeburg, Bamberg, Eisenach, Kassel und Westerburg.

Gute Renditechancen bei Teilungsversteigerungen

Wohnimmobilien sind Argetra zufolge weiterhin die am häufigsten versteigerte Immobilienart. Mit knapp einer halben Milliarde Euro stammten rund 25 Prozent der bundesweit bei Zwangsversteigerungen erzielten Erlöse (2,1 Milliarden Euro) aus einer Teilungsversteigerung.

Zwangsversteigerungsobjekte werden vermehrt nachgefragt, weil auf dem "normalen" Markt kaum noch bezahlbare Immobilien zu finden sind. Die Verkehrswertfestsetzungen liegen generell unter den regulären Marktwerten. Wer sich im Streit von einem Grundstück oder Haus über eine Zwangsversteigerung trenne, müsse sich in der Regel jedoch mit einem niedrigeren Preis zufrieden geben als bei einem herkömmlichen Verkauf, sagt Argetra-Geschäftsführer Axel Mohr.

Damit bieten laut Argetra bieten Teilungsversteigerungen häufig höhere Renditen, auch weil Makler und Notarkosten entfallen.

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