28.02.2013 | Studie

Energiewende wird im Wohnzimmer entschieden

Nur Nutzer in Altbauten sind sparsamer als bisher erwartet
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In wärmegedämmten Gebäuden wird mehr Energie verschwendet als in ungedämmten Häusern: Der absolute Verbrauch sinkt mit zunehmender energetischer Gebäudequalität, der Nutzer wird aber verschwenderischer, wie eine Studie zur Energieeffizienz in Gebäuden von Prof. Dr. Clemens Felsmann zeigt.

Das Fazit der Studie: Je besser der energetische Zustand der Gebäudehülle ist, desto weniger kümmert die Bewohner ihr Umgang mit der Wärme. Deshalb plädiert der Wissenschaftler für verursachergerechtes Abrechnen der Heizkosten auch in sehr gut wärmegedämmten Gebäuden. Darüber hinaus belegt die Studie das hohe CO2-Minderungspotenzial der Heizkostenabrechnung.

Felsmann hat hiermit die bislang größte deutsche Studie zu den "Auswirkungen der verbrauchsabhängigen Abrechnung in Abhängigkeit von der energetischen Gebäudequalität" vorgestellt. Der Professor für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung lehrt am Institut für Energietechnik der Technischen Universität Dresden. Die Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung e.V. (Arge Heiwako) hat Felsmann anonymisierte Messdaten von 3,3 Millionen Wohnungen zur Verfügung gestellt. Insgesamt gibt es in Deutschland 18 Millionen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern.

Nutzer in Altbauten deutlich energiebewusster

Die Studie bestätigt das hohe CO2-Minderungspotenzial der Heizkostenabrechnung. Seit Einführung der Abrechnungspflicht im Jahr 1981 wurden rund 350 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Die meisten Energieeffizienzmaßnahmen zur CO2-Vermeidung verursachen Kosten. Im Gegensatz dazu entstehen bei der verbrauchsabhängigen Abrechnung Einsparungen in Höhe von knapp 200 Euro je Tonne vermiedenes CO2.

Die Analyse belegt, dass in Mehrfamilienhäusern die gemessenen Raumtemperaturen in zwei Dritteln aller untersuchten Wohnräume deutlich unter dem theoretischen Sollwert von 20 Grad Celcius liegen. Die Hälfte aller erfassten Werte lag sogar unter 19 Grad Celcius. Demnach verhalten sich Nutzer in Altbauten deutlich energiebewusster als bisher angenommen, und ihr Verhalten hat einen größeren Einfluss auf den Gesamtverbrauch als vermutet.

Der gemessene Energieverbrauch von Altbauten fällt im Durchschnitt deutlich niedriger aus als der berechnete Bedarf nach EnEV. Einsparpotenziale von energetischen Maßnahmen an Gebäudehülle und Anlagentechnik werden deshalb überschätzt.

Schlagworte zum Thema:  Energiewende, Energetische Gebäudesanierung, Wärmedämmung

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