Warum Dämmung nicht automatisch nachhaltig ist
Rund 37 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen stammen aus der Herstellung und dem Betrieb von Gebäuden. Wie klimafreundlich Wärmedämmungen sind, wenn man den gesamten Lebenszyklus der Immobilien betrachtet, hat Melvin Dübbert, Absolvent der EBZ Business School, analysiert.
Er stellt mit der neuen Kennzahl CaRE (Carbon Return on Carbon Emissions) ein Bewertungsinstrument vor, das die CO2-Effizienz von Dämmmaßnahmen ganzheitlich bewertet – anhand der eingesparten und der verursachten Emissionen.
Dämmstoffdicke: Mehrwert von CaRE
"Der zentrale Mehrwert von CaRE liegt in der klaren, vergleichbaren Bestimmung der ökologisch optimalen Dämmstoffdicke und der fundierten Unterscheidung zwischen vermeintlich nachhaltigen und tatsächlich CO2-effizienten Materialien", schreibt Dübbert in seinem Fazit in der Studie.
Die Kennzahl ist demnach flexibel auf andere Dämmstoffe und Gebäude übertragbar und soll eine belastbare Grundlage für ressourceneffiziente Sanierungsstrategien bieten. In Kombination mit digitalen Tools und wirtschaftlichen Indikatoren kann CaRE zu einem zentralen Baustein nachhaltiger Bauentscheidungen werden, ist der Autor überzeugt.
Wie viel Dämmung verträgt der Klimaschutz?
Dämmmaßnahmen werden stark gefördert, da sie als einer der Schlüssel zur Reduktion von Energieverbräuchen im Gebäudebestand gelten. Der Fokus ist nach Auffassung von Dübbert falsch gesetzt, da vorgelagerte und nachgelagerte Phasen im Lebenszyklus – etwa Rohstoffgewinnung, Produktion, Transporte, Rückbau und Entsorgung – in der Praxis häufig unberücksichtigt bleiben.
Das Ergebnis sei die Auswahl von Dämmstoffen in Material und Dicke, die primär auf Effizienzkennzahlen wie dem U-Wert basiert, der angibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Kelvin (W/m²K) durch das Bauteil strömt, nicht aberauf der tatsächlichen CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus. Eine Maßnahme kann laut EBZ-Analyse zwar zu einer besseren Energieeffizienzklasse führen, die gesamte CO2-Gesamtbilanz kann aber dennoch negativ ausfallen, wenn die über den Lebenszyklus der Dämmstoffe verursachten CO2-Emissionen aus Herstellung, Betrieb und Entsorgung die insgesamt eingesparten CO2-Emissionen übersteigen.
CaRE misst Effizienz von CO2-Investitionen
Die Kennzahl CaRE erfasst das Verhältnis von jährlich eingesparten CO2-Emissionen zu den über den Lebenszyklus verursachten CO2-Emissionen einer Dämmmaßnahme.
Dargestellt wird dabei das Verhältnis aus eingesparten CO2-Emissionen pro Jahr zu den über den gesamten Lebenszyklus verursachten CO2-Emissionen. "Je höher die CaRE-Kennzahl, desto schneller gleichen die jährlichen CO2-Einsparungen die verursachten CO2-Emissionen aus, sodass die Maßnahme früher CO2-positiv wird", schreibt der Studienautor. Am Ende stehe die Antwort, welcher Dämmstoff in welcher Dicke die höchste CO2-Effizienz errreichen kann und ab wann zusätzliche Materialstärken nicht mehr im
Verhältnis zu ihrem ökologischen Preis stehen.
Studie: Effekt von Dämmung im Mehrfamilienhaus
Zu dem Ergebnis, dass die Dämmung der Gebäudehülle in den meisten Ausgangssituationen weiterhin den höchsten Effekt auf die Senkung des Primärenergiebedarfs hat, kommt die Studie "Klimaneutralität vermieteter Mehrfamilienhäuser – aber wie?" aus dem Jahr 2022. Eine gute Dämmung habe generell einen massiven positiven Einfluss auf sinkende Verbräuche.
Beachtet werden müsse jedoch ein abnehmender Grenznutzen. Insbesondere eine Erhöhung der Dämmdicke über 14 Zentimeter bewirke nur noch relativ geringe Einspareffekte. Das Ergebnis untermauert die Feststellung, dass gegebenenfalls andere Bereiche (ab Erreichen einer bestimmten Dämmstärke) die weitere Reduktion von Treibhausgasemissionen kosteneffizienter unterstützen können.
Studie "Klimaneutralität vermieteter Mehrfamilienhäuser – aber wie?" (PDF)
U-Wert Rechner: Förderung für Dämmung
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt vor, wie hoch der U-Wert jedes Bauteils nach der Dämmung von Dach, Außenwänden, Boden oder Deckemaximal sein darf. Wer eine Förderung für eine Dämmung beantragen will, sollte laut Energieberater Rolf-Peter Weule die geforderten Werte kennen – hier seien die Anforderungen in der Regel noch strenger als der gesetzliche Mindeststandard.
Der Experte weist auf dem Ratgeberportal Energie-Fachberater.de auf sogenannte U-Wert-Rechner hin. Dort kann eingestellt werden, um welche Dämmmaßnahme es sich handelt und wie die Ausgangskonstruktion aussieht. Danach können unterschiedliche Dämmstoffe und -dicken durchgespielt werden. Der Rechner zeigt jeweils an, ob die gewählte Dämmung den gesetzlichen Vorgaben entsprechen würde.
Außerdem gibt es auf dem Portal einen Überblick zu Fördermöglichkeiten:
Dämmung: Überblick zu KfW-Förderkrediten, BAFA-Zuschüssen und Steuerbonus
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