Die Stimmung unter deutschen Einzelhändlern bleibt positiv: 49 Prozent der Unternehmen rechnen für 2017 mit steigenden Umsätzen, wie eine Expertenbefragung der Hahn Gruppe zeigt. Die Kauflust der Investoren hat allerdings nachgelassen. 57 Prozent der Anleger gaben an, weiter investieren zu wollen, vor allem in Fachmarktzentren und High Street Immobilien. 2016 waren es noch 76 Prozent. Ein Grund ist die Einschätzung der Risiken.

Den Immobilienbestand halten wollen in diesem Jahr laut Hahn rund 28 Prozent der Investoren (Vorjahr: 17 Prozent) und nur 15 Prozent wollen verkaufen (Vorjahr: sieben Prozent). Was die Entwicklung der Immobilienpreise angeht, rechnen 28 Prozent der Anleger (Vorjahr: 40 Prozent) mit steigenden Preisen, 65 Prozent (Vorjahr: 57 Prozent) gehen von stabilen Preisen aus und sieben Prozent (Vorjahr: drei Prozent) erwarten einen Preisrückgang.

Fachmarktzentren und High Street im Fokus der Investoren

Bei Neuinvestments fokussieren sich die Investoren laut Hahn auf Fachmarktzentren und High Street Immobilien. Jeweils 57 Prozent der Befragten geben an, dass sie diesen Objekttyp präferieren. Shopping-Center werden von 39 Prozent der Umfrageteilnehmer als Neuinvestment hervorgehoben, bei SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten sind es 35 Prozent. Supermärkte und Discounter werden nur von 26 Prozent genannt.

Bei der Einschätzung der Investmentrisiken zeigt der Hahn-Report, dass der technologische Wandel Einfluss auf das Konsumverhalten, die Nachfragesituation und die baulichen Anforderungen an die Handelsimmobilie hat. Für 68 Prozent der Investoren resultiert daraus ein hohes bis sehr hohes Investmentrisiko (Vorjahr: 25 Prozent). Die volkswirtschaftliche Entwicklung ist für 38 Prozent ein hohes bis sehr hohes Risiko (Vorjahr: 15 Prozent). Die demografische Entwicklung wird von 43 Prozent als hohes bis sehr hohes Risiko wahrgenommen (Vorjahr: 25 Prozent).

Und immerhin 30 Prozent der Investoren machen sich Sorgen um die Auswirkungen der aktuellen US-Politik und schätzen diese als hohes bis sehr hohes Risiko ein.

Expansionstempo unter den Händlern nimmt leicht ab

Aus dem Bereich Gesundheit und Beauty rechnen 100 Prozent der befragten Händler für 2017 mit steigenden Umsätzen. Auch überdurchschnittlich viele Umfrageteilnehmer aus den Bereichen Lebensmittel (73 Prozent), Drogerie (67 Prozent) sowie Hobby und Freizeit (67 Prozent) gehen von steigenden Umsätzen aus, wie die Hahn-Expertenbefragung zeigt.
Rund 56 Prozent der Handelsunternehmen planen, bis Ende 2017 Filialen zu eröffnen. Im Jahr 2016 gaben das noch 63 Prozent der Einzelhändler an. Auch hier liegt die Branche Gesundheit und Beauty ganz vorne: Hier gaben alle Befragten an, ihre Standorte ausbauen zu wollen. Auch die Bereiche Drogerie sowie Bau- und Gartenmärkte gaben das jeweils zu 100 Prozent an. Nur 17 Prozent der Handelsunternehmen wollen Standorte schließen. Hierzu zählen die Branchen Bekleidung und Unterhaltungselektronik.

Handel und Investoren setzen auf flexible Handelsimmobilien

Insgesamt 90 Prozent der Händler beobachten, dass Einkaufsatmosphäre (39 Prozent) und Aufenthaltsqualität (51 Prozent) für die Kunden wichtiger werden. 66 Prozent der Händler sagten, dass die Kunden vermehrt ein besseres Unterhaltungsangebot vor Ort einfordern.

Für rund 40 Prozent (Vorjahr: 26 Prozent) der von Hahn befragten Händler haben flexible Umbaumöglichkeiten der Handelsimmobilie eine hohe, für 33 Prozent (Vorjahr: 49 Prozent) eine mittlere Bedeutung. Immobilieninvestoren haben ihre Akquisitionskriterien angepasst: 78 Prozent der Anleger achten auf flexible Umbaumöglichkeiten einer Immobilie. 68 Prozent der befragten Händler sagten, dass ihre Ansprüche an Immobilien Manager gestiegen sind, wenn es um Mietstandorte geht.

Passantenfrequenz in Fachmarktzentren nimmt zu

25 Prozent der Händler berichten von einem Anstieg der Frequenzen in Fachmarktzentren, während nur zwölf Prozent gesunkene Frequenzen festgestellt haben. 29 Prozent sehen eine stabile Entwicklung. Bei Shopping-Centern ist das ganz anders: 45 Prozent der Befragten verzeichnen gesunkene Frequenzen, 37 Prozent haben stabile Zahlen festgestellt. In den Innenstädten beobachten 39 Prozent der Händler eine stabile Passantenfrequenz, während weitere 39 Prozent einen Rückgang bei High Street Immobilien feststellen.

In der aktuellen Hahn-Expertenumfrage wurden 72 Expansionsverantwortliche großer Filialisten des deutschen Einzelhandels und 40 Entscheidungsträger von institutionellen Investoren befragt, darunter Immobilienfonds, Private Equity-Gesellschaften und Vermögensverwalter sowie Banken.