31.08.2012 | Top-Thema Einzelhandelsimmobilien: Verdrängt der Online-Handel die Retailflächen?

Showroom statt Ladengeschäft?

Kapitel
Mutiert das Geschäft des Einzelhändlers zum Show-Room, in dem der Kunde nur noch Ware anschaut, um sie online zu bestellen?
Bild: Haufe Online Redaktion

Zwei Beispiele, ein Thema: Braucht der Einzelhandel immer weniger Verkaufsflächen?

Mutiert das Geschäft des Einzelhändlers zum Show-Room, in dem der Kunde nur noch Ware anschaut, um sie online zu bestellen? Oder steht am Ende dieses Prozesses gar die bunte koreanische Bestellstation, die nur noch mit Produktfotos ausgestattet ist, an der via Internet bestellt und die Ware an einer anderen Station abgeholt werden kann?
Diskutiert wird das Thema als „Multi-Channel“ – Verkauf über ein stationäres Geschäft, das Internet und den Versand – bereits seit Jahren. Die Diskussion gewinnt nun allmählich an Dynamik. Die Folgen des Wandels werden messbar. Laut Handelsverband HDE wächst der Internet-Umsatz mit zweistelligen Raten – 2011 um 10,1 Prozent auf 26,1 Milliarden Euro. 2005 waren es erst 14,5 Milliarden Euro, doch 2012 sollen es 29,5 Milliarden Euro sein (plus 13 Prozent). Gemessen am gesamten deutschen Einzelhandelsumsatz von rund 414 Milliarden Euro ist das aber erst ein Anteil von gut 6,5 Prozent. Bezieht man den klassischen Versandhandel mit ein, summieren sich Versand- und Internet-Umsatz laut Bundesverband des deutschen Versandhandels (BVH) für 2011 auf 32,4 Milliarden Euro – weniger als zehn Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes. Experten schätzen, dass der Internet-Anteil am Einzelhandelsumsatz die 20-Prozent-Marke nicht überschreiten wird.

Auch Shopping-Center sind herausgefordert

Doch klar ist: Der Einzelhandel muss zweigleisig fahren, wenn er bei der jungen Generation nicht den Anschluss verlieren will. Während Buchhändler wie Thalia die Verkaufsflächen teilweise verkleinern, Zusatzsortimente wie Schreibwaren ins Angebot nehmen oder Untermieter aus der Spielzeugbranche, erwartet Metro-Chef Olaf Koch für die Tochter Media Saturn, dass der Online-Handel zusätzliche Frequenz in die Fachmärkte bringt. Immerhin 45 Prozent der online bestellten Ware wird laut Koch im Fachmarkt abgeholt.
Angesichts dieser gravierenden Veränderungen bei den Mietern (Einzelhändlern) gehört auch für den International Council of Shopping Centers (ICSC) in Europa der zunehmende Wettbewerb zwischen stationärem und Online-Handel zu den großen Herausforderungen der Branche. Nach den Worten des neuen ICSC-Europa-Chairmans, ECE-Chef Alexander Otto, kommt sie gleich nach Themen wie die enger werdenden Finanzmärkte und der erhöhte Restrukturierungsbedarf bei Shopping-Centern.

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