Dem stationären Einzelhandel fehlt es im Wettbewerb mit dem Onlinehandel an Flexibilität und Innovationskraft. Zu diesem Schluss kommen der ZIA Zentrale Immobilien Ausschuss und der German Council of Shopping Centers (GCSC). Jetzt haben die Verbände in Bonn ein gemeinsames Positionspapier zur Zukunft des Handels in der Stadt unterzeichnet. Die Verbände fordern eine bessere Infrastruktur, eine Deregulierung und ein zukunftsfähiges Planungsrecht.

Der ZIA und GCSC haben neun Schwerpunktthemen erfasst und entsprechende Positionen formuliert.

„Insbesondere der innerstädtische Handel ist auf kurze Wege und eine schnelle Erreichbarkeit angewiesen", sagt Christine Hager, Vorstand des GCSC. Dafür sei es wichtig, eine intensive Diskussion über ausreichend kostenfreie Kurzzeitparkzonen sowie angemessene Stellplatzablösebeiträge zu führen.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass sich eine zentrale Lage einer Handelsfläche unnötig preistreibend zulasten des Käufers auswirkt“, ergänzt Hager.

Der stationäre Einzelhandel nehme den Wettbewerb mit dem Onlinehandel gerne an, doch es fehle an gleichen Voraussetzungen.

"Wir fordern weder Subventionierung noch besonderen Schutz, sondern Wettbewerbsgerechtigkeit“, sagt Iris Schöberl, Vorsitzende des ZIA-Ausschusses Handel & Kommunales.

Weitere Stolpersteine befinden sich im Planungsrecht

„Zukunftsfähige Einzelhändler beherrschen schon längst den Omnichannelhandel“, so Hager. Stationäre Verkaufsflächen müssten deshalb so gemanagt und betrieben werden können, dass die Verschneidung der Vertriebswege reibungslos funktioniere und Kunden alle Möglichkeit zum Erwerb der Waren (on- und offline) geboten bekämen.

Auch im Planungsrecht finden sich den beiden Verbänden zufolge Stolpersteine. „Die Entwicklung, Erweiterung und Modernisierung von Einzelhandelsflächen ist aktuell ein mehrjähriger, komplexer und sehr aufwendiger Prozess“, erklärt Hager. Die dafür benötigten Planungs- und Genehmigungsprozesse durch Behörden und Institutionen müssten vor dem Hintergrund des schnellen Wandels der Städte zwingend beschleunigt werden. Zudem sei eine Überprüfung der gesetzlichen Regulierungen zugunsten einer zeitgemäßen und sinnvollen Vereinfachung der städtischen Handelsplanung unerlässlich.

Regulierung benachteiligen den stationären Handel

Darüber hinaus seien die starren Öffnungszeit-, Sortiments- und Verkaufsflächenbegrenzungen ein Nachteil des stationären Handels gegenüber dem E-Commerce.

„Eine zeitgemäße Ausgestaltung der Sortimentsvielfalt ist für Innenstädte essenziell wichtig – gerade in einer solch schnelllebigen Zeit“, sagt Schöberl.

Die Listen der innenstadtrelevanten Sortimente sollten deshalb in Zusammenhang mit den Einzelhandelskonzepten und in Abstimmung unter anderem mit Handelsverbänden regelmäßig fortgeschrieben und idealerweise im Abstand von zwei Jahren überprüft werden.

Auch die bestehenden Verkaufsflächenbegrenzungen seien ein Hinderungsgrund für die Weiterentwicklung des stationären Handels. „Filialisten müssen konstant Sortimente erweitern, moderne Warendarstellungen bieten und barrierefreie Zugänge ermöglichen. Das ist mit den starren Verkaufsflächengrößen kaum mehr möglich“, so Schöberl weiter. Aus diesem Grund müssten Händlern im Rahmen der Bauleitplanung flexiblere, maßstäbliche, im Einzelfall größere und damit auf Dauer wettbewerbsfähige Verkaufsflächen zugebilligt werden.

Auch die Regulierung der Öffnungszeiten ist laut ZIA und GCSC längst nicht mehr auf dem neuesten Stand.

„Die bestehende Gesetzgebung entspricht nicht mehr den heutigen Einkaufswünschen“, ergänzt Schöberl. Der Handel müsse die Möglichkeit bekommen, auch dem Sonntagseinkaufswunsch der Bürger gerecht zu werden. Bislang sei das nahezu unmöglich.

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