Einzelhandel: Mieten in B- und C-Städten deutlich gestiegen

Der deutsche Einzelhandel erwartet einen Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft. Damit rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE). Die Erlöse im November und Dezember könnten demnach gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,9 Prozent auf insgesamt über 90 Milliarden Euro wachsen. Einen Boom erleben auch die Einzelhandelsmieten in mittelgroßen Städten, wie der IVD-Gewerbe-Preisspiegel zeigt. In den großen Metropolen stagnieren die Mietpreise.

In B-Städten (250.000 bis 500.000 Einwohner) und C-Städten (100.000 bis 250.000 Einwohner) sind dem IVD zufolge im Jahr 2016 die Ladenmieten für große Geschäfte in zentralen Toplagen um jeweils 1,7 und 3,1 Prozent gestiegen. Im Vorjahr waren diese Mietpreise in B-Städten noch um 0,5 Prozent rückläufig und hatten sich in C-Städten nur um 1,9 Prozent erhöht. Die Daten wurden im zweiten und dritten Quartal 2016 erhoben.

In zentralen Geschäftslagen erhöhten sich die Mietpreise pro Quadratmeter für ein Ladenlokal von etwa 150 Quadratmetern in zentraler Toplage um 0,7 Prozent. Im Vorjahr waren es noch ein Prozent. In Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern waren in diesem Segment sogar um 0,4 Prozent rückläufige Nettokaltmieten zu beobachten.

"Für Einzelhändler scheint die Verlagerung der Geschäfte in Bestlagen von B- und C-Städten von zunehmendem Interesse", sagt IVD-Präsident Jürgen Michael Schick.

Unter den Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern sind in Frankfurt am Main und Berlin die Ladenmieten für große Geschäfte in Bestlagen der Stadtzentren mit jeweils 5,3 Prozent beziehunsgweise 4,2 Prozent am stärksten gewachsen. Der teuerste Einzelhandelsstandort ist nach wie vor München mit einer Schwerpunktmiete von 320 Euro pro Quadratmeter. In München sowie in Düsseldorf und Köln stagnierten die Durchschnittsmieten.

Laut einer Studie von Comfort sind dabei die Entwicklungen auf dem Vermietungs- und Investmentmarkt gegenläufig, während die hohe Nachfrage die Kaufpreise in 98 Städten ansteigen ließ.

Mieten in Nebenlagen rückläufig

In den Randlagen beziehungsweise den 1B-Lagen der Geschäftszentren sind die Mieten für Läden von rund 150 Quadratmetern im Bundesdurchschnitt um 0,5 Prozent zurückgegangen.

Am stärksten haben die Ladenmieten in zentralen 1B-Lagen in Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern nachgegeben. Große Ladengeschäfte verzeichneten in dieser Städteklasse Rückgänge von knapp drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In den Geschäftskernen von Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern sind die Mieten für große Läden in 1B-Lagen wiederum mit durchschnittlich ein Prozent leicht angestiegen. Im Vorjahr sind die Mietpreise hier allerdings noch um fünf Prozent gestiegen.

Auch vom vorweihnachtlichen Kaufrausch profitieren laut HDE-Umfrage derzeit vor allem große Geschäfte in Randlagen: etwa Möbelhäuser.

Stadtteilzentren in B-Städten besonders beliebt

In den Stadtteilzentren lagen im Bundesdurchschnitt die Mieten in guter Lage um 0,4 Prozent unterhalb des Vorjahresniveaus. Insbesondere Städte mit weniger als 100.000 Einwohnern haben in den Nebenzentren verstärkt mit Leerständen zu kämpfen. Der Trend bei den Ladenmieten ist in diesen Städtekategorien seit Jahren rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Mieten in 1A-Stadtteillage in Städten bis 100.000 Einwohner zwischen 1,4 und 2,6 Prozent zurückgegangen.

Eine gegenläufige Entwicklung ist derzeit in den Nebenzentren der B-Städte (250.000 bis 500.000 Einwohner) zu beobachten. Die durchschnittlichen Quadratmeterpreise stiegen sowohl in 1A- als auch in der 1B-Lage zum Teil deutlich an. In der 1A-Lage wurden 2016 im Schnitt 3,7 Prozent mehr pro Quadratmeter Einzelhandelsfläche von Läden mit etwa 60 Quadratmetern aufgerufen als noch im Vorjahr. Deutlich teurer als im Vorjahr waren diese kleineren Geschäfte in 1A-Lage im Nebenkern in den Städten Augsburg und Bielefeld mit einem Anstieg von 14,6 Prozent beziehungsweise 13 Prozent.

"Wir beobachten Nachholeffekte in den Stadtteilzentren der B-Städte", so Schick.

Einzelhandelsflächen in Zentren von Metropolen wenig gefragt

Im Vorjahr zählten dem IVD zufolge 1A-Lagen in den Stadtteilzentren deutscher Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern mit einem Mietpreiswachstum von 5,8 Prozent für Läden von etwa 60 Quadratmetern noch zu den Gewinnern des Einzelhandelsmarktes 2015.

Im aktuellen Berichtsjahr zeigt sich in diesem Segment mit 0,8 Prozent Mietwachstum gegenüber dem Vorjahr eine deutlich schwächere Dynamik. Bei größeren Geschäften von etwa 150 Quadratmetern waren die durchschnittlichen Quadratmeterpreise gegenüber dem Vorjahr sogar um 1,2 Prozent rückläufig.

"Expansionsfreudige Filialisten mit typischen innenstadtrelevanten Sortimenten bevorzugen eher zentrale Geschäftslagen in B- oder C-Städten", so Schick.

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