Einzelhandel: Märkte im Umbruch und defensive Investoren Infografik

Europäische Einzelhandelsinvestoren agieren JLL zufolge wieder defensiver als vor einem Jahr. Gründe sind wirtschaftliche Unsicherheiten weltweit und ein Umbruch im stationären Handel. Auch in Deutschland sind die Wachstumsperspektiven laut Marktforschunsginstitut GfK gedämpft. 

Europas stärkster Investmentmarkt für Einzelhandelsimmobilien ist JLL zufolge Großbritannien: Hier wurden im ersten Halbjahr 2019 rund 3,3 Milliarden Euro Transaktionsvolumen erzielt. Das sind aber immerhin 18 Prozent weniger als im Vorjahr. In Deutschland wurden in diesem Zeitraum laut JLL Einzelhandelsimmobilien für 3,25 Milliarden Euro gehandelt; das ist ein sattes Minus von 27 Prozent.

Der gesamteuropäische Einzelhandelsinvestmentmarkt erzielte im ersten Halbjahr 14,6 Milliarden Euro, das ist ein Rückgang von 37 Prozent. Weltweit ging das Volumen um 20 Prozent auf 54,2 Milliarden Euro zurück. Die Zahl der Transaktionen ging im Jahresvergleich von 337 auf 308 zurück. Signifikant ist dabei das Ausbleiben großer Abschlüsse. JLL geht jedoch davon aus, dass einige größere Deals in der Pipeline sind, die im zweiten Halbjahr 2019 für einen Anstieg der großvolumigeren Transaktionen – insbesondere im Portfoliosegment – sorgen könnten.

Shopping-Center und High-Street-Objekte ranken noch oben, geben aber sukzessive nach

Betrachtet man die Deals in Europa nach Nutzungsart, so dominieren wie bisher die Shopping-Center mit einem Volumenanteil von 29 Prozent. Dieser Wert ist seit 2014 schrittweise von 54 Prozent zurückgegangen. Interessant ist hier, dass offenbar die Spitzenrenditen für deutsche Einkaufszentren immer noch steigen, wie verschiedene Immobilienberatungsunternehmen in ihren Studien zu Einzelhandelsinvestments erklären, von rund vier Prozent ist einhellig die Rede.

Nach den Shopping-Centern präferierten professionelle Anleger laut JLL im ersten Halbjahr 2019 High-Street-Produkte, die aber ebenfalls in der Beliebtheit nachgaben: von 31 Prozent Marktanteil auf 28 Prozent. Deutlich stärker als im Vorjahr präsentierten sich die Fachmarktzentren im Volumenvergleich – sie legten von 13 auf 22 Prozent zu. Die gehandelten Supermärkte und Discounter hatten jeweils einen Anteil von 13 Prozent am gesamten Transaktionsvolumen, nach jeweils neun Prozent im Vorjahr.

"Trotz der anhaltenden Zurückhaltung von einigen Investoren im Einzelhandelssektor sehen wir das zweite Halbjahr ähnlich stark wie das vorherige. Nahversorgungsprodukte bleiben 'Investor‘s Darling' und innerstädtische Geschäftshäuser in Europas Metropolen bleiben begehrt." Sandra Ludwig, Head of Retail Investment JLL Germany

Die größte Transaktion steuerte nach Angaben von JLL im ersten Halbjahr 2019 der britische Markt bei: Den Verkauf eines Portfolios von zwölf Sainsbury’s Supermärkten, die das US-Unternehmen Realty Income Corporation von einem Joint Venture zwischen British Land und Sainsbury für knapp 490 Millionen Euro kaufte. Das unterstreiche, dass ein gut positionierter, in FMCG (fast mooving consumer goods) verankerter Einzelhandel eine große Attraktivität für nationale und internationale Investoren habe, so Ludwig abschließend.

Trends im Onlinehandel und stationären Handel

Laut der aktuellen Studie "Einzelhandel Europa 2019" der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) steht Deutschland mit einem prognostizierten Umsatzwachstum im stationären Einzelhandel für 2019 von nur noch 0,8 Prozent weit unten im europäischen Vergleich (ohne Großbritannien). Schuld daran sind laut GfK unter anderem das weiterhin dynamische Wachstum des Onlinehandels sowie ein gedämpftes Konsumklima. Das führte auch dazu, dass Einzelhandelsimmobilien von Immobilienfinanzierern mittlerweile kritisch gesehen werden. 

Laut GfK wird vom stationären Handel erwartet, das Angebot um die Möglichkeiten zu ergänzen, die der Online-Handel bietet. So verzeichnen 2018 in Westeuropa beipielsweise die Online-Shops der traditionellen stationären Einzelhändler alleine im Bereich der technischen Konsumgüter (TCG) ein Umsatzwachstum von 24 Prozent – ein sechsfach so starkes Wachstum im Vergleich zu reinen Online-Händlern (plus vier Prozent), wie Daten aus dem GfK Point of Sale Tracking zeigen.

Die Multichannel-Unternehmen (Click & Mortar) erreichen inzwischen nur mit ihrem digitalen Kanal einen Anteil von 49 Prozent an den gesamten Online-Umsätzen in diesem Segment. Betrachtet man die einzelnen Komponenten des Omni-Channels, so zeigt sich im Bereich der technischen Konsumgüter in Westeuropa eine Marktanteilsverschiebung von 19 Prozent im Jahr 2014 auf 26 Prozent im Jahr 2018 zugunsten der Online-Umsätze europaweit.


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