Unter den reinen Luxusstraßen ist die Via dei Condotti in Rom die am besten besuchte Bild: Reinhard Simon ⁄

In den Städten Europas, in denen sich ein Geschäftskern auf wenige Einkaufsstraßen konzentriert, werden die höchsten Fußgängerfrequenzen erzielt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von BNP Paribas Real Estate. Das ist etwa in München und Zürich so. Auch Städte wie London oder Berlin mit großem Einzugsgebiet registrieren Rekordfrequenzen. Im Luxussegment profitieren Touristenmagnete wie Rom und Paris. Doch was macht eine "Key Global City" noch aus?

Untersucht hat BNP Paribas Real Estate gemeinsam mit Kuoni Mueller & Partner die Besucherdichte in den Einkaufsstraßen von 23 europäischen Metropolen Amsterdam, Athen, Barcelona, Berlin, Brüssel, Budapest, Kopenhagen, Dublin, Frankfurt am Main, Helsinki, Lissabon, London, Madrid, Mailand, München, Oslo, Paris, Prag, Rom, Stockholm, Warschau, Wien und Zürich.

Neben den größten Metropolregionen behauptete sich der Studie zufolge auch eine Gruppe kleinerer Städte. Zürich ist so ein Beispiel und schaffte es wie Wien, Dublin und Stockholm unter die Top 20 der wichtigsten Einkaufsstraßen im Massenmarktsegment. Woran liegt das?

Tourismus als wichtigster Frequenztreiber

Der Studie zufolge spielen auch Verkehrsknotenpunkte und vor allem neue städtische Bereiche  eine zentrale Rolle für die Generierung hoher Frequenzen. So haben etwa Oslo und Helsinki den Vorteil, dass sie von hohen Frequenzen im Bereich der Knotenpunkte profitieren.

Erneuerte städtische Bereiche erzeugen nicht nur eine aufgewertete Shopping-Umgebung, sondern erneuern auch das Marktangebot. Das lockt Geschäfte und Investoren an.

Diese Erfahrung haben die Studienautoren unter anderem in Warschau, Wien und Lissabon gemacht. Auch die lokale wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung dieser Städte hat einen wesentlichen Einfluss auf diese Zahlen. Dennoch sticht der Tourismus als wichtigster Frequenztreiber hervor, insbesondere weil die Frequenzmessung im Juni stattfand, zum Höhepunkt der Saison.

Die Top 10 im Segment „Massenmarkt“

Großbritannien, Deutschland, Spanien und Frankreich konkurrieren um die fünf ersten Plätze in der Rangliste der wichtigsten Einkaufsstraßen Europas im Bereich Massenmarkt. Spitzenreiter ist die Oxford Street in London mit einem Rekordergebnis von 13.560 Fußgängern pro Stunde. Zum Vergleich: Die Champs-Élysées in Paris rangieren mit 10.300 Fußgängern pro Stunde auf dem fünften Rang.

Dazwischen liegen gleich zwei deutschen Einkaufsstraßen unter den Top 10: In der Münchener Kaufingerstraße zählten die Studienautoren 12.832 Besucher pro Stunde (Platz 2), in Frankfurt am Main waren es auf der Zeil 10.280 Passanten (Platz 3). Auf dem dritten Platz befindet sich die Calle de Precidos in Madrid (10.280 Besucher).

Damit sind gleich fünf spanische Städte unter den ersten zehn im Segment „Massenmarkt“, zwei davon in Barcelona (Av. De Portal del Angel: 10.216; Platz 6) und Passeig de Gracia (10.132; Platz 7) und  zwei weitere in Madrid mit der Gran Via (9.956; Platz 8) und der Calle Fuencarral (9.196; Platz 10). London rangiert in dieser Kategorie außerdem noch mit der Regent Street auf Platz 9 (9.252).

Die Top 10 im Segment "Luxus / mixed prime street"

Die Top 10 Einkaufsstraßen im Luxussegment werden unter Frankreich, Spanien, Großbritannien, und etwas abgeschlagen Dänemark ausgemacht. Hier findet vor allem ein enormer Touristenandrang statt. Diese Straßen decken nicht nur das Luxussegment ab, sondern die gesamte Palette vom Massenmarkt bis hin zum Luxussegment.

Eine solche Mischung zieht neben Touristen naturgemäß auch lokale Kunden an.

Neben dem nördlichen „Massenmarkt“ der Zürcher Bahnhofstraße, der mit 8.586 Passanten zur beliebtesten Shopping-Zone der Stadt gehört (Platz 14), sind vor allem die Luxusgeschäfte im südlichen Teil Besuchermagnet. Der luxuriöse südliche Abschnitt kommt im Segment "Luxus / mixed prime street" mit 4.064 Passanten pro Stunde auf Platz 10 hinter dem Wiener Kohlmarkt (Platz 9; 4.744).

Ganz oben im Ranking stehen die Pariser Champs Elysées mit 10.277 Besuchern pro Stunde. Es folgt auf dem zweiten Rang Barcelona (Passeig de Gracia; 10.277) vor London auf dem dritten Platz (Regent Street; 9.252). Copenhagen stellt mit Amagertov (8.094) und Østergade (7.494) die Plätze 4 und 5.

Im "Mixed-Segment" finden sich auch zwei römische Einkaufsstraßen unter den Top 10: Die Via dei Condotti in Rom auf Platz 6 mit 6.545 Besuchern pro Stunde und die Via del Babuino / Piazza die Spagna auf Platz 8 (5.003). Auch die Londoner Old Bond Street findet sich hier unter den Top 10 mit 5.564 Besuchern pro Stunde (Platz 7).

Top 10 im "reinen" Luxussegment

Die Via dei Condotti in Rom, die zur Piazza di Spagna führt, ist die Top-Adresse im reinen Luxussegment, was die Kundenfrequenz von 6.545 Passanten pro Stunde betrifft. Die Auswirkungen auf das Verkaufspotenzial sind enorm.

So können auch in Zonen mit weniger Fußgängerfrequenz mit Luxusgeschäften trotzdem hohe Umsätze erzielt werden, unter anderem weil sie als schick gelten.

Auf Platz 2 ist die Old Bond Street in London (5.564) vor der Via del Babuino / Piazza di Spagna in Rom (5.003). Der Kohlmarkt in Wien (4.744) und die Bahnhofstraße Süd (4.064) folgen auf Platz 4 und 5.

In diesem Segment tauchen auch exotischere Destinationen wie die Pohjoisesplanadi in Helsinki (3.738; Platz 6) – vor der South Molton Street in London (3.298) und der Via Montenapoleone in Mailand (2.932) – und die Pařížská Straße in Prag (2.814; Platz 9). Auf dem 10. Platz ist die New Bond Street (2.746).

Unter den Top 20 taucht im Luxussegment auch eine deutsche Einkaufsstraße auf: Die Goethestraße in Frankfurt am Main rangiert auf dem 12. Platz mit 2.194 Besuchern pro Stunde (Platz 18 in der Kategorie "Luxus / mixed prime street").

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