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Drei Schritte zur Immobilienwirtschaft 4.0

Die Hausverwaltung 4.0 umfasst auch Home & Building Control Systems und User Interfaces.
Bild: Corbis

Immer häufiger trifft die disruptive Welt der Start-up- CEOs auf die Vorstände der etablierten großen Immobilien-, Property- und Facility-Management-Unternehmen. Dabei wird eines immer klarer: Die Immobilienwirtschaft steht mitten in einem gravierenden Strukturwandel. Eine Skizze des Bevorstehenden. 

Beim CEO-Start-up-Round-Table der Immobilienwirtschaft treffen sich zwei Welten. Die eine Welt ist jene der Vorstände der etablierten gro­ßen Immobilien-, Property- und Facility-Management-Unternehmen. Die andere ist die disruptive Welt der Start-up-CEOs. Letztere wollen mit agiler Hochgeschwindigkeit und innovativen digitalen Geschäftsmodellen eine Branche durch­einanderwirbeln. Sie stellen tradierte Geschäftsmodelle auf den Kopf, optimieren Prozesse oder lösen diese gleich ganz ab. Diese Welten der unterschiedlichen Geschwindigkeiten hatte Peter Lennartz, verantwortlicher Partner bei E&Y, eingeladen. Sie machten drei Schritte auf dem Weg zur Immobilienwirtschaft 4.0 aus. 

1. Schritt: Optimierung des Bestehenden durch digitale Lösungen

Den ersten Schritt haben einige Start-ups bereits gemacht. Er umfasst weitestgehend die Optimierung des Bestehenden durch digitale Evolution.Das passiert derzeit etwa durch die Online-Bestellung von Gebäudedienstleistungen. Sie beschleunigt signifikant den bisher quälend langsamen Prozess der Anbietersuche über die Beauftragung bis zur Umsetzung. Auktionsplattformen für den Kauf und die Miete von Gewerbe- und Privatimmobilien ermöglichen dem Verkäufer, aber auch dem Käufer den Überblick über einen größeren Marktausschnitt. Digitale Lösungen für das Dokumentenmanagement ermöglichen effizientere Prozesse. Lösungen zum verbesserten Zugang zu Immobilienkapitalanlagen erhöhen deren Marktpotenzial und erlauben eine bessere Komparatistik der Investitionsprodukte für Anleger.


2. Schritt: Revolution in der Immobilienbranche

Komplette Veränderung bestehender Branchenzweige durch cyberphysische Systeme sowie Nutzung von Big Data. Geschäftsmodelle im Bereich der digitalen smarten Hausverwaltung werden ganzen Branchenzweigen zusetzen: nämlich jenen der Property-Management-Unternehmen, natürlich den Hausverwaltungen selbst, aber auch den Facility-Management-Dienstleistern. In diesen Bereichen ist durch digitale Lösungen Disruption zu erwarten.

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Deren Aufgaben werden cyberphysische Plattformen übernehmen. Die von Systemen solcher Art bereitgestellten Daten können in Cloud-Zentren hochautomatisiert verarbeitet werden. Sie werden mit intelligenten Diensten auf der Basis von Multi-Channel-Sensoren und Funksystemen („Smart Services“) arbeiten.  

Denn das Ziel ist es, die Kosten der Gebäudebewirtschaftung durch cyberphysische Systeme massiv zu reduzieren. Die Prozesse sollen effizienter und effektiver gestaltet werden. Die Mieter sollen zufriedener und neue Wertschöpfungen ermöglicht werden. Gerade in letzterem Punkt ist das Potenzial groß, schließlich machen 80 Prozent der Lebenszyklus-Kos-ten einer Gewerbe- oder Wohnimmobilie die Bewirtschaftung und die Nutzung aus. Nur 20 Prozent der Kosten entfallen auf die Planung und den Bau der Gebäude.

Der Berufsstand des Maklers wird bereits zunehmend durch neue digitale Geschäftsmodelle gefährdet. So gibt es bereits einige spannende Start-ups auf dem Markt, die darauf zielen, digital und möglichst effizient den richtigen Mieter mit der Wunschwohnung und dem optimalenVermieter zusammenzubringen.  In Kombination mit Augmented-Reality-basierten Produkt-Service-Systemen wird angestrebt, einen ganzen Berufsstand zu digitalisieren.

Die cyberphysischen Systeme der Hausverwaltung 4.0 arbeiten auf der Basis von hinterlegten Leistungsverzeichnissen. Sie steuern die externen Dienstleister direkt. Diese Externen werden mit Hilfe von Smart Services optimiert agieren.

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Diese Lösungen umfassen auch Universal Home & Building Control Systems und User Interfaces. Konkret geht es um die Vernetzung von Fenstern, Türen, Fahrstühlen, Heizung, Klimaanlagen und anderen gebäudetechnischen Elementen. Dabei ist das Ziel, dass diese via Apps gesteuert werden können. Entscheidend dafür ist die Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) etwa auf der Basis von Wetterdaten oder der Anzahl der im Gebäude befindlichen Personen. Heizungen passen dann ihre Leistung automatisch der Außentemperatur an. Staub- und Verschmutzungssensoren werden, wenn die Reinigung der Fenster und Böden erforderlich ist, automatisch Reinigungsroboter starten oder den Reinigungsservice bestellen. Klima- und Lüftungs- sowie Heizungsanlagen werden selbst ihren Wartungsdienst beauftragen und durch M2M die Routenplanung der Wartungsdienste optimieren. Das Einlasskontrollsystem des Gebäudes wird direkt an die Kantine kommunizieren, wie viele Personen im Gebäude sind, und somit die Speisenzubereitung optimieren. Außerdem wird ein Großteil dieser Systeme selbstlernend sein.

Darüber hinaus gewinnen diese Start-ups im Bereich des digitalen Property Managements die Verbrauchsdaten von Gewerbe- und Privatimmobilien. Aus diesen Daten generieren sie weiterführende neue Geschäftsmodelle und optimieren bestehende Lösungen. Diese systematische Nutzung der Gebäude- und Infrastruktur-Big-Data wird ganz neue Wertschöpfungen ermöglichen.

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Dazu werden Lösungen gehören wie: Targeted Insurance Products & Services, IOT-basierte Geo-Services, Customized Services, Augmented-Reality-basierte Produkt-Service-Systeme, interaktive personalisierte Visualisierungen, Optimized Utility Services, cloudbasierte Gebäude- und Straßenzustandserfassung und Instandhaltung, Guided Autonomic Locations, Platforms for Guaranteeing Security and Safety, Enabling Trusted Ubiquitous Assistance und vieles mehr.

Dieser Text erscheint im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 05/2016.

Schlagworte zum Thema:  Big Data, Immobilienwirtschaft, Startup, Facility Management, Property Management, Digitalisierung

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