Kapitel
Bärbel Schomberg, Zentraler Immobilien Ausschuss Bild: ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss

Der ZIA-Ausschuss „Diversity“  fördert die Vielfalt in Immobilienunternehmen und hat die vorliegende Studie beim Fraunhofer-Institut in Auftrag gegeben. Zu den Motiven und Hintergründen äußert sich Bärbel Schomberg im Gespräch mit Laura Henkel, Redaktion „Immobilienwirtschaft“. Bärbel Schomberg ist Vizepräsidentin und Ausschussvorsitzende „Diversity“ des ZIA und Managing Partner bei Schomberg & Co. Real Estate Consulting.

Haufe Online-Redaktion: Frau Schomberg, warum haben Sie die Studie beim Fraunhofer-Institut in Auftrag gegeben?

Bärbel Schomberg: Diversity ist kein Schönwetter-Thema. Wir wollen es aus dieser Ecke rausbringen und die vielfältigen Studien, die es gibt, denen aber das Immobilienspezifische fehlt, mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts wissenschaftlich screenen lassen. Ziel ist es, daraus eine Synopse anzufertigen, die unseren Mitgliedern handfeste Argumente für den wirtschaftlichen Erfolg liefert.

Haufe Online-Redaktion: Welche Ergebnisse aus der vorliegenden Studie haben Sie überrascht?

Bärbel Schomberg: Mich hat überrascht, dass die Studie, obwohl sie im ers­­ten Schritt nur den theoretischen Stand zusammenfassen sollte, schon eine ganze Reihe von praktischen Vorschlägen liefert. Das hatte ich so nicht erwartet.

Haufe Online-Redaktion: Welche nächsten Schritte planen Sie nun?

Bärbel Schomberg: Wir wollen uns im zweiten Schritt ganz auf die praktischen Anwendungsmöglichkeiten konzentrieren. Geplant ist die Entwicklung einer Toolbox.

Haufe Online-Redaktion: Welche Immobilienunternehmen leben Vielfalt in der Kultur schon vor?

Bärbel Schomberg: Es gibt eine Reihe von großen Firmen, die das schon vorbildlich vorleben, etwa die CommerzReal, ECE, JLL und weitere prominente Unternehmen. Erfolg und Vielfalt bedingen sich gegenseitig: Diese Unternehmen sind erfolgreich, weil sie offen sind für alle möglichen neuen Entwicklungen, daher haben sie auch das Thema Diversität schon frühzeitig implementiert.

Mehr Diversity auch für KMU

Haufe Online-Redaktion: Welche Hindernisse wollen Sie aus dem Weg räumen?

Bärbel Schomberg: Jenseits der großen internationalen Unternehmen wollen wir vor allem Maßnahmen entwickeln, die auch kleinere und mittlere Unternehmen umsetzen können. Das ist für uns das Wichtigste, dass wir in unserer breit aufgestellten Branche eine hohe Akzeptanz finden und die meisten nicht sagen können: „Das geht ja nur für die Großen.“ Denn das Gegenteil ist der Fall. Jeder kann in seinem Unternehmen solche Maßnahmen implementieren, das können Kleinere teilweise sogar noch schneller tun als Große, es braucht nur eine sehr praktische Vorgehensweise.

Haufe Online-Redaktion: Mit welchen kleinen Dingen lässt sich Größeres bewirken?

Bärbel Schomberg: Die Einführung eines interkulturellen Kalenders beispielsweise kann leicht umgesetzt werden und führt innerhalb der Belegschaft zu Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Achtung gegenüber Minderheiten etc.

Haufe Online-Redaktion: Wie lässt sich der Diversity-Gedanke seitens der Geschäftsführung nachhaltig verankern?

Bärbel Schomberg: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei einem inhabergeführten großen Unternehmen hat man begonnen, jedem Vorstandsmitglied die Aufgabe zu stellen, dass in der jeweiligen Zuständigkeit und Abteilung Frauen in Führungspositionen gefördert werden. Das lässt sich gut durch Mentoring-Programme umsetzen. Zudem kann die Geschäftsführung vorgeben, dass bei Neueinstellungen die Internationalität berücksichtigt werden sollte.

Haufe Online-Redaktion: Wie bewerten Sie die Möglichkeit, mehr über Gesetze zu regeln, zum Beispiel die Frauenquote?

Bärbel Schomberg: Wir haben ja gesehen, dass die gesetzliche Regelung bei den Dax-Unternehmen funktioniert hat. Als Verband stehen wir natürlich immer für Selbstregulierung. Deshalb setzen wir mit unseren Bestrebungen darauf, dass wir mit sachlichen Argumenten die Immobilienunternehmen noch weiter voranbringen.

Haufe Online-Redaktion: Was ist Ihre persönliche Meinung hierzu?

Bärbel Schomberg: Eine befristete Frauenquote wäre nicht verkehrt, weil man an Schnelligkeit gewinnt. Ich möchte nicht noch einmal 40 Jahre warten.

Haufe Online-Redaktion: Was halten Sie davon, Vielfalt in den Unternehmenszielen zu verankern?

Bärbel Schomberg: Wir haben für alles im Unternehmen Ziele. Für alles, was man quantifizieren kann, auch für diverse Nachhaltigkeitsthemen. Im Bereich Diversity sind wir noch nicht so weit. Das wäre eigentlich ein Petitum. Wir werden beim ZIA einen CSR-Leitfaden, am Ende des Tages eine Art Kodex, entwickeln, in den auch der Gedanke einlaufen könnte.

Haufe Online-Redaktion: Wird Sie das Fraunhofer-Institut dabei weiter begleiten?

Bärbel Schomberg: Ja, wir werden uns weiterhin begleiten lassen, weil wir auch Wert auf die externe Sicht legen. Wir wollen schon im nächsten Jahr unseren Mitgliedern den Kodex vorstellen. Dann wird es auch Zeit, das Thema in die verschiedenen ZIA-Ausschüsse zu entlassen.

Schlagworte zum Thema:  Studie, Diversity Management

Aktuell
Meistgelesen